
ZUTATEN-LEXIKON
Mandel
Prunus dulcis (syn. Prunus amygdalus) · Rosengewächse (Rosaceae)
Süß-bitter und marzipanartig, mit einem Hauch Kirsche und warmem Gebäck.
NATÜRLICH & SYNTHETISCHGOURMAND · SÜSS-BITTER · KOPF- UND HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Mandelbaum Prunus dulcis, ein Steinobstgehölz der Rosengewächse; Duftträger ist die Bittermandel (var. amara)
- Herkunft: Südwestasien mit dem Iran als Ursprungszentrum, heute vor allem Kalifornien; Bittermandelöl meist aus Aprikosenkernen
- Gewinnung: Presskuchen bitterer Kerne mit Wasser angesetzt, Benzaldehyd destilliert, Blausäure entfernt – meist synthetisch
- Duft: süß-bitter, marzipanartig, mit Kirsch- und Gebäckfacette – Kopf- und Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Südwestasien, mit dem Iran als wichtigstem Ursprungszentrum · Angebaut heute vor allem in Kalifornien · Bittermandelöl für die Parfümerie meist aus Aprikosenkernen
- Gewinnung
- Bittere Kerne pressen, den Presskuchen mit Wasser ansetzen, das entstehende Benzaldehyd mit Wasserdampf destillieren und die Blausäure entfernen – meist aber synthetisches Benzaldehyd
- Hauptmoleküle
- Benzaldehyd (C₇H₆O, bittermandel- und kirschartig, Hauptbestandteil des Bittermandelöls) · Amygdalin (C₂₀H₂₇NO₁₁, die Vorstufe in den bitteren Kernen) · Blausäure (HCN, entsteht mit und wird für die Parfümerie entfernt)
- Ernte
- Der Mandelbaum blüht im Vorfrühling, oft noch vor dem Austrieb der Blätter; die Frucht reift bis in den Herbst.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Sandelholz, Tonkabohne, Jasmin, Moschus, Kirsche, Bergamotte
Zahlen, die verblüffen
33 bis 54 Gramm
Amygdalin stecken in einem Kilogramm Bittermandeln – in süßen Mandeln sind es meist nur wenige Milligramm, also mehr als 200-mal weniger.
125 bis 200 Kilogramm
Bittermandeln braucht es für ein einziges Kilogramm ätherisches Bittermandelöl – die Kerne liefern nur rund 0,5 bis 0,8 % flüchtiges Öl.
über 1 Million
Bienenvölker werden jedes Jahr zur Blüte im Februar in Kaliforniens Mandelplantagen gebracht, weil die meisten Sorten auf Fremdbestäubung angewiesen sind.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Der Mandelbaum blüht im Vorfrühling, oft noch vor dem Austrieb der Blätter; die Frucht reift bis in den Herbst. Da Kerne und Benzaldehyd gut lagerfähig sind bzw. synthetisch hergestellt werden, ist der Mandelduft das ganze Jahr verfügbar.
Im Mandelkern selbst steckt der typische Duft noch gar nicht. Die bitteren Kerne werden zunächst gepresst; dabei läuft ein mildes, fettes Öl ab. Den zurückbleibenden Presskuchen zerkleinert man und setzt ihn mit Wasser an: Nun spaltet das kerneigene Enzymsystem Emulsin das Amygdalin in Zucker, Blausäure und Benzaldehyd. Durch Wasserdampfdestillation gewinnt man daraus das ätherische Bittermandelöl, das roh mehrere Prozent Blausäure enthält. Für Parfümerie und Aromen wird die Blausäure entfernt; zurück bleibt ein Öl aus rund 98 bis über 99 % Benzaldehyd. Als Rohstoff dienen heute meist Aprikosenkerne, die dieselbe Chemie mitbringen. Weit häufiger als das Naturöl wird jedoch synthetisches Benzaldehyd eingesetzt.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Der Mandelduft im Parfum kommt aus Mandelöl, wie man es aus der Küche kennt.
Mythos. Gepresstes, fettes Mandelöl riecht kaum. Der Mandelduft stammt von Benzaldehyd, das erst entsteht, wenn Enzyme in zerkleinerten bitteren Kernen das Amygdalin spalten – im Parfum meist synthetisch.
Aussage 2
Bittermandelöl stammt heute oft gar nicht aus Mandeln.
Wahr. Meist wird es aus Aprikosenkernen gewonnen. Sie enthalten ebenfalls Amygdalin und liefern nach der Destillation und dem Entfernen der Blausäure ein Öl aus rund 98 bis über 99 % Benzaldehyd.
Aussage 3
Süße Mandeln duften so mild, weil ihnen das Amygdalin fast völlig fehlt.
Wahr. Messungen zeigen in Bittermandeln 33 bis 54 Gramm Amygdalin je Kilogramm, in süßen meist nur Milligramm. Grund ist eine einzige Punktmutation im Gen bHLH2, die die Amygdalin-Bildung abschaltet – und damit auch die Quelle des kräftigen Benzaldehyds.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT MANDELZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Mandel
Fragen und Antworten
Süß-bitter und marzipanartig, mit einem Hauch Kirsche und warmem Gebäck.
Die Mandel ist kein Nusskern im botanischen Sinn, sondern der Samen einer Steinfrucht aus der Familie der Rosengewächse – verwandt mit Aprikose, Pfirsich und Kirsche. Ihre Heimat liegt in Südwestasien, als wichtigstes Ursprungszentrum gilt der Iran. Man unterscheidet die essbare Süßmandel und die Bittermandel (Prunus dulcis var. amara), die reich an Amygdalin ist. Heute ist Kalifornien das wichtigste Anbaugebiet der Welt. Weil die meisten dort gepflanzten Sorten sich nicht selbst befruchten, hängt die Ernte an der Bestäubung durch Honigbienen.
Im Mandelkern selbst steckt der typische Duft noch gar nicht. Die bitteren Kerne werden zunächst gepresst; dabei läuft ein mildes, fettes Öl ab. Den zurückbleibenden Presskuchen zerkleinert man und setzt ihn mit Wasser an: Nun spaltet das kerneigene Enzymsystem Emulsin das Amygdalin in Zucker, Blausäure und Benzaldehyd. Durch Wasserdampfdestillation gewinnt man daraus das ätherische Bittermandelöl, das roh mehrere Prozent Blausäure enthält. Für Parfümerie und Aromen wird die Blausäure entfernt; zurück bleibt ein Öl aus rund 98 bis über 99 % Benzaldehyd. Als Rohstoff dienen heute meist Aprikosenkerne, die dieselbe Chemie mitbringen. Weit häufiger als das Naturöl wird jedoch synthetisches Benzaldehyd eingesetzt.
Benzaldehyd verleiht Kompositionen den unverwechselbaren Bittermandel- und Marzipanton mit kirschiger Facette und ist ein Grundbaustein gourmandiger Akkorde. Als Nachbarn treten oft Heliotropin (C₈H₆O₃, süß-pudrig, heliotropartig mit Kirsch- und Vanilleanklang) und Cumarin (heuartig, vanilleartig) auf, die die Mandelnote weicher, pudriger und wärmer erscheinen lassen. In unserem Sortiment steht Mandel in 37 Düften, davon in 17 in der Kopfnote, in 12 in der Herznote und in 8 in der Basisnote.
Gourmand · Süß-bitter · Kopf- und Herznote
Der Mandelbaum blüht im Vorfrühling, oft noch vor dem Austrieb der Blätter; die Frucht reift bis in den Herbst. Da Kerne und Benzaldehyd gut lagerfähig sind bzw. synthetisch hergestellt werden, ist der Mandelduft das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Sandelholz, Tonkabohne, Jasmin, Moschus, Kirsche, Bergamotte.
Mandeln gehören zu den frühesten Kulturpflanzen des Vorderen Orients: Kultivierte Mandeln erscheinen in der frühen Bronzezeit, und sumerische Texte aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. verzeichnen Mandelöl, das vor allem zum Salben diente, zum Teil auch parfümiert. Im Grab des Tutanchamun (um 1325 v. Chr.) lagen gut erhaltene Mandeln. Chemisch wurde der Duft im 19. Jahrhundert entschlüsselt: Der französische Apotheker Martrès gewann Benzaldehyd aus Bittermandeln, 1830 isolierten Robiquet und Boutron-Charlard das Amygdalin, und 1832 beschrieben Friedrich Wöhler und Justus von Liebig erstmals die Herstellung von Benzaldehyd. Bittermandelöl aromatisiert seit langem Backwaren, Marzipan und Liköre.
- Süße Mandeln verdanken ihre Milde einer einzigen Punktmutation im Gen bHLH2, die die Bildung des bitteren Amygdalins unterbindet.
- In der Bibel trägt der Stab Aarons über Nacht Blüten und reife Mandeln – ein Zeichen, das ihn als erwählten Priester ausweisen sollte.
- Als „falsches Bittermandelöl“ wurde früher Nitrobenzol bezeichnet – ein giftiger, ebenfalls mandelartig riechender Stoff, der mit der Mandel nichts zu tun hat.
Bittere Mandelkerne speichern Amygdalin (C₂₀H₂₇NO₁₁), ein sogenanntes cyanogenes Glykosid. Erst wenn das Gewebe zerstört wird, setzt eine Enzymkaskade ein: Ein erstes Enzym spaltet Glucose ab und es entsteht Prunasin, ein zweites setzt Mandelsäurenitril frei, das schließlich – spontan oder enzymatisch – in Benzaldehyd (C₇H₆O) und Blausäure zerfällt. Bittermandeln enthalten in Messungen rund 33 bis 54 Gramm Amygdalin je Kilogramm, süße meist nur wenige Milligramm. Den Unterschied macht ein einziger Baustein: Im Transkriptionsfaktor bHLH2 der Süßmandel ist durch eine Punktmutation eine Aminosäure ausgetauscht (Leucin gegen Phenylalanin), sodass zwei Cytochrom-P450-Gene der Amygdalin-Synthese nicht mehr abgelesen werden.
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