
ZUTATEN-LEXIKON
Thymian
Thymus vulgaris · Lippenblütler (Lamiaceae)
Kräuterig-würzig und warm, mit phenolisch-herber Schärfe und einer kampferartigen Frische.
NATÜRLICHAROMATISCH · KRÄUTERIG-WÜRZIG · KOPF- UND HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Echter Thymian Thymus vulgaris, ein niedriger, immergrüner Halbstrauch der Lippenblütler
- Herkunft: westlicher Mittelmeerraum, von Spanien und Südfrankreich bis Südostitalien
- Gewinnung: Wasserdampfdestillation des blühenden Krauts, rotes und nachdestilliertes weißes Öl
- Duft: kräuterig-würzig, warm, phenolisch-herb – vor allem Kopfnote, auch Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Heimisch im westlichen Mittelmeerraum, von Spanien und Südfrankreich bis Südostitalien · Heute weit verbreitet angebaut; im Handel stammt Thymianöl auch vom Spanischen Thymian (Thymus zygis)
- Gewinnung
- Wasserdampfdestillation des blühenden Krauts; das rohe „rote“ Thymianöl wird teils zum helleren „weißen“ Öl nachdestilliert
- Hauptmoleküle
- Thymol (C₁₀H₁₄O, würzig-phenolisch, Leitmolekül des Thymol-Typs) · Carvacrol (C₁₀H₁₄O, warm-würzig, an Oregano erinnernd) · p-Cymen (C₁₀H₁₄) und γ-Terpinen (C₁₀H₁₆) als weitere Hauptbestandteile
- Ernte
- Geerntet wird zur Blüte im Frühsommer; das destillierte Öl ist lagerfähig und das ganze Jahr verfügbar.
- Oft kombiniert mit
- Moschus, Jasmin, Zedernholz, Vanille, Vetiver, Lavendel, Bergamotte
Zahlen, die verblüffen
40 bis 100 Kilogramm
Thymiankraut braucht es rechnerisch für ein einziges Kilogramm ätherisches Öl – das Kraut enthält nur rund 1 bis 2,5 % Öl.
über 50 %
des Thymianöls vom Thymol-Typ kann aus einem einzigen Molekül bestehen: dem Thymol, das dem Öl seine würzige Schärfe gibt.
mindestens 6
chemisch verschiedene Duftsorten bildet eine einzige Pflanzenart – vom Thymol- bis zum Geraniol-Typ, genetisch festgelegt und je nach Winterfrost anders verteilt.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Geerntet wird zur Blüte im Frühsommer; das destillierte Öl ist lagerfähig und das ganze Jahr verfügbar.
Geerntet wird das Kraut zur Blütezeit, wenn die oberirdischen Teile am meisten ätherisches Öl enthalten. Das frische oder angetrocknete Kraut wird mit Wasserdampf destilliert; das Kraut enthält nur rund 1 bis 2,5 % Öl. Das rohe Destillat ist rötlich-braun und heißt im Handel „rotes Thymianöl“. Wird es noch einmal destilliert, entsteht ein fast farbloses bis hellgelbes „weißes Thymianöl“, das süßer und weniger scharf riecht. Weil das Öl so viel Thymol enthält, lässt sich dieses daraus sogar als farblose Kristalle gewinnen.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Thymianöl ist Thymianöl – jede Pflanze riecht gleich.
Mythos. Thymus vulgaris bildet mindestens sechs genetisch festgelegte Chemotypen: Phenolische Typen werden von Thymol oder Carvacrol getragen und riechen würzig-scharf, nicht-phenolische von Geraniol, Linalool, α-Terpineol oder Thujanol.
Aussage 2
Thymol und Carvacrol haben dieselbe Summenformel.
Wahr. Beide sind C₁₀H₁₄O – isomere Phenole, die sich nur in der Stellung der OH-Gruppe unterscheiden. Trotzdem verhalten sie sich verschieden: Thymol ist bei Raumtemperatur kristallin und schmilzt erst bei rund 50 °C, Carvacrol ist ein dickflüssiges Öl.
Aussage 3
Die Pflanze baut Thymol aus p-Cymen auf.
Mythos. Das galt lange als Lehrmeinung. Forschende aus Halle und von der Purdue University zeigten 2021 jedoch: Thymol und Carvacrol entstehen aus γ-Terpinen über instabile Zwischenstufen, die P450-Enzyme und eine Dehydrogenase umbauen. p-Cymen bildet sich nur als Nebenprodukt, wenn die Dehydrogenase fehlt.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT THYMIANZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Thymian
Fragen und Antworten
Kräuterig-würzig und warm, mit phenolisch-herber Schärfe und einer kampferartigen Frische.
Der Echte Thymian ist ein immergrüner, niedriger Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler, zu der auch Lavendel, Rosmarin und Salbei gehören. Seine Heimat ist das südwestliche Europa: Spanien mit den Balearen, Südfrankreich mit Korsika und der Südosten Italiens. Er liebt heiße, sonnige Lagen auf durchlässigem, trockenem Boden. Heute wird er in vielen Ländern angebaut. Thymianöl im Handel stammt nicht nur von Thymus vulgaris: Auch der Spanische Thymian (Thymus zygis) liefert ein thymolreiches Öl, und das Europäische Arzneibuch lässt beide Arten sowie deren Mischung zu.
Geerntet wird das Kraut zur Blütezeit, wenn die oberirdischen Teile am meisten ätherisches Öl enthalten. Das frische oder angetrocknete Kraut wird mit Wasserdampf destilliert; das Kraut enthält nur rund 1 bis 2,5 % Öl. Das rohe Destillat ist rötlich-braun und heißt im Handel „rotes Thymianöl“. Wird es noch einmal destilliert, entsteht ein fast farbloses bis hellgelbes „weißes Thymianöl“, das süßer und weniger scharf riecht. Weil das Öl so viel Thymol enthält, lässt sich dieses daraus sogar als farblose Kristalle gewinnen.
Thymian bringt eine kräuterig-würzige, leicht phenolische Schärfe in eine Komposition und wirkt vor allem im Auftakt. Weil Thymol und Carvacrol sehr geruchsstark sind, genügen kleine Mengen, um aromatischen Düften eine trockene, sonnige Kräuternote zu geben; das weichere, nachdestillierte weiße Öl wirkt dabei runder als das rote. In unserem Sortiment steht Thymian in 30 Düften, davon in 19 in der Kopfnote und in 11 in der Herznote.
Aromatisch · Kräuterig-würzig · Kopf- und Herznote
Geerntet wird zur Blüte im Frühsommer; das destillierte Öl ist lagerfähig und das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Moschus, Jasmin, Zedernholz, Vanille, Vetiver, Lavendel, Bergamotte.
Thymian begleitet den Menschen seit der Antike. Sein griechischer Name „thymon“ wird oft mit Wörtern für Rauch und Räuchern in Verbindung gebracht – vermutlich, weil das Kraut als Räucherwerk verbrannt wurde; Sprachforscher halten diese Herleitung allerdings für unsicher. Das ätherische Öl findet sich bereits 1589 im Nürnberger Arzneibuch „Dispensatorium Noricum“. 1719 gewann der deutsche Chemiker Caspar Neumann aus Thymianöl eine kristalline Substanz; 1853 gab der französische Chemiker Alexandre Lallemand ihr den Namen Thymol und bestimmte ihre Summenformel. In den 1970er-Jahren kartierten Forscher in Südfrankreich erstmals systematisch, dass wilder Thymian in mehreren chemisch verschiedenen Typen wächst.
- Die Äsche heißt wissenschaftlich Thymallus thymallus – der Name wird darauf zurückgeführt, dass ihr Fleisch an Thymian erinnern soll.
- Mittelalterliche Ritter bekamen bei Turnieren von Damen Thymianzweige oder mit Thymian bestickte Schals als Zeichen des Mutes.
- Caspar Neumann nannte die Kristalle, die er 1719 aus Thymianöl gewann, „Camphora Thymi“ – Thymiankampfer –, obwohl es sich gar nicht um Kampfer handelt.
Die beiden Leitmoleküle des Thymianöls, Thymol und Carvacrol, haben dieselbe Summenformel C₁₀H₁₄O (PubChem-CID 6989 bzw. 10364): Es sind isomere Phenole, die sich nur in der Stellung der OH-Gruppe am Ring unterscheiden. Thymol ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst bei rund 50 °C, Carvacrol ist ein dickflüssiges Öl. Im Arzneibuch-Öl vom Thymol-Typ macht Thymol 36 bis 55 % aus, dazu kommen p-Cymen (C₁₀H₁₄, 15 bis 28 %), γ-Terpinen (C₁₀H₁₆, 5 bis 10 %) und Linalool. Beide Phenole entstehen aus γ-Terpinen: P450-Enzyme oxidieren es zu instabilen Zwischenstufen, eine Dehydrogenase bildet daraus Ketone, die sich von selbst zum aromatischen Ring umlagern. Welches Öl eine Pflanze bildet, ist genetisch festgelegt – wilder Thymian kommt in mindestens sechs Chemotypen vor: zwei phenolischen (Thymol, Carvacrol) und vier nicht-phenolischen (Geraniol, Linalool, α-Terpineol, Thujanol). Die phenolischen Typen wachsen vor allem an sommertrockenen Standorten mit milden Wintern, die nicht-phenolischen dort, wo harter Frost auftritt.
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