
ZUTATEN-LEXIKON
Narzisse
Narcissus poeticus · Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Grün, honigartig und betörend, mit heuigen, leicht animalischen Facetten.
NATÜRLICHBLUMIG · GRÜN · HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Dichternarzisse Narcissus poeticus, ein Amaryllisgewächs; seltener die Jonquille Narcissus jonquilla
- Herkunft: Mittel- und Südeuropa; für die Parfümerie vor allem wilde Bestände auf dem Aubrac (Lozère, Frankreich)
- Gewinnung: Lösungsmittelextraktion der frischen Blüten zur Concrète, daraus durch Alkoholwäsche das Absolue
- Duft: grün, honigartig und betörend blumig mit Heu – vor allem Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Mittel- und Südeuropa, von Spanien bis zur Ukraine · Für die Parfümerie vor allem wilde Bestände auf der Hochebene des Aubrac (Lozère, Frankreich); die Jonquille stammt aus Spanien und Portugal und wird auch in Südfrankreich angebaut
- Gewinnung
- Lösungsmittelextraktion der frischen Blüten zur wachsigen Concrète, daraus durch Alkoholwäsche das Absolue
- Hauptmoleküle
- Benzylbenzoat (C₁₄H₁₂O₂) · α-Terpineol (C₁₀H₁₈O) · Cumarin (C₉H₆O₂)
- Ernte
- Auf dem Aubrac blüht die Dichternarzisse im späten Frühling; geerntet wird im Mai und Juni, solange die Blüten frisch und offen sind.
- Oft kombiniert mit
- Bergamotte, Sandelholz, Moschus, Rose, Leder, Tuberose, Tabak
Zahlen, die verblüffen
1,3 bis 1,6 Tonnen
Narzissenblüten braucht es für ein einziges Kilogramm Absolue – aus einer Tonne Blüten bleiben weniger als 800 Gramm Duft.
über 2.300 Jahre
ist es her, dass Theophrast die Narzisse zu den duftenden Blumen zählte – vermutlich genau die Dichternarzisse, die heute ins Parfum kommt.
über 1.000 Meter
hoch liegen die Wiesen des Aubrac, auf denen die wilde Dichternarzisse für die Parfümerie gepflückt wird – im Schnitt rund 1.200 Meter.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Auf dem Aubrac blüht die Dichternarzisse im späten Frühling; geerntet wird im Mai und Juni, solange die Blüten frisch und offen sind. Die Saison ist kurz und hängt stark von der Witterung auf der Hochebene ab. Als Absolue ist der Rohstoff unabhängig von der Blütezeit das ganze Jahr verfügbar.
Geerntet wird im Mai und Juni. Auf dem Aubrac pflückte man die Blüten früher mit Handkämmen; heute streifen große Kämme auf Rädern, die Blütenköpfe von den Stängeln. Aufkäufer bringen die frischen Blüten zu einem Betrieb in der Lozère. Dort werden sie mit einem flüchtigen Lösungsmittel extrahiert, zurück bleibt eine wachsige Masse, die Concrète. Destilliert wird nicht. Die Concrète wird anschließend in Grasse mit Alkohol gewaschen, um die Wachse abzutrennen; nach dem Entfernen des Alkohols bleibt das Absolue. Die Ausbeute ist winzig: Für ein einziges Kilogramm Absolue braucht es rund 1,3 bis 1,6 Tonnen Blüten. Das fertige Absolue ist eine dunkle, grünlich- bis bernsteinbraune, zähe Flüssigkeit.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Der Narzissenduft im Parfum wird durch Destillation der Blüten gewonnen.
Mythos. Narzissenblüten werden nicht destilliert, sondern mit einem flüchtigen Lösungsmittel extrahiert. Aus der wachsigen Concrète entsteht durch Alkoholwäsche das Absolue. In der Parfümerie kommt Narzisse deshalb als Concrète oder Absolue zum Einsatz, nicht als ätherisches Öl im engeren Sinn.
Aussage 2
Der Name Narzisse hat mit Betäubung zu tun.
Wahr. Schon der antike Autor Plutarch verband das griechische narkissos mit narkē, „Betäubung“ – derselben Wurzel, aus der auch „narkotisch“ stammt. Die Verbindung zum Jüngling Narziss ist dagegen nicht gesichert: Plinius etwa meinte, die Pflanze sei nach ihrem Duft benannt.
Aussage 3
Der Narzissenduft im Parfum stammt von der gelben Osterglocke.
Mythos. Für das Absolue werden vor allem die weißen Blüten der Dichternarzisse Narcissus poeticus verarbeitet, in kleinerem Umfang die der gelb blühenden Jonquille Narcissus jonquilla. Beide gehören zwar wie die Osterglocke Narcissus pseudonarcissus zur Gattung Narcissus, sind aber eigene Arten.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT NARZISSEZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Narzisse
Fragen und Antworten
Grün, honigartig und betörend, mit heuigen, leicht animalischen Facetten.
Die Narzisse der Parfümerie ist vor allem die Dichternarzisse Narcissus poeticus, eine Zwiebelpflanze aus der Familie der Amaryllisgewächse. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Spanien und Frankreich über die Schweiz, Österreich und Italien bis nach Griechenland, Rumänien und in die Ukraine. Ihre reinweißen Blütenblätter umgeben eine kurze, gelbe Nebenkrone mit rötlichem Rand. Der wichtigste Erntestandort für die Parfümerie liegt in Frankreich: das Aubrac, eine Hochebene im Süden des Zentralmassivs, deren Wiesen auf über 1.000 Metern liegen. Dort wächst die Narzisse wild und wird im späten Frühling gepflückt. In kleinerem Umfang verwendet die Parfümerie eine Verwandte, die gelb blühende Jonquille Narcissus jonquilla. Sie stammt aus Spanien und Portugal und wird auch in Südfrankreich rund um Grasse kultiviert.
Geerntet wird im Mai und Juni. Auf dem Aubrac pflückte man die Blüten früher mit Handkämmen; heute streifen große Kämme auf Rädern, die Blütenköpfe von den Stängeln. Aufkäufer bringen die frischen Blüten zu einem Betrieb in der Lozère. Dort werden sie mit einem flüchtigen Lösungsmittel extrahiert, zurück bleibt eine wachsige Masse, die Concrète. Destilliert wird nicht. Die Concrète wird anschließend in Grasse mit Alkohol gewaschen, um die Wachse abzutrennen; nach dem Entfernen des Alkohols bleibt das Absolue. Die Ausbeute ist winzig: Für ein einziges Kilogramm Absolue braucht es rund 1,3 bis 1,6 Tonnen Blüten. Das fertige Absolue ist eine dunkle, grünlich- bis bernsteinbraune, zähe Flüssigkeit.
Narzisse setzt in einer Komposition einen grünen und zugleich schweren Blütenakzent. Im ersten Moment wirkt sie frisch wie nasse Stängel und Gras, dann öffnet sich ein dichtes, betörend blumiges Herz mit Honig- und Heunoten; im Ausklang wird sie warm und leicht animalisch. Schon in kleinen Mengen prägt das Absolue einen Duft deutlich, deshalb wird es sparsam dosiert. Die Note steht meist im Herzen und trägt dank ihrer hohen Haftfestigkeit bis weit in den Ausklang. Gut verbindet sich Narzisse mit Bergamotte, Sandelholz und Moschus sowie mit Rose, Leder und Tuberose. In unserem Sortiment steht Narzisse in 10 Düften, meist in der Herznote.
Blumig · Grün · Herznote
Auf dem Aubrac blüht die Dichternarzisse im späten Frühling; geerntet wird im Mai und Juni, solange die Blüten frisch und offen sind. Die Saison ist kurz und hängt stark von der Witterung auf der Hochebene ab. Als Absolue ist der Rohstoff unabhängig von der Blütezeit das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Bergamotte, Sandelholz, Moschus, Rose, Leder, Tuberose, Tabak.
Schon der griechische Naturforscher Theophrast zählte um 300 v. Chr. die Narzisse zu den duftenden Blumen; vermutlich meinte er die Dichternarzisse. In der griechischen Mythologie pflückte Persephone Narzissen, als Hades sie in die Unterwelt entführte, und die Griechen schmückten Gräber mit der Blume. Ihren wissenschaftlichen Namen Narcissus poeticus erhielt die Pflanze 1753 von Carl von Linné. Für die Parfümerie wurde vor allem die wilde Narzisse des Aubrac wichtig. Aufkäufer zogen von Dorf zu Dorf, sammelten die Blüten ein und brachten sie zur ersten Verarbeitung in die Lozère, das Absolue entstand anschließend in Grasse. Die Jonquille dagegen wird in Südfrankreich gezielt für die Parfümerie angebaut.
- Auf dem Aubrac werden die Narzissen nicht einzeln gepflückt, sondern mit großen Kämmen auf Rädern geerntet, die die Blüten von den Stängeln abstreifen.
- Der Name Jonquille kommt vom spanischen junquillo, „kleine Binse“ – wegen der schmalen, binsenartigen Blätter dieser Narzisse.
- Die Dichternarzisse heißt auch Fasanenauge: Ihre kleine gelbe Nebenkrone mit rotem Rand sitzt wie ein Auge in den weißen Blütenblättern.
Narzissen-Absolue ist ein komplexes Naturgemisch aus Dutzenden Bestandteilen. Regelmäßig nachgewiesen werden Benzylbenzoat (C₁₄H₁₂O₂, PubChem-CID 2345), Benzylalkohol und α-Terpineol (C₁₀H₁₈O, CID 17100). Hinzu kommt Cumarin (C₉H₆O₂, CID 323), ein Stoff, der auch in der Tonkabohne vorkommt. Im Duft der lebenden Blüten überwiegen dagegen Monoterpene wie Limonen und trans-β-Ocimen. Eine 2022 in der Fachzeitschrift Molecules veröffentlichte Studie fand in Blütenextrakten der Dichternarzisse 116 flüchtige Verbindungen. Gut die Hälfte dieser Extrakte bestand allerdings aus nahezu geruchlosen Wachsen – genau jenen Stoffen, die bei der Herstellung des Absolues durch die Alkoholwäsche abgetrennt werden.
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