
ZUTATEN-LEXIKON
Muskatnuss
Myristica fragrans · Muskatnussgewächse (Myristicaceae)
Warm, würzig und leicht süßlich, mit holzig-harzigem, fast pfeffrigem Funkeln.
NATÜRLICHWÜRZIG · AMBER (ORIENTALISCH) · KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Samen des Muskatnussbaums Myristica fragrans (Muskatnussgewächse)
- Herkunft: Banda-Inseln (Molukken), heute vor allem Indonesien und Grenada
- Gewinnung: getrocknete, gemahlene Nüsse, mit Wasserdampf destilliert
- Duft: warm, würzig, leicht süß, frisch-terpenig – Kopfnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Banda-Inseln in den Molukken, Indonesien · Rohstoff heute vor allem aus Indonesien, daneben aus Grenada, Indien und Sri Lanka
- Gewinnung
- Getrocknete Samen werden gemahlen und mit Wasserdampf destilliert – oft aus gebrochenen, für den Gewürzhandel aussortierten Nüssen
- Hauptmoleküle
- Sabinen (C₁₀H₁₆)
- Ernte
- Muskatbäume tragen das ganze Jahr über Früchte; die Haupternte fällt je nach Anbaugebiet in unterschiedliche Monate.
- Oft kombiniert mit
- Patschuli, Vanille, Zedernholz, Bergamotte, Moschus, Sandelholz, Amber
Zahlen, die verblüffen
rund 18-mal
so groß wie die Muskatinsel Run ist Manhattan – und doch wurde im 17. Jahrhundert jahrelang um das winzige Run gekämpft.
rund 10 kg
Muskatnüsse ergeben bei der Wasserdampfdestillation etwa 1 kg ätherisches Öl – dafür reichen sogar aussortierte, gebrochene Nüsse.
mindestens 2,7 Trilliarden
Terpen-Moleküle der Formel C₁₀H₁₆ stecken in einem einzigen Gramm Muskatöl – eine 27 mit 20 Nullen.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Muskatbäume tragen das ganze Jahr über Früchte; die Haupternte fällt je nach Anbaugebiet in unterschiedliche Monate. Nach der Ernte trocknen die Nüsse mehrere Wochen, bevor sie geknackt, gemahlen und destilliert werden.
Reife Früchte platzen noch am Baum auf, Samen und Macis fallen heraus und werden eingesammelt. Der rote Samenmantel wird abgelöst und für sich getrocknet; die Nüsse trocknen mehrere Wochen, bevor ihre harte Schale geknackt wird. Für die Parfümerie werden die getrockneten Nüsse gemahlen und mit Wasserdampf destilliert – meist sind es gebrochene, wurmstichige oder sonst unverkäufliche Nüsse, die in der Destille landen. In den Samen stecken rund 5 bis 15 % ätherisches Öl.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Die Muskatnuss ist eine Nuss.
Mythos. Botanisch ist sie der Samen einer aufspringenden Frucht. Der rote Samenmantel darum ist die Macis – trotz des Namens „Muskatblüte“ keine Blüte.
Aussage 2
Muskatnuss und Macis stammen aus derselben Frucht.
Wahr. Macis ist der rote, netzartige Samenmantel, der die Muskatnuss in der Frucht umhüllt; beide werden getrennt getrocknet und als eigene Gewürze gehandelt.
Aussage 3
Muskatöl wird nur aus den besten Nüssen destilliert.
Mythos. In die Destille kommen gerade gebrochene, wurmstichige oder sonst unverkäufliche Nüsse – die makellosen Nüsse gehen in den Gewürzhandel.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT MUSKATNUSSZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Muskatnuss
Fragen und Antworten
Warm, würzig und leicht süßlich, mit holzig-harzigem, fast pfeffrigem Funkeln.
Die Muskatnuss ist der Samen von Myristica fragrans, einem immergrünen Baum aus der Familie der Muskatnussgewächse, der meist 5 bis 15 Meter hoch wird. Ursprünglich wuchs er nur auf den Banda-Inseln, einer Gruppe winziger Inseln in den Molukken im Osten Indonesiens. Seine gelbe, birnenförmige Frucht ist 6 bis 9 Zentimeter lang und springt bei der Reife auf; darin liegt ein brauner Samen, umhüllt von einem leuchtend roten, netzartigen Samenmantel – der Muskatblüte oder Macis. Nuss und Macis stammen also aus derselben Frucht und werden getrennt als Gewürz gehandelt. Größter Erzeuger ist bis heute Indonesien, daneben wird Muskat unter anderem auf Grenada, in Indien und Sri Lanka angebaut.
Reife Früchte platzen noch am Baum auf, Samen und Macis fallen heraus und werden eingesammelt. Der rote Samenmantel wird abgelöst und für sich getrocknet; die Nüsse trocknen mehrere Wochen, bevor ihre harte Schale geknackt wird. Für die Parfümerie werden die getrockneten Nüsse gemahlen und mit Wasserdampf destilliert – meist sind es gebrochene, wurmstichige oder sonst unverkäufliche Nüsse, die in der Destille landen. In den Samen stecken rund 5 bis 15 % ätherisches Öl.
Muskat bringt vor allem in der Kopfnote ein frisch-terpeniges, würzig-warmes Funkeln und hat einen süßlich-würzigen, warmen Körper. Parfümeure setzen das Öl gern ein, um würzige Akkorde zu beleben und zu verändern; man findet es häufig in Kölnisch-Wasser-artigen, maskulinen und orientalischen Kompositionen. In kleinen Mengen schenkt es auch floralen Bouquets eine überraschende, warme Würze. In unserem Sortiment steht sie in 41 von 78 Düften in der Kopfnote.
Würzig · Amber (orientalisch) · Kopfnote
Muskatbäume tragen das ganze Jahr über Früchte; die Haupternte fällt je nach Anbaugebiet in unterschiedliche Monate. Nach der Ernte trocknen die Nüsse mehrere Wochen, bevor sie geknackt, gemahlen und destilliert werden.
In unseren Düften steht es oft neben Patschuli, Vanille, Zedernholz, Bergamotte, Moschus, Sandelholz, Amber.
Bis ins frühe 19. Jahrhundert wuchs Muskat praktisch nur auf den Banda-Inseln, was Nuss und Macis zu den kostbarsten Gewürzen der Welt machte. Um sich das Monopol zu sichern, eroberte die niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) 1621 unter Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen die Inselgruppe; von rund 15.000 Bandanesen überlebte nur ein Bruchteil, und die VOC kontrollierte fortan die gesamte Muskat- und Macisproduktion der Welt. Auf die kleine Insel Run erhob England noch Anspruch, bis es ihn im Frieden von Breda 1667 aufgab und dafür Manhattan behielt, das es wenige Jahre zuvor den Niederländern abgenommen hatte. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege brachten die Briten Muskatbäume in eigene Kolonien wie Penang, Bencoolen und Singapur, später auch nach Grenada. Dort wurde die Muskatnuss so wichtig, dass sie seit 1974 die Nationalflagge ziert.
- Im Frieden von Breda 1667 gab England seinen Anspruch auf die Muskatinsel Run auf – und behielt dafür Manhattan.
- Seit 1974 prangt eine Muskatnuss auf der Flagge von Grenada – der Inselstaat ist einer der wichtigsten Muskat-Erzeuger der Welt.
- Nur weibliche Muskatbäume tragen Früchte – doch aus Samen gezogen ist rund die Hälfte der Bäume männlich.
Das ätherische Öl der Samen besteht zu rund 60 bis 90 % aus Monoterpen-Kohlenwasserstoffen wie Sabinen, α- und β-Pinen; Hauptmolekül ist meist Sabinen (C₁₀H₁₆, PubChem-CID 18818, CAS 3387-41-5, Molmasse rund 136 g/mol), ein bizyklisches Monoterpen mit holzig-würzigem, pfeffrigem Duft. Sein Anteil schwankt je nach Herkunft und Verfahren stark, von unter 10 bis über 50 %. α-Pinen (C₁₀H₁₆, PubChem-CID 6654, CAS 80-56-8) hat dieselbe Summenformel wie Sabinen, aber ein anderes Kohlenstoffgerüst. Dazu kommen Terpinen-4-ol und würzige Phenylpropanoide wie Myristicin (C₁₁H₁₂O₃, PubChem-CID 4276, CAS 607-91-0, rund 192 g/mol), das meist nur wenige Prozent des Öls ausmacht. Myristicin ist in großen Mengen giftig; Wirkungen treten aber erst bei Mengen auf, die weit über eine Gewürzprise hinausgehen. Neben dem ätherischen Öl enthalten die Samen festes Fett, die Muskatbutter, die zu rund drei Vierteln aus Trimyristin besteht.
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