
ZUTATEN-LEXIKON
Rhabarber
Rheum rhabarbarum · Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Säuerlich-grün und saftig, mit knackiger, leicht fruchtiger Frische, die an frisch angeschnittene Rhabarberstangen erinnert.
AKKORDGRÜN · SÄUERLICH-FRUCHTIG · KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Rhabarber Rheum rhabarbarum, ein Knöterichgewächs – gegessen werden die Blattstiele
- Herkunft: Wildart aus Südsibirien, Mongolei und Nordchina, Gemüse in Europa seit dem 18. Jahrhundert
- Gewinnung: kein handelsübliches ätherisches Öl – im Parfum als Akkord aus Riechstoffen nachgebaut
- Duft: säuerlich-grün, saftig, leicht fruchtig – vor allem Kopfnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Wildart heimisch von Südsibirien und der Mongolei bis Nord- und Zentralchina · Als Gemüse in Europa und Nordamerika kultiviert, Treibrhabarber vor allem aus Yorkshire
- Gewinnung
- Kein handelsübliches ätherisches Öl aus den Stängeln – der Rhabarbereffekt wird im Parfum als Akkord aus Riechstoffen aufgebaut
- Hauptmoleküle
- Akkord-Bausteine: 1-Phenylethylacetat (Styrallylacetat, C₁₀H₁₂O₂) als klassischer Kernbaustein · In der Pflanze selbst: grüne C6-Verbindungen wie (Z)-3-Hexenal (C₆H₁₀O)
- Ernte
- Treibrhabarber aus Yorkshire kommt traditionell zwischen Weihnachten und Ostern als erster Rhabarber des Jahres, danach folgt die Freilandernte; als Duftakkord ist Rhabarber das ganze Jahr verfügbar.
- Oft kombiniert mit
- Moschus, Bergamotte, Vanille, Sandelholz, Zedernholz, Amber, Patschuli
Zahlen, die verblüffen
rund 23 km²
groß ist das Rhabarber-Dreieck in West Yorkshire – nur hier gewachsener Treibrhabarber darf als Yorkshire Forced Rhubarb verkauft werden.
rund 2 Jahre
wachsen die Rhabarberpflanzen im Freiland, bevor sie zum Treiben in dunkle Schuppen umziehen.
rund ein Dutzend
Betriebe treiben im Rhabarber-Dreieck heute noch Rhabarber – Ende des 19. Jahrhunderts waren es Hunderte.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Treibrhabarber aus Yorkshire kommt traditionell zwischen Weihnachten und Ostern als erster Rhabarber des Jahres, danach folgt die Freilandernte; als Duftakkord ist Rhabarber das ganze Jahr verfügbar.
Ein handelsübliches ätherisches Öl aus Rhabarberstängeln gibt es nicht. Parfümeure bauen den Geruch deshalb als Akkord nach. Kernbaustein ist seit Langem 1-Phenylethylacetat, ein grün-blättriger Ester mit Gardenien- und Rhabarberfacette. Dazu kommen weitere grün-zitrische Riechstoffe, grüne Blattalkohole für das Knacken des frisch gebrochenen Stängels und oft eine zitrische Kopfnote.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Der Rhabarberduft im Parfum stammt aus einem ätherischen Rhabarberöl.
Mythos. Ein handelsübliches ätherisches Öl aus Rhabarberstängeln gibt es nicht. Parfümeure bauen den säuerlich-grünen Geruch als Akkord nach – vor allem mit 1-Phenylethylacetat und weiteren grünen Riechstoffen.
Aussage 2
Rhabarber war in Europa eine Arznei, lange bevor man ihn als Gemüse aß.
Wahr. Jahrhundertelang war die getrocknete Wurzel chinesischer Rheum-Arten eine teure, begehrte Arzneidroge, die über Karawanenrouten nach Europa kam. Die Stangen als Gemüse setzten sich erst im 18. Jahrhundert durch, als Zucker billiger wurde.
Aussage 3
Beim Rhabarber isst man die Frucht der Pflanze.
Mythos. Gegessen werden die fleischigen Blattstiele – botanisch also Teile des Blattes, keine Frucht. Die großen Blattspreiten sind wegen ihres hohen Oxalsäuregehalts nicht zum Verzehr geeignet.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT RHABARBERZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Rhabarber
Fragen und Antworten
Säuerlich-grün und saftig, mit knackiger, leicht fruchtiger Frische, die an frisch angeschnittene Rhabarberstangen erinnert.
Rhabarber gehört zu den Knöterichgewächsen und ist damit mit Sauerampfer und Buchweizen verwandt. Die Wildart Rheum rhabarbarum stammt aus Südsibirien, der Mongolei und dem Norden Chinas, wo sie an Berghängen und in Steppen wächst. Gegessen werden nur die fleischigen Blattstiele; die großen Blätter sind wegen ihres hohen Oxalsäuregehalts nicht zum Verzehr geeignet. Die bekannteste Herkunft für Treibrhabarber ist das Rhabarber-Dreieck in West Yorkshire.
Ein handelsübliches ätherisches Öl aus Rhabarberstängeln gibt es nicht. Parfümeure bauen den Geruch deshalb als Akkord nach. Kernbaustein ist seit Langem 1-Phenylethylacetat, ein grün-blättriger Ester mit Gardenien- und Rhabarberfacette. Dazu kommen weitere grün-zitrische Riechstoffe, grüne Blattalkohole für das Knacken des frisch gebrochenen Stängels und oft eine zitrische Kopfnote.
Rhabarber bringt einer Komposition eine säuerlich-grüne, saftige Spritzigkeit, die zwischen Gemüse und Frucht liegt. Der Akkord belebt vor allem den Auftakt, verbindet sich gut mit Zitrus- und Grapefruitnoten, mit roten Beeren und Rosen und gibt blumigen oder holzigen Düften eine helle, leicht herbe Frische. In unserem Sortiment steht Rhabarber in 21 Düften, davon in 17 in der Kopfnote und in 4 in der Herznote.
Grün · Säuerlich-fruchtig · Kopfnote, auch Herznote
Treibrhabarber aus Yorkshire kommt traditionell zwischen Weihnachten und Ostern als erster Rhabarber des Jahres, danach folgt die Freilandernte; als Duftakkord ist Rhabarber das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Moschus, Bergamotte, Vanille, Sandelholz, Zedernholz, Amber, Patschuli.
Lange bevor Rhabarber gegessen wurde, war er eine Arzneidroge: In China wird die getrocknete Wurzel verschiedener Rheum-Arten als „Dahuang“, das „große Gelb“, seit der Antike verwendet, und noch heute führt das chinesische Arzneibuch Rheum palmatum, R. officinale und R. tanguticum. Über Karawanenrouten durch Asien und die Levante gelangte die Wurzel nach Europa und war dort lange teuer und begehrt; im Zarenreich wurde der Handel mit chinesischer Rhabarberwurzel zu einem Staatsmonopol mit eigener Qualitätskontrolle. Als Gemüse setzte sich Rhabarber erst im 18. Jahrhundert durch, vor allem in England, als Zucker billiger wurde und die sauren Stangen in Kuchen und Kompott wanderten. Im frühen 19. Jahrhundert entdeckte man in England, dass Rhabarber im Dunkeln zarte, hellrote Triebe bildet – daraus entstand die Treibrhabarber-Kultur in Yorkshire, die seit 2010 eine geschützte Ursprungsbezeichnung trägt. Als eigene Duftnote der Parfümerie ist Rhabarber dagegen jung: Möglich wurde sie erst durch synthetische Riechstoffe mit grün-säuerlichem Charakter.
- Yorkshire-Treibrhabarber wächst in dunklen Schuppen, wird bei Kerzenlicht geerntet und trägt seit 2010 eine geschützte Ursprungsbezeichnung.
- Im Zarenreich war der Handel mit chinesischer Rhabarberwurzel ein Staatsmonopol – mit eigener Qualitätskontrolle für die begehrte Arzneidroge.
- Für den Treibrhabarber aus Yorkshire fuhr in der Saison zwischen Weihnachten und Ostern ein eigener Nachtzug Richtung London.
Die Pflanze enthält Oxalsäure (C₂H₂O₄, PubChem-CID 971), besonders konzentriert in den Blättern; die Säure der Stiele stammt überwiegend aus Äpfelsäure. Für den Geruch roher Stängel sind nach einer Aromastudie der TU München aus dem Jahr 2003 vor allem grüne C6-Verbindungen verantwortlich, etwa (Z)-3-Hexenal (C₆H₁₀O, PubChem-CID 643941) mit grasig-grünem, apfelartigem Geruch. Im Parfum ersetzt man diese Stoffe durch stabilere Riechstoffe: 1-Phenylethylacetat (C₁₀H₁₂O₂, PubChem-CID 62341) gilt als klassischer Baustein von Rhabarberakkorden.
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