
ZUTATEN-LEXIKON
Feige
Ficus carica · Maulbeergewächse (Moraceae)
Grün und milchig-cremig, wie zerriebene Feigenblätter und der Saft frisch gebrochener Zweige.
AKKORDGRÜN · FRUCHTIG-MILCHIG · KOPF- UND HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Akkord: Feige, nachgebaut nach Blatt, Milchsaft und Frucht des Feigenbaums Ficus carica (Maulbeergewächse)
- Herkunft: Feigenbaum heimisch im Mittelmeerraum sowie in West- und Südasien
- Gewinnung: Akkord aus Einzelmolekülen – Feigenblatt-Absolue ist seit 2006 als Riechstoff verboten
- Duft: grün-blättrig und milchig-cremig mit holziger Tiefe – Kopf- und Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Der Feigenbaum ist heimisch im Mittelmeerraum sowie in West- und Südasien, von Anatolien bis Nordindien · Als Duftnote ein Akkord: Feigenblatt-Absolue ist seit 2006 als Riechstoff verboten
- Gewinnung
- Kein Naturextrakt: Der grün-milchige Feigenduft wird als Akkord aus Einzelmolekülen nachgebaut, weil Feigenblatt-Absolue wegen phototoxischer Furocumarine verboten ist
- Hauptmoleküle
- (Z)-3-Hexenol (C₆H₁₂O, grün-blättrig, „Blattalkohol“) · γ-Octalacton (C₈H₁₄O₂, süß-kokosartig, cremig-milchig) · 5-Methylheptan-3-on-oxim (C₈H₁₇NO, grün, an Feigenblätter erinnernd) · β-Caryophyllen (C₁₅H₂₄, holzig-würzig) · in den echten Blättern: Psoralen (C₁₁H₆O₃) und Bergapten (C₁₂H₈O₄) als Grund für das Verbot
- Ernte
- Als Akkord an keine Ernte gebunden und das ganze Jahr in gleichbleibender Qualität verfügbar.
- Oft kombiniert mit
- Sandelholz, Bergamotte, Moschus, Iris, Jasmin, Kardamom, Vetiver
Zahlen, die verblüffen
rund 11.400 Jahre
alt sind verkohlte Feigen aus dem Jordantal – sie gelten als möglicher Beleg dafür, dass Menschen Feigenbäume rund 1.000 Jahre vor Weizen und Gerste pflanzten.
mindestens 60 Millionen Jahre
besteht die Partnerschaft zwischen Feigenbäumen und ihren Bestäuberwespen – ihre Wurzeln reichen bis in die Kreidezeit zurück.
750 bis 900
Feigenarten gibt es weltweit – und fast jede wird von ihrer eigenen, spezialisierten Wespenart bestäubt.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Als Akkord an keine Ernte gebunden und das ganze Jahr in gleichbleibender Qualität verfügbar.
In Südfrankreich wurde aus Feigenblättern früher in kleinem Umfang ein Absolue gewonnen: eine dunkelgrüne bis bräunlich-grüne, halbfeste Masse mit zart süß-grünem, krautig-holzigem Geruch und moosigem Unterton. Dieses Feigenblatt-Absolue steht seit 2006 als Verbot in den IFRA-Standards; die EU-Kosmetikverordnung führt es in Anhang II unter den verbotenen Stoffen, wenn es als Riechstoff dient. Grund ist die phototoxische Wirkung der Furocumarine. Parfümeure bauen den Feigenduft deshalb nach: Grüne Blattnoten wie (Z)-3-Hexenol und seine Ester liefern die saftige Frische, Lactone wie γ-Octalacton und γ-Decalacton das Cremig-Milchige, ein Oxim (5-Methylheptan-3-on-oxim) die typische Feigenblatt-Grüne und holzige Sesquiterpene wie Caryophyllen die Tiefe.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Feigenduft im Parfum stammt aus echten Feigenblättern.
Mythos. Feigenblatt-Absolue ist seit 2006 durch die IFRA-Standards verboten und in der EU als Riechstoff untersagt, weil Blätter und Milchsaft phototoxische Furocumarine wie Psoralen und Bergapten enthalten. Der Feigenduft ist ein Akkord aus grünen Blattnoten, cremigen Lactonen und einem grünen Oxim.
Aussage 2
In jeder Feige steckt eine tote Wespe.
Mythos. Viele Kulturfeigen wie ‘Brown Turkey’ oder ‘Black Mission’ sind parthenokarp: Sie reifen ganz ohne Bestäubung, eine Wespe muss nie hinein. Nur Smyrna-Feigen brauchen die Feigenwespe, die Pollen aus wilden Caprifeigen einträgt.
Aussage 3
Die Feige wurde vielleicht noch vor Weizen und Gerste angebaut.
Wahr. Rund 11.400 Jahre alte, samenlose Feigen aus Gilgal I im Jordantal deuten auf gepflanzte Feigenbäume etwa tausend Jahre vor dem Getreideanbau hin. Die Deutung ist allerdings umstritten: Einige Fachleute halten die Früchte für gesammelte Wildfeigen von Bäumen, die sich selbst vermehren.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT FEIGEZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Feige
Fragen und Antworten
Grün und milchig-cremig, wie zerriebene Feigenblätter und der Saft frisch gebrochener Zweige.
Der Echte Feigenbaum ist ein Baum oder Strauch aus der Familie der Maulbeergewächse. Seine Heimat reicht vom Mittelmeerraum über West- bis nach Südasien; als Kerngebiet gilt der Raum von Anatolien bis Nordindien. Alle grünen Teile führen einen weißen Milchsaft aus eigenen Milchröhren – der Geruch zerriebener Blätter und frisch gebrochener Zweige ist das Vorbild des Parfümakkords. Ein nutzbares Naturöl gibt es dafür nicht: Blätter und Milchsaft enthalten Furocumarine wie Psoralen und Bergapten, die die Haut unter Sonnenlicht stark reizen können. Die reife Frucht enthält sie dagegen kaum. Die Feige ist in der Parfümerie deshalb eine Komposition und kein Extrakt.
In Südfrankreich wurde aus Feigenblättern früher in kleinem Umfang ein Absolue gewonnen: eine dunkelgrüne bis bräunlich-grüne, halbfeste Masse mit zart süß-grünem, krautig-holzigem Geruch und moosigem Unterton. Dieses Feigenblatt-Absolue steht seit 2006 als Verbot in den IFRA-Standards; die EU-Kosmetikverordnung führt es in Anhang II unter den verbotenen Stoffen, wenn es als Riechstoff dient. Grund ist die phototoxische Wirkung der Furocumarine. Parfümeure bauen den Feigenduft deshalb nach: Grüne Blattnoten wie (Z)-3-Hexenol und seine Ester liefern die saftige Frische, Lactone wie γ-Octalacton und γ-Decalacton das Cremig-Milchige, ein Oxim (5-Methylheptan-3-on-oxim) die typische Feigenblatt-Grüne und holzige Sesquiterpene wie Caryophyllen die Tiefe.
Der Feigenakkord verbindet zwei Gegensätze: eine saftige, leicht herbe Blattgrüne und eine weiche, milchig-cremige Fülle, die an Kokos und reife Frucht erinnert. Die grünen Blattnoten prägen den Auftakt, die lactonische Milchigkeit und die holzigen Bausteine tragen länger, sodass Feige im Auftakt wie im Herzen einer Komposition steht. Typische Begleiter sind andere Grünnoten, Zedernholz und weitere Hölzer, kokosartige und milchige Noten sowie Zitrusnoten für einen helleren Auftakt. In unserem Sortiment steht Feige in 30 Düften, davon in 15 in der Kopfnote, in 13 in der Herznote und in 2 in der Basisnote; weitere Düfte nennen Feigenblätter oder Feigenmilch.
Grün · Fruchtig-milchig · Kopf- und Herznote
Als Akkord an keine Ernte gebunden und das ganze Jahr in gleichbleibender Qualität verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Sandelholz, Bergamotte, Moschus, Iris, Jasmin, Kardamom, Vetiver.
Die Feige gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. In Gilgal I, einem frühjungsteinzeitlichen Dorf im unteren Jordantal, fanden Archäobotaniker neun verkohlte Feigen und Hunderte Fruchtsteinchen, rund 11.400 bis 11.200 Jahre alt. Sie stammen von parthenokarpen Bäumen, die ohne Bestäubung Früchte tragen. Die Forscher deuteten das 2006 in der Fachzeitschrift „Science“ als Hinweis auf gezielt gepflanzte Zweige – etwa tausend Jahre vor Weizen und Gerste; bis dahin galt die Feige als erst vor rund 6.500 Jahren domestiziert. Andere Fachleute halten dagegen, dass solche Bäume auch wild vorkommen und sich selbst vermehren können. Für die Parfümerie wurden Feigenblätter erst viel später interessant: In Südfrankreich gewann man aus ihnen ein Absolue, bis es 2006 verboten wurde.
- Smyrna-Feigen reifen nur, wenn die Feigenwespe Blastophaga psenes Pollen wilder Caprifeigen hineinträgt – ihre blinden, flügellosen Männchen verbringen praktisch ihr ganzes Leben im Inneren der Feige.
- Das nur rund 1,5 bis 2 Millimeter große Wespenweibchen verliert beim Durchzwängen durch die winzige Öffnung der Feige Flügel und Fühler.
- Für Smyrna-Feigen hängt man bis heute Tüten oder Schnüre mit wespenbesetzten Caprifeigen in die Bäume, damit die Wespen die Blüten bestäuben – die sogenannte Caprifikation.
Botanisch ist die Feige keine einzelne Frucht, sondern ein hohler, nach innen gekehrter Blütenstand (Syconium), dessen Innenwand mit zahlreichen winzigen Blüten besetzt ist; die Bestäuberwespe gelangt nur durch eine kleine Öffnung am Scheitel hinein. Für die Parfümerie entscheidend sind die Furocumarine aus Blättern und Milchsaft: Psoralen (C₁₁H₆O₃, PubChem-CID 6199) und Bergapten (C₁₂H₈O₄, CID 2355). Im Blattduft selbst dominieren je nach Sorte Sesquiterpene wie Germacren D und β-Caryophyllen (C₁₅H₂₄, CID 5281515). Der Akkord ersetzt den Naturstoff durch Einzelmoleküle ohne Furocumarine: (Z)-3-Hexenol (C₆H₁₂O, CID 5281167) riecht nach frisch gemähtem Gras und Blättern, γ-Octalacton (C₈H₁₄O₂, CID 7704) süß, kokosartig und cremig. Das Oxim 5-Methylheptan-3-on-oxim (C₈H₁₇NO) wird in der Fachliteratur als grün und an Feigenblätter erinnernd beschrieben.
DUFTWISSEN
Im 4D Journal
-
DUFTWISSEN
Rose im Parfum: Die Königin der Duftstoffe
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Vanille im Parfum: Von der Orchidee zum Lieblingsduft
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Leder im Parfum: Wie riecht etwas, das nie im Flakon war?
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Duftkerze & Raumduft richtig einsetzen: So duftet Ihr Zuhause
WEITERLESEN


































