
ZUTATEN-LEXIKON
Salbei
Salvia officinalis · Lippenblütler (Lamiaceae)
Kräuterig, frisch und leicht kampferartig, mit trockener, würzig-herber Tiefe.
NATÜRLICHAROMATISCH · KRAUTIG · KOPF- UND HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Echter Salbei Salvia officinalis, ein immergrüner Halbstrauch der Lippenblütler
- Herkunft: Mittelmeerraum, vor allem die Balkanküste an Adria und Ionischem Meer
- Gewinnung: ätherisches Öl durch Destillation der getrockneten Blätter
- Duft: kräuterig, frisch, leicht kampferartig, trocken-würzig – Kopf- und Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Mittelmeerraum, vor allem Adria- und Ionische Küste des Balkans (Dalmatien, Albanien, Griechenland) · Heute in vielen Ländern angebaut, ein wichtiger Lieferant ist Albanien
- Gewinnung
- Ätherisches Öl durch Destillation der getrockneten Blätter und oberirdischen Teile mit Wasser oder Wasserdampf
- Hauptmoleküle
- α-Thujon (C₁₀H₁₆O, krautig-frisch, typisch „thujonartig“) · Campher (C₁₀H₁₆O, kampferartig) · 1,8-Cineol (C₁₀H₁₈O, frisch-kühl) · beim Muskatellersalbei dagegen Linalylacetat (C₁₂H₂₀O₂) und Linalool (C₁₀H₁₈O)
- Ernte
- Getrocknetes Kraut und destilliertes Öl sind gut lagerfähig, sodass Salbeiöl das ganze Jahr verfügbar ist.
- Oft kombiniert mit
- Zedernholz, Bergamotte, Amber, Patschuli, Moschus, Sandelholz, Vanille
Zahlen, die verblüffen
40 bis 100 Kilogramm
getrocknete Salbeiblätter braucht es rechnerisch für ein einziges Kilogramm ätherisches Öl – die Blätter enthalten nur rund 1 bis 2,5 % Öl.
bis zu 43 %
α-Thujon nennt die internationale Norm für Dalmatinisches Salbeiöl als obere Grenze der üblichen Spanne – jenes Molekül, dem man lange fälschlich die Wirkung des Absinths zuschrieb.
knapp 1.000 Arten
umfasst die Gattung Salvia – Echter Salbei und Muskatellersalbei sind nur zwei davon.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Getrocknetes Kraut und destilliertes Öl sind gut lagerfähig, sodass Salbeiöl das ganze Jahr verfügbar ist.
Für das ätherische Öl werden die Blätter des Echten Salbeis, meist zusammen mit Stängeln und anderen oberirdischen Teilen, getrocknet und mit Wasser oder Wasserdampf destilliert. Die Ausbeute ist gering: Die Blätter enthalten nur rund 1 bis 2,5 % ätherisches Öl. Welche Moleküle dominieren, hängt stark von Herkunft, Pflanzenpopulation und Erntezeitpunkt ab; die Qualität des Öls wird vor allem am Verhältnis von Thujon und Campher gemessen. Auch das Öl des Muskatellersalbeis wird destilliert. Sein wertvollster Begleitstoff, das Sclareol, sitzt vor allem in Drüsenhaaren der Blütenkelche.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Muskatellersalbei ist nur ein anderer Name für den Küchensalbei.
Mythos. Es sind zwei Arten derselben Gattung: Das Öl des Echten Salbeis wird von Thujon, Campher und 1,8-Cineol geprägt und riecht kräuterig-kampferartig; das Öl des Muskatellersalbeis besteht vor allem aus Linalylacetat und Linalool und duftet weicher, teeartig und leicht ambrig.
Aussage 2
Das Thujon, das auch im Salbei steckt, machte Absinth zur halluzinogenen Droge.
Mythos. Thujon galt lange als der berauschende Stoff im Absinth, doch das ist widerlegt. Analysen zeigen, dass die gemessenen Mengen zu gering sind, um die zugeschriebene Wirkung zu erklären.
Aussage 3
Aus einem Salbei stammt der wichtigste Ausgangsstoff für ambraartige Duftmoleküle.
Wahr. Der Muskatellersalbei bildet in den Drüsenhaaren seiner Blütenkelche Sclareol. Es ist der gängigste Ausgangsstoff für Ambroxid, eines der Schlüsselmoleküle des Ambra-Geruchs, das heute in vielen Parfums die Rolle der kostbaren natürlichen Ambra übernimmt.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT SALBEIZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Salbei
Fragen und Antworten
Kräuterig, frisch und leicht kampferartig, mit trockener, würzig-herber Tiefe.
Der Echte Salbei ist ein immergrüner Halbstrauch mit verholzten Stängeln und graugrünen, filzigen Blättern, der rund 60 Zentimeter hoch wird. Seine Heimat ist der Mittelmeerraum; wilde Bestände wachsen vor allem an den Küsten und auf den Inseln von Adria und Ionischem Meer sowie im Binnenland des südlichen Balkans. Weil der Dalmatinische Salbei als klassische Qualität gilt, heißt das Öl im Handel oft „Dalmatinisches Salbeiöl“. Ein wichtiges Liefer- und Anbauland ist heute Albanien. Der Muskatellersalbei (Salvia sclarea) ist eine eigene Art derselben Gattung, stammt aus Südeuropa und wird für die Parfümerie gezielt in größeren Kulturen angebaut.
Für das ätherische Öl werden die Blätter des Echten Salbeis, meist zusammen mit Stängeln und anderen oberirdischen Teilen, getrocknet und mit Wasser oder Wasserdampf destilliert. Die Ausbeute ist gering: Die Blätter enthalten nur rund 1 bis 2,5 % ätherisches Öl. Welche Moleküle dominieren, hängt stark von Herkunft, Pflanzenpopulation und Erntezeitpunkt ab; die Qualität des Öls wird vor allem am Verhältnis von Thujon und Campher gemessen. Auch das Öl des Muskatellersalbeis wird destilliert. Sein wertvollster Begleitstoff, das Sclareol, sitzt vor allem in Drüsenhaaren der Blütenkelche.
Salbei bringt eine kräuterig-frische, leicht kampferartige Note in Kompositionen und verleiht ihnen eine trockene, aromatische Klarheit, wie sie für krautige und aromatische Akkorde typisch ist. Weil seine Hauptbestandteile leichte Monoterpene sind, wirkt er vor allem im Auftakt und in der Herznote. Der Muskatellersalbei riecht weicher, teeartig und leicht ambrig; er wird meist als begleitende Note eingesetzt. In unserem Sortiment steht Salbei in 33 Düften, davon in 17 in der Kopfnote und in 16 in der Herznote.
Aromatisch · Krautig · Kopf- und Herznote
Getrocknetes Kraut und destilliertes Öl sind gut lagerfähig, sodass Salbeiöl das ganze Jahr verfügbar ist.
In unseren Düften steht es oft neben Zedernholz, Bergamotte, Amber, Patschuli, Moschus, Sandelholz, Vanille.
Salbei begleitet die Menschen im Mittelmeerraum seit der Antike. Im 1. Jahrhundert n. Chr. erscheint der lateinische Name Salvia bei Dioskurides und Plinius dem Älteren. Um 800 nennt die Landgüterverordnung Karls des Großen, das „Capitulare de villis“, den Salbei unter den Pflanzen, die in den Gärten der kaiserlichen Güter wachsen sollten, und so wurde er zur festen Größe der Klostergärten. Der Reichenauer Abt Walahfrid Strabo beginnt sein Lehrgedicht über den Klostergarten, den „Hortulus“, im 9. Jahrhundert mit dem Salbei. Im 16. Jahrhundert würzte man in Deutschland Wein mit Muskatellersalbei und Holunderblüten, um den Geschmack von Muskatellerwein nachzuahmen – daher sein deutscher Name. 2023 wurde der Echte Salbei zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.
- Der Name Salvia geht auf das lateinische „salvus“ zurück – gesund, heil, unversehrt.
- Ein mittelalterlicher Merkvers aus dem Umkreis der Schule von Salerno fragt: „Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?“ – „Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?“
- Der Muskatellersalbei hieß im Englischen „clear-eye“ und lateinisch „Oculus Christi“: Mit den schleimigen Samen holte man früher Fremdkörper aus dem Auge.
Das ätherische Öl des Echten Salbeis wird von bizyklischen Monoterpenen geprägt: α- und β-Thujon (beide C₁₀H₁₆O), Campher (C₁₀H₁₆O) und 1,8-Cineol (C₁₀H₁₈O, PubChem-CID 2758). Die internationale Norm ISO 9909 für Dalmatinisches Salbeiöl nennt Spannen von 18 bis 43 % α-Thujon, 3 bis 8,5 % β-Thujon, 4,5 bis 24,5 % Campher und 5,5 bis 13 % 1,8-Cineol. Wie stark die Zusammensetzung schwankt, zeigen Analysen wild wachsender Populationen, in denen die Anteile je nach Standort deutlich abweichen. Ganz anders der Muskatellersalbei: Sein Öl wird von Linalylacetat (C₁₂H₂₀O₂, PubChem-CID 8294) und Linalool (C₁₀H₁₈O) getragen. Er bildet außerdem den Diterpenalkohol Sclareol (C₂₀H₃₆O₂), der in den Drüsenhaaren der Blütenkelche entsteht und der wichtigste Ausgangsstoff für die Herstellung von Ambroxid ist, einem zentralen Molekül ambraartiger Duftnoten.
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