
ZUTATEN-LEXIKON
Osmanthus
Osmanthus fragrans · Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Samtig-fruchtig nach reifer Aprikose, mit blumigem, leicht ledrigem Unterton.
NATÜRLICHBLUMIG · FRUCHTIG · HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Osmanthus Osmanthus fragrans, ein immergrüner Strauch aus der Familie der Ölbaumgewächse
- Herkunft: Ostasien vom Himalaya bis Japan, für die Parfümerie vor allem aus China
- Gewinnung: Blüten mit Lösungsmittel zur Concrete, dann zum Absolue – sehr geringe Ausbeute
- Duft: fruchtig nach Aprikose, blumig-veilchenartig, leicht ledrig – Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Ostasien vom Himalaya bis China und Japan · Anbau heute vor allem in Süd- und Ostchina, etwa in der Region Guilin
- Gewinnung
- Frische Blüten werden mit einem Lösungsmittel wie Hexan zu einer Concrete extrahiert, daraus mit Alkohol das Absolue – die Ausbeute ist sehr gering
- Hauptmoleküle
- β-Ionon (C₁₃H₂₀O, veilchenartig) · α-Ionon (C₁₃H₂₀O, veilchenartig) · Dihydro-β-ionon (C₁₃H₂₂O) · γ-Decalacton (C₁₀H₁₈O₂, pfirsich-aprikosig) · Linalool (C₁₀H₁₈O, blumig)
- Ernte
- Osmanthus blüht im Spätsommer und Herbst, in China mit einem Höhepunkt meist von September bis Anfang Oktober.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Moschus, Bergamotte, Patschuli, Jasmin, Rose, Sandelholz
Zahlen, die verblüffen
rund 3 Tonnen
frische Osmanthusblüten nennt die klassische Fachliteratur für ein einziges Kilogramm Absolue – eine Ausbeute von nur rund 0,03 %.
2 aus 1
Aus einem einzigen Carotin-Molekül mit 40 Kohlenstoffatomen schneidet das Enzym OfCCD1 zwei Duftmoleküle mit je 13 Kohlenstoffatomen – den Veilchenton des Osmanthus.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Osmanthus blüht im Spätsommer und Herbst, in China mit einem Höhepunkt meist von September bis Anfang Oktober.
Die zarten Blüten werden im Herbst geerntet. Mit einem flüchtigen Lösungsmittel wie Hexan entsteht daraus eine wachsartige Concrete; ein Auszug mit Alkohol, Kühlen und Filtrieren trennt die Wachse ab, nach dem Verdampfen des Alkohols bleibt das Absolue zurück. Die Ausbeute ist sehr gering: Für ein einziges Kilogramm Absolue braucht es eine riesige Menge frischer Blüten.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Osmanthus duftet nach Aprikose, weil er mit der Aprikose verwandt ist.
Mythos. Osmanthus ist ein Ölbaumgewächs und mit der Olive verwandt, nicht mit der Aprikose. Den Aprikosenton liefern Lactone wie γ-Decalacton, dazu kommen veilchenartige Ionone.
Aussage 2
Ein Teil des Osmanthusdufts entsteht aus den Farbstoffen der Blüte.
Wahr. Das Enzym OfCCD1 spaltet Carotine – die Farbstoffe, die die Blüten gelb bis orange färben – in die veilchenartig duftenden α- und β-Ionone. In einer Studie zeigte Osmanthus unter den untersuchten Blütenpflanzen sogar die größte Vielfalt solcher Duftstoffe aus Carotinoiden.
Aussage 3
Den Veilchenton der Ionone riechen alle Menschen gleich.
Mythos. Eine Variante des Riechrezeptor-Gens OR5A1 entscheidet mit, wie empfindlich jemand für β-Ionon ist. Wer weniger empfindlich ist, nimmt es oft nicht als blumig wahr, sondern als säuerlich oder stechend – und findet es seltener angenehm.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT OSMANTHUSZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Osmanthus
Fragen und Antworten
Samtig-fruchtig nach reifer Aprikose, mit blumigem, leicht ledrigem Unterton.
Osmanthus fragrans ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum; seine natürliche Heimat reicht vom Himalaya und Assam über China und Südostasien bis Taiwan und Japan. Die kleinen Blüten sitzen in Büscheln und sind je nach Sorte weiß, hellgelb, goldgelb oder orange. In China werden über hundert Sorten gezogen, die in vier Sortengruppen eingeteilt werden – die orange blühende Aurantiacus-Gruppe unterscheidet sich dabei deutlich von den gelblich-weißen Gruppen. Für die Parfümerie stammt Osmanthus vor allem aus China, wo der Strauch vor allem im Süden, etwa in der Region um Guilin, verbreitet angebaut wird.
Die zarten Blüten werden im Herbst geerntet. Mit einem flüchtigen Lösungsmittel wie Hexan entsteht daraus eine wachsartige Concrete; ein Auszug mit Alkohol, Kühlen und Filtrieren trennt die Wachse ab, nach dem Verdampfen des Alkohols bleibt das Absolue zurück. Die Ausbeute ist sehr gering: Für ein einziges Kilogramm Absolue braucht es eine riesige Menge frischer Blüten.
Osmanthus wirkt vor allem im Herzen eines Duftes: Ionone geben ihm eine veilchenartig-pudrige Blumigkeit, Lactone wie γ-Decalacton den cremigen Aprikosen- und Pfirsichton. Linalool steuert zu Beginn etwas helle Frische bei. In unserem Sortiment steht Osmanthus in 46 Düften, davon in 38 in der Herznote, in 7 in der Kopfnote und in 2 in der Basisnote.
Blumig · Fruchtig · Herznote
Osmanthus blüht im Spätsommer und Herbst, in China mit einem Höhepunkt meist von September bis Anfang Oktober.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Moschus, Bergamotte, Patschuli, Jasmin, Rose, Sandelholz.
In China ist Osmanthus eng mit dem Mondfest verbunden, das in die Zeit seiner Blüte fällt: Nach einer alten Legende wächst auf dem Mond ein Osmanthusbaum, den Wu Gang zur Strafe fällen muss – doch der Baum wächst so schnell nach, wie er ihn schlägt. Zum Fest trinken Familien traditionell Osmanthuswein als „Wiedervereinigungswein“ und essen Gebäck mit Osmanthusblüten. Seit Langem aromatisiert man in China auch grünen oder schwarzen Tee mit den Blüten. Mehrere Städte führen Osmanthus als Stadtblume, darunter Hangzhou und Guilin, dessen Name meist als „Osmanthuswald“ übersetzt wird.
- In einer Studie zeigte Osmanthus unter allen untersuchten Blütenpflanzen die größte Vielfalt an Duftstoffen aus Carotinoiden – also aus Blütenfarbstoffen.
- Ob β-Ionon blumig oder säuerlich-stechend riecht, hängt teils von einer Variante des Riechrezeptor-Gens OR5A1 ab – weniger empfindliche Menschen nehmen den Veilchenton kaum wahr.
- Das Schriftzeichen 桂 (guì) im Stadtnamen Guilin bezeichnet heute den Osmanthus; in älteren Texten wurde es auch mit dem Zimtbaum (Kassia) in Verbindung gebracht.
Der Duft von Osmanthus wird von C₁₃-Norisoprenoiden geprägt, allen voran β-Ionon (C₁₃H₂₀O, PubChem-CID 638014) und α-Ionon (C₁₃H₂₀O, CID 5282108), daneben Dihydro-β-ionon (C₁₃H₂₂O, CID 519382). Diese Ionone entstehen, wenn das Enzym OfCCD1 – eine Carotinoid spaltende Dioxygenase – Carotine aus den Blütenblättern zerschneidet; ihre Abgabe folgt einem Tagesrhythmus und ist tagsüber höher. In den Blüten finden sich vor allem α- und β-Carotin, die zugleich die gelbe bis orange Farbe bestimmen. Den fruchtigen Aprikosenton liefern Lactone wie γ-Decalacton (C₁₀H₁₈O₂, CID 12813), während Linalool (C₁₀H₁₈O, CID 6549) und seine Oxide eine blumig-frische Seite beisteuern.
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