
ZUTATEN-LEXIKON
Himbeere
Rubus idaeus · Rosengewächse (Rosaceae)
Saftig, süß und fruchtig, mit leicht säuerlicher Frische, einem grünen Unterton und zarter, fast pudriger, veilchenartiger Wärme.
NATÜRLICH · MEIST AKKORDFRUCHTIG · BLUMIG · KOPF- UND HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Himbeerstrauch Rubus idaeus, ein Rosengewächs
- Herkunft: Europa und Nordasien, heute in gemäßigten Zonen weltweit angebaut
- Gewinnung: kein Fruchtöl – als Akkord aus Himbeerketon und Iononen nachgebaut
- Duft: saftig, süß-säuerlich, leicht veilchenartig – Kopf- und Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Europa und Nordasien · heute in gemäßigten Klimazonen weltweit angebaut
- Gewinnung
- Aus der Frucht lässt sich kein ätherisches Öl gewinnen – der Duft wird aus Himbeerketon, Iononen und weiteren Molekülen als Akkord nachgebaut
- Hauptmoleküle
- Himbeerketon (C₁₀H₁₂O₂) · α-/β-Ionon (C₁₃H₂₀O, veilchenartig)
- Ernte
- Sommerhimbeeren reifen je nach Sorte und Region etwa im Juni und Juli, Herbsthimbeeren tragen an den neuen Ruten ab August bis zum ersten Frost.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Patschuli, Moschus, Amber, Bergamotte, Rose, Jasmin
Zahlen, die verblüffen
mindestens 250 Tonnen
Himbeeren bräuchte man rechnerisch für ein einziges Kilogramm natürliches Himbeerketon – so wenig steckt davon in der Frucht.
rund 4 bis 15 Billiarden
Himbeerketon-Moleküle stecken in einem einzigen Gramm Himbeere – obwohl der Stoff nur 1 bis 4 Millionstel ihres Gewichts ausmacht.
über 200
flüchtige Verbindungen wurden in Himbeeren nachgewiesen – doch nur wenige davon prägen den typischen Himbeerduft.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Sommerhimbeeren reifen je nach Sorte und Region etwa im Juni und Juli, Herbsthimbeeren tragen an den neuen Ruten ab August bis zum ersten Frost. Der Himbeerakkord im Parfum hängt dagegen nicht von der Ernte ab, da seine Hauptmoleküle synthetisch hergestellt werden.
Aus Himbeeren lässt sich kein ätherisches Öl gewinnen, und natürliche Himbeerauszüge spielen in der Parfümerie kaum eine Rolle. Auch das typische Himbeerketon steckt nur in Spuren von 1 bis 4 mg pro Kilogramm in der Frucht, seine natürliche Gewinnung ist entsprechend aufwendig und teuer. Industriell wird es deshalb meist aus 4-Hydroxybenzaldehyd und Aceton aufgebaut und anschließend hydriert; die Ionone entstehen ebenfalls synthetisch aus Citral und Aceton. Aus diesen und weiteren Molekülen setzen Parfumeure die Himbeernote als Akkord zusammen.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Der Himbeerduft im Parfum wird aus Himbeeren gewonnen.
Mythos. Aus Himbeeren lässt sich kein ätherisches Öl gewinnen, und Himbeerketon steckt nur mit 1 bis 4 mg pro Kilogramm in der Frucht. Die Himbeernote im Parfum ist fast immer ein Akkord aus synthetisch hergestellten Molekülen wie Himbeerketon und Iononen.
Aussage 2
Die Himbeere ist botanisch eine Beere.
Mythos. Die Himbeere ist eine Sammelsteinfrucht: Sie besteht aus vielen kleinen Steinfrüchtchen, die jeweils einen Samen umschließen und um einen Blütenboden sitzen, der beim Pflücken an der Pflanze bleibt.
Aussage 3
Himbeeren und Veilchen teilen sich Duftmoleküle.
Wahr. α- und β-Ionon prägen den Duft von Veilchen und gehören zugleich zu den wichtigsten Aromastoffen der Himbeere – daher ihr zarter, pudrig-blumiger Unterton.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT HIMBEEREZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Himbeere
Fragen und Antworten
Saftig, süß und fruchtig, mit leicht säuerlicher Frische, einem grünen Unterton und zarter, fast pudriger, veilchenartiger Wärme.
Die Himbeere (Rubus idaeus) ist ein Rosengewächs und stammt ursprünglich aus Europa und Nordasien; heute wird sie in gemäßigten Klimazonen weltweit angebaut. Die Pflanze hat ein mehrjähriges Wurzelwerk, ihre Ruten leben dagegen nur etwa zwei Jahre: Im ersten Jahr wachsen sie, im zweiten tragen sie Früchte und sterben ab. Botanisch ist die Himbeere keine Beere, sondern eine Sammelsteinfrucht aus vielen kleinen Steinfrüchtchen, die jeweils einen Samen umschließen.
Aus Himbeeren lässt sich kein ätherisches Öl gewinnen, und natürliche Himbeerauszüge spielen in der Parfümerie kaum eine Rolle. Auch das typische Himbeerketon steckt nur in Spuren von 1 bis 4 mg pro Kilogramm in der Frucht, seine natürliche Gewinnung ist entsprechend aufwendig und teuer. Industriell wird es deshalb meist aus 4-Hydroxybenzaldehyd und Aceton aufgebaut und anschließend hydriert; die Ionone entstehen ebenfalls synthetisch aus Citral und Aceton. Aus diesen und weiteren Molekülen setzen Parfumeure die Himbeernote als Akkord zusammen.
Himbeere wird meist im Kopf- und Herzbereich eines Duftes eingesetzt, wo sie eine saftige, süß-säuerliche Fruchtigkeit beisteuert. Über die Ionone hat sie eine natürliche Nähe zu Veilchen und pudrigen, irisartigen Noten und wird deshalb gern mit blumigen Akkorden verbunden. In unserem Sortiment steht sie in 40 von 65 Düften in der Kopfnote.
Fruchtig · Blumig · Kopf- und Herznote
Sommerhimbeeren reifen je nach Sorte und Region etwa im Juni und Juli, Herbsthimbeeren tragen an den neuen Ruten ab August bis zum ersten Frost. Der Himbeerakkord im Parfum hängt dagegen nicht von der Ernte ab, da seine Hauptmoleküle synthetisch hergestellt werden.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Patschuli, Moschus, Amber, Bergamotte, Rose, Jasmin.
Der botanische Name Rubus idaeus bedeutet „Brombeerstrauch vom Ida“ und bezieht sich auf den Berg Ida, an dem die Pflanze der Überlieferung nach reichlich wuchs. Den Anbau von Himbeeren beschrieb bereits der römische Agrarschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. Für die Parfümerie wurde 1893 entscheidend: Ferdinand Tiemann und Paul Krüger synthetisierten erstmals Ionone aus Citral und Aceton – Moleküle, die heute als wichtige Bausteine des Himbeeraromas gelten.
- Himbeeren sind innen hohl: Beim Pflücken bleibt der Blütenboden als weißer Zapfen an der Pflanze – bei der Brombeere wandert er mit der Frucht.
- Himbeerketon kommt nicht nur in Früchten vor: Einige Orchideen geben es über ihre Blüten ab und locken damit männliche Fruchtfliegen an.
- Dieselben Ionone, die nach Veilchen duften, gehören zu den wichtigsten Aromastoffen der Himbeere.
Das typische Himbeermolekül ist Himbeerketon, auch Rheosmin genannt (C₁₀H₁₂O₂, PubChem-CID 21648, Molmasse rund 164 g/mol, Schmelzpunkt rund 83 °C); die Pflanze baut es aus p-Cumaroyl-CoA und Malonyl-CoA in zwei Enzymschritten auf. Mindestens ebenso wichtig für das Aroma sind α-Ionon (C₁₃H₂₀O, CID 5282108) und β-Ionon (C₁₃H₂₀O, CID 638014), die blumig-veilchenartige Nuancen beitragen. Die grüne, grasige Frische stammt unter anderem von (Z)-3-Hexenol (C₆H₁₂O, CID 5281167). Insgesamt wurden in Himbeeren über 200 flüchtige Verbindungen nachgewiesen, doch nur wenige davon tragen den typischen Himbeerduft.
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