ZUTATEN-LEXIKON
Tabakblüten
Nicotiana alata · Nicotiana sylvestris · Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Süß, schwer und jasminartig, mit einem warmen, leicht würzigen Schleier, der sich erst in der Abenddämmerung ganz entfaltet.
NATÜRLICHBLUMIG · WEISSE BLÜTEN · BASISNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Ziertabake Nicotiana alata und Nicotiana sylvestris, Nachtschattengewächse
- Herkunft: Südamerika – Südbrasilien sowie die Anden Boliviens und Argentiniens
- Gewinnung: seltenes Absolue aus Tabakblüten – auch als Akkord nachgebaut
- Duft: süß, schwer, jasminartig, am Abend am stärksten – Basis- und Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Südamerika: Nicotiana alata vor allem aus Süd- und Südostbrasilien · Nicotiana sylvestris aus den Anden Boliviens und Nordwestargentiniens · heute als Gartenpflanzen verbreitet
- Gewinnung
- Selten: Lösungsmittelextraktion von Tabakblüten zum Absolue – daneben als Akkord nachgebaut
- Hauptmoleküle
- Benzylaceton (C₁₀H₁₂O)
- Ernte
- Ziertabake blühen auf der Nordhalbkugel vom Sommer bis in den Herbst, der Waldtabak oft bis zum ersten Frost.
- Oft kombiniert mit
- Zedernholz, Muskatnuss, Zitrone, Eichenmoos, Patschuli, Guajakholz, Cumarin
Zahlen, die verblüffen
rund 8 cm
tief ist die Blütenröhre des Jasmintabaks Nicotiana alata – bestäubt wird er von nachtaktiven Schwärmern.
bis zu 1,5 m
hoch wird der Waldtabak Nicotiana sylvestris – seine weißen Blüten duften am Abend.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Ziertabake blühen auf der Nordhalbkugel vom Sommer bis in den Herbst, der Waldtabak oft bis zum ersten Frost. Ihren Duft entfalten sie am Abend und in der Nacht, wenn sich die Blüten öffnen. Als Rohstoff ist Tabakblüte selten; die Note wird deshalb auch als Akkord nachgebaut.
Anders als das Tabakblatt ist die Tabakblüte ein seltener Parfümrohstoff. Riechstoff-Datenbanken führen ein Tabakblüten-Absolue, das – wie andere Absolues – durch Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen wird; als Ausgangspflanze nennen sie meist den Kulturtabak Nicotiana tabacum. Dieses Absolue ist kaum verfügbar und teuer, denn die Ausbeute aus frischen Blüten ist gering. Parfumeure bauen die Note deshalb auch als Akkord nach, aus Riechstoffen, die das süße, blumige Bild der Blüte nachzeichnen. Welche Nicotiana-Art im Einzelfall verarbeitet wird, geben die Quellen nicht einheitlich an.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Tabakblüten riechen nach Tabak.
Mythos. Die Blüten der Ziertabake duften süß, blumig und jasminartig. Das typische Tabakaroma entsteht erst, wenn die Blätter nach der Ernte getrocknet werden und reifen.
Aussage 2
Ziertabak duftet tagsüber am stärksten.
Mythos. Ziertabake wie Nicotiana alata und Nicotiana sylvestris geben nachts mehr Duft ab als am Tag. Ihre Blüten öffnen sich am Abend – passend zu ihren Bestäubern, nachtaktiven Schwärmern.
Aussage 3
Derselbe Falter kann eine Tabakpflanze bestäuben und ihr schaden.
Wahr. Schwärmer der Gattung Manduca bestäuben als Falter die Blüten von wildem Tabak, ihre Raupen fressen die Blätter. Wilder Tabak reagiert auf Raupenfraß, indem er Blüten erst morgens öffnet – dann bestäuben Kolibris.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT TABAKBLÜTENZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Tabakblüten
Fragen und Antworten
Süß, schwer und jasminartig, mit einem warmen, leicht würzigen Schleier, der sich erst in der Abenddämmerung ganz entfaltet.
Tabakblüten stammen aus der Gattung Nicotiana, die zu den Nachtschattengewächsen gehört. Für den Blütenduft stehen vor allem zwei südamerikanische Ziertabake: der Jasmintabak Nicotiana alata, heimisch vor allem in Süd- und Südostbrasilien, und der Waldtabak Nicotiana sylvestris aus den Anden Boliviens und Nordwestargentiniens. Beide tragen weiße, lang röhrenförmige Blüten mit ausgebreitetem, sternförmigem Saum. Ihre Blüten öffnen sich am Abend und duften nachts stärker als am Tag – ein Signal an nachtaktive Schwärmer, ihre Bestäuber.
Anders als das Tabakblatt ist die Tabakblüte ein seltener Parfümrohstoff. Riechstoff-Datenbanken führen ein Tabakblüten-Absolue, das – wie andere Absolues – durch Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen wird; als Ausgangspflanze nennen sie meist den Kulturtabak Nicotiana tabacum. Dieses Absolue ist kaum verfügbar und teuer, denn die Ausbeute aus frischen Blüten ist gering. Parfumeure bauen die Note deshalb auch als Akkord nach, aus Riechstoffen, die das süße, blumige Bild der Blüte nachzeichnen. Welche Nicotiana-Art im Einzelfall verarbeitet wird, geben die Quellen nicht einheitlich an.
Tabakblüte bringt eine süße, schwere Weißblütennote in eine Komposition, die an Jasmin erinnert, aber wärmer und leicht würzig wirkt. Ihr Charakter ist abendlich: weich, ein wenig narkotisch, mit einem dunkleren Schimmer als frische Frühlingsblüten. Oft sitzt sie überraschend tief, in der Basis, wo sie warmen, holzigen oder ambrierten Noten eine blumige, nächtliche Färbung gibt; im Herzen vermittelt sie zwischen hellen Auftaktnoten und anderen weißen Blüten. In unserem Sortiment stehen Tabakblüten in 5 Düften, dreimal in der Basis- und zweimal in der Herznote.
Blumig · Weiße Blüten · Basisnote, auch Herznote
Ziertabake blühen auf der Nordhalbkugel vom Sommer bis in den Herbst, der Waldtabak oft bis zum ersten Frost. Ihren Duft entfalten sie am Abend und in der Nacht, wenn sich die Blüten öffnen. Als Rohstoff ist Tabakblüte selten; die Note wird deshalb auch als Akkord nachgebaut.
In unseren Düften steht es oft neben Zedernholz, Muskatnuss, Zitrone, Eichenmoos, Patschuli, Guajakholz, Cumarin.
Die duftenden Ziertabake kamen im 19. Jahrhundert in die Gärten. Der Jasmintabak wurde Anfang des Jahrhunderts in England in Kultur genommen, geschätzt für seine weißen Blüten, die sich erst am Abend öffnen. Ende des Jahrhunderts folgte der Waldtabak aus Argentinien. Bis heute beschäftigt der Tabakblütenduft die Forschung: Am wilden Tabak im Großen Becken Utahs beobachteten Forschende 2007, dass von Raupen befallene Pflanzen ihre Blüten zu einer anderen Tageszeit öffnen.
- Der Tabakschwärmer Manduca sexta ist für Tabakpflanzen Freund und Feind zugleich: Als Falter bestäubt er die Blüten, als Raupe frisst er die Blätter.
- Nicotiana alata heißt übersetzt „geflügelter Tabak“ – nach den geflügelten Blattstielen der Pflanze.
- In viktorianischen Gärten pflanzte man Waldtabak entlang von Wegen – damit Spaziergänger abends seinen Duft genießen konnten.
Wie Tabakblüten duften, ist am besten am wilden Kojotentabak Nicotiana attenuata aus dem Westen der USA untersucht. Hauptbestandteil seines Blütendufts ist Benzylaceton (4-Phenylbutan-2-on, C₁₀H₁₂O, PubChem-CID 17355). Die Blüte gibt ihn abends ab, sobald sich ihr Saum öffnet, und lockt damit Schwärmer der Gattung Manduca an. Fressen deren Raupen an der Pflanze, öffnen sich viele Blüten erst im Morgengrauen und setzen kaum Benzylaceton frei – dann kommen Kolibris statt Faltern. Auch für Ziertabake wie Nicotiana alata und Nicotiana sylvestris zeigen Messungen: Nachts geben sie mehr Duft ab als am Tag.
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