
ZUTATEN-LEXIKON
Eichenmoos
Evernia prunastri · Schüsselflechten (Parmeliaceae) – eine Flechte, kein Moos
Erdig, feucht und holzig, mit herb-grünem, leicht süßlichem, fast ledrigem Tiefgang.
NATÜRLICHCHYPRE · FOUGÈRE · BASISNOTE
AUF EINEN BLICK
- Flechte: Evernia prunastri, wächst vor allem auf Eichen – kein Moos
- Herkunft: Südosteuropa (v. a. Mazedonien) und Marokko, verarbeitet in Frankreich
- Gewinnung: von Hand gesammelt, getrocknet, als Resinoid und Absolue extrahiert
- Duft: erdig, holzig, herb-grün – Basisnote in Chypre und Fougère
STECKBRIEF
- Herkunft
- Flechte vor allem auf Eichen · für die Parfümerie gesammelt in Südosteuropa (v. a. Mazedonien) und Marokko, verarbeitet in Frankreich
- Gewinnung
- Von Hand gesammelt, getrocknet und gepresst, dann mit Lösungsmittel zum Resinoid extrahiert und mit Alkohol zum Absolue gereinigt
- Hauptmoleküle
- Methyl-β-orcinolcarboxylat (C₁₀H₁₂O₄) · Atranol (C₈H₈O₃) und Chloroatranol (C₈H₇ClO₃) als regulierte Allergene
- Ernte
- Eichenmoos wird von Hand von den Bäumen gesammelt – je nach Region das ganze Jahr über oder vor allem im Frühjahr und Herbst.
- Oft kombiniert mit
- Bergamotte, Patschuli, Jasmin, Zedernholz, Moschus, Sandelholz, Rose
Zahlen, die verblüffen
mindestens rund 20 kg
getrocknete Flechte braucht es für ein einziges Kilogramm Eichenmoos-Extrakt – selbst bei einer vergleichsweise hohen Ausbeute von etwa 5 %.
0,01 %
Atranol – und ebenso viel Chloroatranol – darf ein Eichenmoos-Extrakt nach IFRA-Standard höchstens enthalten: 100 ppm, also 0,1 g pro Kilogramm.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Eichenmoos wird von Hand von den Bäumen gesammelt – je nach Region das ganze Jahr über oder vor allem im Frühjahr und Herbst. Danach wird die Flechte getrocknet, gepresst und kann als lagerfähiger Rohstoff übers Jahr extrahiert werden.
Sammler zupfen die Flechte von Hand von Stämmen, Ästen und heruntergefallenen Zweigen. Anschließend wird sie getrocknet, von Rinden- und Holzresten befreit, zu Ballen gepresst und zur Extraktion verschickt. Dort wird die trockene Flechte mit einem Lösungsmittel, heute meist Hexan, ausgezogen – je nach Verfahren beträgt die Ausbeute nur wenige Prozent. Aus diesem Resinoid entsteht durch Behandlung mit Alkohol, Filtrieren und Abdestillieren des Alkohols das Eichenmoos-Absolue.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Eichenmoos ist ein Moos, das an Eichen wächst.
Mythos. Eichenmoos ist eine Flechte – Evernia prunastri, eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge. Mit echten Moosen ist es nicht verwandt.
Aussage 2
Eichenmoos ist in Parfums in der EU verboten.
Mythos. Verboten sind nur die beiden Allergene Atranol und Chloroatranol. Eichenmoos-Extrakte, aus denen sie weitgehend entfernt wurden, dürfen weiterhin verwendet werden.
Aussage 3
Der typische Moosgeruch geht vor allem auf ein einzelnes Molekül zurück.
Wahr. Als wichtigster Duftträger gilt Methyl-β-orcinolcarboxylat, ein moosig-holzig riechender Aromat. Das volle Absolue ist dennoch deutlich vielschichtiger.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT EICHENMOOSZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Eichenmoos
Fragen und Antworten
Erdig, feucht und holzig, mit herb-grünem, leicht süßlichem, fast ledrigem Tiefgang.
Trotz seines Namens ist Eichenmoos kein Moos, sondern die Flechte Evernia prunastri aus der Familie der Schüsselflechten – eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge. Sie wächst als graugrünes, verzweigtes Geflecht vor allem auf der Rinde von Eichen. Für die Parfümerie wird sie seit Jahrzehnten vor allem in Südosteuropa – traditionell in Mazedonien, Südserbien und Bosnien – sowie im Rif- und Atlasgebirge Marokkos gesammelt. Verarbeitet wird der Rohstoff überwiegend in Frankreich, im Umfeld von Grasse.
Sammler zupfen die Flechte von Hand von Stämmen, Ästen und heruntergefallenen Zweigen. Anschließend wird sie getrocknet, von Rinden- und Holzresten befreit, zu Ballen gepresst und zur Extraktion verschickt. Dort wird die trockene Flechte mit einem Lösungsmittel, heute meist Hexan, ausgezogen – je nach Verfahren beträgt die Ausbeute nur wenige Prozent. Aus diesem Resinoid entsteht durch Behandlung mit Alkohol, Filtrieren und Abdestillieren des Alkohols das Eichenmoos-Absolue.
Eichenmoos liegt in der Basis eines Duftes und wirkt dort als Fixateur, der flüchtigere Noten länger hält. Mit seiner erdig-holzigen, leicht phenolischen Tiefe ist es ein tragender Baustein der Chypre- und der Fougère-Akkorde. In unserem Sortiment steht es in allen 70 Düften, in denen es vorkommt, in der Basisnote.
Chypre · Fougère · Basisnote
Eichenmoos wird von Hand von den Bäumen gesammelt – je nach Region das ganze Jahr über oder vor allem im Frühjahr und Herbst. Danach wird die Flechte getrocknet, gepresst und kann als lagerfähiger Rohstoff übers Jahr extrahiert werden.
In unseren Düften steht es oft neben Bergamotte, Patschuli, Jasmin, Zedernholz, Moschus, Sandelholz, Rose.
Eichenmoos-Extrakte prägten im frühen 20. Jahrhundert die Chypre-Duftfamilie, deren klassischer Akkord aus Bergamotte, Labdanum und Eichenmoos besteht; der Name ist das französische Wort für Zypern. Auch die Fougère-Familie baut auf der moosigen Basis auf. Weil Eichenmoos Kontaktallergien auslösen kann, begrenzt der Branchenverband IFRA seit 2008 die Allergene Atranol und Chloroatranol in den Extrakten auf je unter 100 ppm. Seit dem 23. August 2019 dürfen in der EU keine neuen Kosmetika mit diesen beiden Stoffen mehr in Verkehr gebracht werden, seit August 2021 gar keine mehr – seither setzt die Parfümerie auf atranolarme Eichenmoos-Extrakte.
- Eichenmoos ist gar kein Moos, sondern eine Flechte – eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge, die auf der Rinde von Eichen wächst.
- Seit 2008 begrenzt der Branchenverband IFRA die Allergene Atranol und Chloroatranol in Eichenmoos-Extrakten auf je unter 100 ppm – seit 2019 sind sie in neuer Kosmetik in der EU verboten.
- Der Duft von Eichenmoos ist so prägend, dass er gleich zwei klassische Duftfamilien trägt: Chypre und Fougère.
Als wichtigster Duftträger gilt Methyl-β-orcinolcarboxylat (Methylatrarat, C₁₀H₁₂O₄, PubChem-CID 78435, Molmasse rund 196 g/mol), ein einkerniger Aromat mit moosig-holzigem, erdig-phenolischem Geruch. In der Flechte liegen die Duftstoffe zunächst als größere Flechtenstoffe vor, sogenannte Depside wie Evernsäure, Atranorin und Chloroatranorin. Bei der Verarbeitung werden diese gespalten – dabei entstehen neben den Duftstoffen auch Atranol (C₈H₈O₃) und Chloroatranol (C₈H₇ClO₃), die als starke Kontaktallergene gelten. Moderne Verfahren entfernen diese beiden Stoffe gezielt, ohne den Duft des Absolues zu verändern.
DUFTWISSEN
Im 4D Journal
-
DUFTWISSEN
Rose im Parfum: Die Königin der Duftstoffe
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Vanille im Parfum: Von der Orchidee zum Lieblingsduft
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Leder im Parfum: Wie riecht etwas, das nie im Flakon war?
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Duftkerze & Raumduft richtig einsetzen: So duftet Ihr Zuhause
WEITERLESEN


































