
ZUTATEN-LEXIKON
Heliotrop
Heliotropium arborescens · Raublattgewächse (Boraginaceae)
Pudrig, süß und mandelartig, mit vanilligen Anklängen und einem Hauch Kirschkuchen.
AKKORDBLUMIG · PUDRIG · GOURMAND · HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Strauch Heliotropium arborescens, ein Raublattgewächs
- Herkunft: Anden (Peru, Bolivien, Kolumbien), seit dem 18. Jahrhundert in Europa
- Gewinnung: praktisch kein Blütenextrakt – als Akkord um Heliotropin (Piperonal) nachgebaut
- Duft: pudrig, süß, mandelig-vanillig mit Kirschton – Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Anden in Südamerika (Peru, Bolivien, Kolumbien) · seit dem 18. Jahrhundert als duftende Gartenpflanze in Europa
- Gewinnung
- Praktisch kein Blütenextrakt – die Note wird als Akkord um Heliotropin (Piperonal) mit Vanillin, Cumarin und Anisaldehyd nachgebaut
- Hauptmoleküle
- Piperonal/Heliotropin (C₈H₆O₃, pudrig-mandelig) · Vanillin (C₈H₈O₃, vanillig) · Anisaldehyd (C₈H₈O₂, süß-blumig) · Cumarin (C₉H₆O₂, heuartig-süß)
- Ernte
- Heliotrop blüht vom späten Frühjahr den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst; da er keinen Frost verträgt, endet die Blüte im Freien mit den ersten kalten Nächten.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Jasmin, Bergamotte, Sandelholz, Moschus, Patschuli, Rose
Zahlen, die verblüffen
rund 4 Trilliarden
Moleküle stecken in einem einzigen Gramm Heliotropin – rechnerisch knapp 500 Milliarden für jeden Menschen auf der Erde.
rund 37 °C
beträgt der Schmelzpunkt von Heliotropin – fast genau die Körpertemperatur des Menschen.
bis etwa 1,8 Meter
hoch wird Heliotrop als Strauch in seiner Andenheimat – mannshoch, während er bei uns als einjährige Balkonpflanze deutlich kleiner bleibt.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Heliotrop blüht vom späten Frühjahr den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst; da er keinen Frost verträgt, endet die Blüte im Freien mit den ersten kalten Nächten. Der Heliotrop-Akkord im Parfum ist davon unabhängig: Seine Moleküle werden synthetisch hergestellt und stehen das ganze Jahr zur Verfügung.
Einen in der Parfümerie gebräuchlichen Rohstoff aus Heliotropblüten gibt es praktisch nicht – natürliche Extrakte sind seltene Ausnahmen mit sehr geringer Ausbeute. Die Note wird deshalb als Akkord aufgebaut. Sein Herzstück ist Heliotropin, chemisch Piperonal: ein aromatischer Aldehyd mit pudrigem, mandelig-vanilligem Duft, der industriell vor allem durch Oxidation von Isosafrol hergestellt wird. Vanillin macht den Akkord cremiger, Cumarin bringt eine heuartig-süße Weichheit, und Anisaldehyd sowie Benzaldehyd verstärken die blumig-mandelige Facette.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Der Heliotropduft im Parfum wird aus Heliotropblüten gewonnen.
Mythos. Ein natürlicher Blütenextrakt ist eine seltene Ausnahme und spielt in der Parfümerie praktisch keine Rolle. Die Note entsteht fast immer als Akkord um Heliotropin (Piperonal), ergänzt durch Vanillin, Cumarin und Anisaldehyd.
Aussage 2
Heliotrop heißt auf Englisch auch „cherry pie“ – weil er nach Kirschkuchen duftet.
Wahr. Der volkstümliche englische Name bezieht sich allein auf den Duft: Viele Nasen erkennen in den Blüten eine süße Mischung aus Vanille, Mandel und Kirsche – wie ein frisch gebackener Kirschkuchen.
Aussage 3
Heliotrop ist eine harmlose Balkonpflanze.
Mythos. Alle Pflanzenteile enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die beim Verzehr die Leber schädigen können. Besonders gefährdet sind Pferde. Am Duft der Blüten zu riechen ist dagegen unbedenklich.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT HELIOTROPZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Heliotrop
Fragen und Antworten
Pudrig, süß und mandelartig, mit vanilligen Anklängen und einem Hauch Kirschkuchen.
Der Heliotrop Heliotropium arborescens ist ein Strauch aus den Anden Südamerikas, beheimatet in Peru, Bolivien und Kolumbien. In seiner Heimat wird er bis etwa mannshoch und trägt dichte Dolden kleiner, meist violetter, auch weißer oder lavendelfarbener Blüten mit intensivem, vanilleartigem Duft. Botanisch zählt er zu den Raublattgewächsen; neuere Systematiken stellen die Gattung in eine eigene Familie, die Heliotropiaceae. Da er keinen Frost verträgt, wird er in Mitteleuropa meist einjährig als Balkon- und Beetpflanze gezogen.
Einen in der Parfümerie gebräuchlichen Rohstoff aus Heliotropblüten gibt es praktisch nicht – natürliche Extrakte sind seltene Ausnahmen mit sehr geringer Ausbeute. Die Note wird deshalb als Akkord aufgebaut. Sein Herzstück ist Heliotropin, chemisch Piperonal: ein aromatischer Aldehyd mit pudrigem, mandelig-vanilligem Duft, der industriell vor allem durch Oxidation von Isosafrol hergestellt wird. Vanillin macht den Akkord cremiger, Cumarin bringt eine heuartig-süße Weichheit, und Anisaldehyd sowie Benzaldehyd verstärken die blumig-mandelige Facette.
Heliotrop sitzt meist im Herzen eines Duftes und reicht mit seinen pudrigen, vanilligen Facetten bis in die Basis. Er wirkt weich, nostalgisch und leicht gourmandig, verbindet blumige Noten wie Iris oder Veilchen mit Vanille, Tonka und Moschus und verleiht einer Komposition einen samtig-pudrigen Schimmer. In unserem Sortiment steht Heliotrop in 50 Düften, davon in 36 in der Herznote.
Blumig · Pudrig · Gourmand · Herznote
Heliotrop blüht vom späten Frühjahr den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst; da er keinen Frost verträgt, endet die Blüte im Freien mit den ersten kalten Nächten. Der Heliotrop-Akkord im Parfum ist davon unabhängig: Seine Moleküle werden synthetisch hergestellt und stehen das ganze Jahr zur Verfügung.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Jasmin, Bergamotte, Sandelholz, Moschus, Patschuli, Rose.
Nach Europa kam der Heliotrop im 18. Jahrhundert: Der französische Botaniker Joseph de Jussieu, der 1735 mit der Expedition von La Condamine nach Südamerika aufgebrochen war, schickte Samen aus Peru in den königlichen Garten von Paris. Im 19. Jahrhundert wurde der duftende Strauch zu einer beliebten Beet- und Kübelpflanze. Der Name geht auf das griechische hēliotropion zurück, das „Sonnenwende“ bedeutet. Der Riechstoff Heliotropin ist nach seiner Duftähnlichkeit mit der Blüte benannt.
- Der Name kommt vom griechischen „hēlios“ (Sonne) und „trepein“ (wenden) – man glaubte, die Blüten drehten sich zur Sonne.
- Heliotropin steht auf der internationalen Liste überwachter Drogengrundstoffe (Tabelle I der UN-Konvention von 1988): Weil es sich zur illegalen Herstellung synthetischer Drogen missbrauchen lässt, sind Handel und Erwerb in der EU genehmigungspflichtig.
- Der chemische Name Piperonal verweist auf den Pfeffer (Piper): In schwarzem Pfeffer kommt der Stoff in Spuren vor.
Der Riechstoff Heliotropin (Piperonal) trägt den Namen der Blüte und duftet blumig mit Anklängen an Vanille und Kirsche. Chemisch ist er ein aromatischer Aldehyd mit einem Methylendioxy-Ring (1,3-Benzodioxol-5-carbaldehyd, C₈H₆O₃, PubChem-CID 8438, Molmasse rund 150 g/mol); er bildet farblose Kristalle, die bei etwa 37 °C schmelzen. In der Natur kommt Piperonal nur in Spuren vor, etwa in schwarzem Pfeffer und Vanille. Ob und in welchem Umfang es zum Duft der Heliotropblüte beiträgt, ist nicht eindeutig belegt – sein Name beschreibt eine Duftähnlichkeit, keine Herkunft. Im Akkord ergänzen ihn Vanillin (C₈H₈O₃, CID 1183), Anisaldehyd (C₈H₈O₂, CID 31244) und Cumarin (C₉H₆O₂).
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