
ZUTATEN-LEXIKON
Rum
Warm und süß nach Melasse, mit fruchtigen Estern, Vanille und dunklem Holz.
AKKORDGOURMAND · SÜSS-ALKOHOLISCH · KOPF-
AUF EINEN BLICK
- Art: Duftakkord (Gourmand-Note), aus Riechstoffen komponiert
- Herkunft: Vorbild Rum aus der Karibik, um 1650 erstmals auf Barbados belegt
- Gewinnung: Vorbild aus vergorener, destillierter Melasse oder Zuckerrohrsaft, oft im Holzfass gereift
- Duft: warm, süß nach Melasse, fruchtig, vanillig-holzig – Kopf-, Herz- und Basisnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Karibik, als Spirituose erstmals um 1650 auf Barbados belegt · im Parfum heute als Akkord aus Riechstoffen komponiert
- Gewinnung
- Kein einzelner Naturstoff: Der Akkord wird aus mehreren Riechstoffen zusammengesetzt und bildet das Aroma von fassgereiftem Rum nach
- Hauptmoleküle
- Ethylbutanoat (C₆H₁₂O₂, fruchtig, ananasartig) · Ethylacetat (C₄H₈O₂, süß-fruchtig) · Vanillin (C₈H₈O₃, vanillig, aus dem Fass) · Whisky-Lacton (C₉H₁₆O₂, kokosartig-holzig) · β-Damascenon (C₁₃H₁₈O, honigartig-fruchtig)
- Ernte
- Eine Erntesaison hat der Rum-Akkord nicht: Er wird aus Riechstoffen komponiert und steht das ganze Jahr zur Verfügung.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Patschuli, Tabak, Moschus, Sandelholz, Zimt, Zedernholz
Zahlen, die verblüffen
über die Hälfte
eines Rumfasses kann in der Karibik nach zehn Jahren verdunstet sein – bei durchschnittlich rund 7 % Engelsanteil pro Jahr bleiben rechnerisch nur etwa 48 % übrig.
bis zu viermal
so viel Rum verdunstet in der Karibik aus dem Fass wie in Cognac – bis zu 10 % pro Jahr gegenüber etwa 2,5 %.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Eine Erntesaison hat der Rum-Akkord nicht: Er wird aus Riechstoffen komponiert und steht das ganze Jahr zur Verfügung. Als warme, süße Gourmand-Note wird er besonders mit kühleren Tagen verbunden.
Für die Spirituose wird Melasse oder Zuckerrohrsaft mit Wasser verdünnt und mit Hefe vergoren; langsame Gärungen bilden dabei mehr Aromastoffe. Danach wird destilliert: In einfachen Brennblasen entstehen schwerere, aromareiche Rums, in kontinuierlich arbeitenden Kolonnen leichtere. Viele Rums reifen anschließend in Holzfässern, aus denen Stoffe wie Vanillin in das Destillat übergehen. In der Parfümerie wird dieser Geruch meist als Akkord nachgebaut – aus einzelnen Riechstoffen, die Fruchtigkeit, Süße und Holz nachzeichnen.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Das Vanillearoma von gereiftem Rum stammt aus dem Zuckerrohr.
Mythos. Vanillin stammt vor allem aus den Holzfässern, in denen der Rum reift. Die fruchtigen Noten liefern dagegen die Ester aus der Gärung.
Aussage 2
Ethylformiat und Rumether sind dasselbe.
Mythos. Rumether ist ein Gemisch vieler flüchtiger Stoffe, das aus Holzessig und Alkohol hergestellt wird; Ethylformiat ist nur einer von mehreren Estern darin. Die wichtigsten Duftstoffe von echtem Rum sind wiederum andere als die Hauptbestandteile des Rumethers.
Aussage 3
In den Tropen verdunstet mehr Rum aus dem Fass als in Europa.
Wahr. In der Wärme der Karibik gehen im Schnitt rund 7 %, manchmal bis zu 10 % pro Jahr als Engelsanteil verloren – in Cognac sind es etwa 2,5 %.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT RUMZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Rum
Fragen und Antworten
Warm und süß nach Melasse, mit fruchtigen Estern, Vanille und dunklem Holz.
Vorbild des Akkords ist Rum, eine Spirituose aus Zuckerrohr (Saccharum officinarum), einem Süßgras aus der Familie der Poaceae. Gebrannt wird Rum meist aus Melasse, dem dunklen Sirup, der bei der Zuckerherstellung übrig bleibt, seltener aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft. Als Geburtsort gelten die Zuckerrohrplantagen der Karibik im 17. Jahrhundert. Die frühesten schriftlichen Belege stammen aus Barbados um 1650, wo das Getränk „Rumbullion“ oder „Kill-Devil“ genannt wurde. Heute wird Rum in vielen Ländern hergestellt, in denen Zuckerrohr wächst.
Für die Spirituose wird Melasse oder Zuckerrohrsaft mit Wasser verdünnt und mit Hefe vergoren; langsame Gärungen bilden dabei mehr Aromastoffe. Danach wird destilliert: In einfachen Brennblasen entstehen schwerere, aromareiche Rums, in kontinuierlich arbeitenden Kolonnen leichtere. Viele Rums reifen anschließend in Holzfässern, aus denen Stoffe wie Vanillin in das Destillat übergehen. In der Parfümerie wird dieser Geruch meist als Akkord nachgebaut – aus einzelnen Riechstoffen, die Fruchtigkeit, Süße und Holz nachzeichnen.
Der Rum-Akkord verbindet fruchtige Ester, die für einen beschwingten Auftakt sorgen, mit vanilligen und holzigen Facetten, die lange nachklingen – je nach Komposition steht er deshalb in Kopf, Herz oder Basis. Er passt zu warmen Gourmand- und Holzkompositionen. In unserem Sortiment steht Rum in 40 Düften, davon in 18 in der Kopfnote, in 12 in der Basisnote und in 10 in der Herznote.
Gourmand · Süß-alkoholisch · Kopf-, Herz- und Basisnote
Eine Erntesaison hat der Rum-Akkord nicht: Er wird aus Riechstoffen komponiert und steht das ganze Jahr zur Verfügung. Als warme, süße Gourmand-Note wird er besonders mit kühleren Tagen verbunden.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Patschuli, Tabak, Moschus, Sandelholz, Zimt, Zedernholz.
Rum entstand im 17. Jahrhundert auf den Zuckerrohrplantagen der Karibik, wo bei der Zuckerproduktion reichlich Melasse anfiel; Barbados liefert um 1650 die frühesten Belege. Die Spirituose war eng mit dem atlantischen Dreieckshandel verflochten: Melasse aus der Karibik wurde in Neuengland zu Rum gebrannt, und Rum diente in Afrika als Tauschware für versklavte Menschen. Britische Seeleute erhielten über Jahrhunderte eine tägliche Rumration, die erst am 31. Juli 1970 abgeschafft wurde. In Mitteleuropa wurde günstiger Ersatzrum, der tschechische Tuzemák, mit einem Rumaroma auf Basis von Holzessig aromatisiert.
- In der Karibik verdunsten jährlich bis zu 10 % aus dem Rumfass – der sogenannte Engelsanteil; in Frankreich oder Schottland sind es meist nur 2 bis 2,5 %.
- 2009 wiesen Astronomen in der Gaswolke Sagittarius B2 nahe dem Zentrum der Milchstraße Ethylformiat nach – einen Ester, der nach Rum riecht und zum Aroma von Himbeeren beiträgt.
- Der sogenannte Rumether, ein historisches Rumaroma, wird aus Holzessig und Alkohol hergestellt – seine Hauptbestandteile sind andere als die wichtigsten Duftstoffe von echtem Rum.
Fruchtige Ethylester wie Ethylbutanoat (C₆H₁₂O₂, PubChem-CID 7762) entstehen vor allem während der Hefegärung der Melasse. Mengenmäßig wichtigster Ester in Rum ist Ethylacetat (C₄H₈O₂, CID 8857). Aus dem Holzfass stammen vor allem Vanillin (C₈H₈O₃, CID 1183) und das kokosartig duftende Whisky-Lacton (C₉H₁₆O₂, CID 62900); in Analysen hochwertiger Rums gehörten beide zu den Stoffen mit der stärksten Geruchswirkung. Zu den Schlüsselaromen zählt außerdem β-Damascenon (C₁₃H₁₈O, CID 5366074) mit seinem honigartig-fruchtigen Ton. Lebensmittelchemiker konnten das Aroma verschiedener Rums nachstellen, indem sie die Schlüsselaromastoffe in ihren natürlichen Konzentrationen mischten – im Grunde ein Rum-Akkord aus dem Labor.
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