
ZUTATEN-LEXIKON
Blutorange
Citrus × sinensis · Rautengewächse (Rutaceae)
Saftig-süße Orangenschale mit leicht herber, beeriger Tiefe, frischer und dunkler wirkend als gewöhnliche Süßorange.
NATÜRLICHZITRISCH · FRUCHTIG-BEERIG · KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Blutorange, eine natürliche Mutation der Süßorange Citrus × sinensis (Rautengewächse)
- Herkunft: Ostsizilien rund um den Ätna, Sorten Tarocco, Moro und Sanguinello; auch Spanien
- Gewinnung: kaltgepresst aus der Fruchtschale
- Duft: saftige Orange mit herb-beeriger Tiefe – Kopfnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Natürliche Mutation der Süßorange aus dem Mittelmeerraum · Hauptanbau in Ostsizilien rund um den Ätna (Catania, Siracusa, Enna), eigene Sorten auch in Spanien
- Gewinnung
- Das ätherische Öl wird wie bei der Süßorange ohne Hitze aus der Fruchtschale kaltgepresst
- Hauptmoleküle
- Limonen (C₁₀H₁₆) · Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-3-glucosid (C₂₁H₂₁O₁₁⁺)
- Ernte
- In Sizilien reichen die Blutorangen von Dezember bis in den April, teils Mai: Als Erste reift die Moro ab Dezember, die Sanguinello folgt ab Februar, die Tarocco hält sich am längsten.
- Oft kombiniert mit
- Moschus, Bergamotte, Mandarine, Jasmin, Rose, Patschuli, Orangenblüte
Zahlen, die verblüffen
rund 380 Jahre
alt ist die erste schriftliche Beschreibung der Blutorange: 1646 beschrieb der Jesuit Giovanni Battista Ferrari das rote Fruchtfleisch in seinem Werk „Hesperides“.
rund 200 Jahre
alt ist die Moro: Sie entstand Anfang des 19. Jahrhunderts bei Lentini und ist bis heute die am tiefsten gefärbte der großen Blutorangen-Sorten.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
In Sizilien reichen die Blutorangen von Dezember bis in den April, teils Mai: Als Erste reift die Moro ab Dezember, die Sanguinello folgt ab Februar, die Tarocco hält sich am längsten. Als kaltgepresstes Öl ist Blutorange das ganze Jahr verfügbar.
Wie bei der Süßorange sitzt das Öl in winzigen Drüsen der Fruchtschale und wird ohne Hitze kaltgepresst. Verwendet werden die Schalen roter Sorten wie Tarocco, Moro und Sanguinello, vor allem aus Sizilien und Spanien. Weil Blutorangen in deutlich kleineren Mengen angebaut werden als blonde Orangen, ist auch ihr Öl seltener. Der rote Farbstoff der Frucht gelangt dabei nicht in den Duft: Anthocyane sind Pigmente, keine flüchtigen Duftstoffe.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Die rote Farbe gibt der Blutorange ihren beerigen Duft.
Mythos. Die Farbe stammt von Anthocyanen wie Cyanidin-3-glucosid – Farbstoffen im Fruchtfleisch, die nicht flüchtig sind und nicht duften. Das Duftöl wird aus der Schale gepresst und besteht zum größten Teil aus Limonen.
Aussage 2
Blutorangen sind gentechnisch verändert.
Mythos. Die Blutorange ist eine natürliche Mutation der Süßorange. Ihre Farbe verdankt sie einem springenden Gen, das sich auf natürlichem Weg vor das Farbstoff-Gen Ruby gesetzt hat und es bei Kälte anschaltet.
Aussage 3
Blutorangen können nach der Ernte noch röter werden.
Wahr. Bei kühler Lagerung bilden Blutorangen weiter Anthocyane – die rote Färbung kann also auch nach der Ernte noch zunehmen.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT BLUTORANGEZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Blutorange
Fragen und Antworten
Saftig-süße Orangenschale mit leicht herber, beeriger Tiefe, frischer und dunkler wirkend als gewöhnliche Süßorange.
Die Blutorange ist keine eigene Art, sondern eine natürliche Mutation der Süßorange Citrus × sinensis. Ihr Kerngebiet liegt in Ostsizilien: Die geschützte Herkunftsangabe „Arancia Rossa di Sicilia“ umfasst Gemeinden in den Provinzen Catania, Siracusa und Enna, rund um den Ätna und in der Ebene von Catania. Entscheidend ist dort das Klima – sonnige Tage und kühle Nächte mit großen Temperaturunterschieden fördern Zucker und roten Farbstoff. Drei Sorten prägen den Anbau: Tarocco, die bekannteste, mit süß-säuerlichem Geschmack; Moro, die am tiefsten gefärbte, mit fast violettrotem Fruchtfleisch; und Sanguinello mit besonders saftigem Fruchtfleisch. Auch Spanien hat eigene Blutorangen: Lange war dort die Sorte Doblefina die wichtigste, aus deren Knospenmutation die kräftiger gefärbte Sanguinelli hervorging.
Wie bei der Süßorange sitzt das Öl in winzigen Drüsen der Fruchtschale und wird ohne Hitze kaltgepresst. Verwendet werden die Schalen roter Sorten wie Tarocco, Moro und Sanguinello, vor allem aus Sizilien und Spanien. Weil Blutorangen in deutlich kleineren Mengen angebaut werden als blonde Orangen, ist auch ihr Öl seltener. Der rote Farbstoff der Frucht gelangt dabei nicht in den Duft: Anthocyane sind Pigmente, keine flüchtigen Duftstoffe.
Blutorange öffnet einen Duft wie eine Süßorange, wirkt aber reifer, saftiger und eine Spur herber, mit einem Anklang an rote Beeren. Als Kopfnote verfliegt sie rasch, verleiht dem Auftakt aber mehr Tiefe als blonde Orange. Gern steht sie neben Bergamotte und Mandarine und schlägt eine Brücke zu blumigen Herznoten wie Jasmin, Rose und Orangenblüte; Moschus und Patschuli geben ihr Halt. In unserem Sortiment steht Blutorange in 13 Düften, alle in der Kopfnote.
Zitrisch · Fruchtig-beerig · Kopfnote
In Sizilien reichen die Blutorangen von Dezember bis in den April, teils Mai: Als Erste reift die Moro ab Dezember, die Sanguinello folgt ab Februar, die Tarocco hält sich am längsten. Als kaltgepresstes Öl ist Blutorange das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Moschus, Bergamotte, Mandarine, Jasmin, Rose, Patschuli, Orangenblüte.
Zitrusfrüchte werden in Sizilien seit der arabischen Herrschaft angebaut. Die erste bekannte schriftliche Beschreibung einer Orange mit rotem Fruchtfleisch stammt von 1646: Der Jesuit und Botaniker Giovanni Battista Ferrari nahm sie in sein Werk „Hesperides“ über Zitrusfrüchte auf. Die heutigen Hauptsorten sind deutlich jünger. Die Moro entstand Anfang des 19. Jahrhunderts in der Gegend von Lentini, vermutlich als Mutation einer älteren Sanguinello-Form; die Tarocco tauchte um die Wende zum 20. Jahrhundert auf und wurde zur wichtigsten Blutorange Siziliens. Heute ist die „Arancia Rossa di Sicilia“ in der EU als geschützte geografische Angabe eingetragen.
- Ohne Kälte kein Rot: In Florida und Brasilien bleibt die Färbung schwach und unzuverlässig – verlässlich im großen Stil gelingt sie vor allem rund um den Ätna.
- Blutorangen werden auch nach der Ernte noch röter: Bei kühler Lagerung bilden sie weiter Anthocyane.
- Die erste schriftliche Beschreibung stammt von 1646 – vom Jesuiten Giovanni Battista Ferrari in seinem Zitrusbuch „Hesperides“.
Den Duft des Schalenöls prägt wie bei der Süßorange das Monoterpen (R)-(+)-Limonen (C₁₀H₁₆, PubChem-CID 440917); in Analysen sizilianischer Blutorangenöle macht es meist über 90 % aus. Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-3-glucosid (C₂₁H₂₁O₁₁⁺; als Chlorid C₂₁H₂₁ClO₁₁, PubChem-CID 197081) und dessen Malonyl-Verbindung. Gesteuert wird ihre Bildung vom Gen Ruby, das einen MYB-Transkriptionsfaktor codiert. Wie Forschende des John Innes Centre 2012 in „The Plant Cell“ zeigten, wird Ruby in Blutorangen durch ein eingefügtes springendes Gen, ein Retrotransposon, aktiviert – und zwar durch Kälte. Deshalb färben sich Blutorangen nur, wenn sie in kühlen Nächten reifen.
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