
ZUTATEN-LEXIKON
Tonkabohne
Dipteryx odorata · Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Warm, süß und mandelig, mit Noten von Heu, Karamell und Vanille.
NATÜRLICHGOURMAND · AMBER (ORIENTALISCH) · FOUGÈRE · BASISNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Samen des Tonkabaums Dipteryx odorata (Hülsenfrüchtler)
- Herkunft: nördliches Südamerika, vor allem Venezuela und Brasilien
- Gewinnung: Bohnen in Rum eingelegt, getrocknet, als Absolue extrahiert
- Duft: warm, süß, mandelig, heuartig – Basisnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Nördliches Südamerika, Amazonas- und Orinoco-Gebiet · Rohstoff für die Parfümerie vor allem aus Venezuela und Brasilien
- Gewinnung
- Samen werden getrocknet, in Rum oder Alkohol eingelegt und erneut getrocknet, dann gemahlen und mit Lösungsmitteln zum Absolue extrahiert
- Hauptmoleküle
- Cumarin (C₉H₆O₂)
- Ernte
- Die Früchte des Tonkabaums reifen in der Regenzeit und fallen ab Februar zu Boden, wo sie bis in den Frühling hinein im Wald aufgesammelt werden.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Bergamotte, Moschus, Patschuli, Sandelholz, Amber, Jasmin
Zahlen, die verblüffen
rund 41 Trillionen
Cumarin-Moleküle stecken mindestens in einem einzigen Gramm Tonkabohne – eine 41 mit 18 Nullen, obwohl Cumarin oft nur 1 % des Gewichts ausmacht.
bis zu 3 kg
Parfum oder Creme ließen sich mit dem Cumarin aus einem einzigen Gramm Tonkabohne auf die EU-Kennzeichnungsschwelle von 0,001 % bringen.
48 Jahre
lagen zwischen der Entdeckung des Cumarins in der Tonkabohne (1820) und seiner ersten Synthese im Labor (1868).
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Die Früchte des Tonkabaums reifen in der Regenzeit und fallen ab Februar zu Boden, wo sie bis in den Frühling hinein im Wald aufgesammelt werden. Ihren vollen Duft entfalten die Bohnen erst nach Trocknen, Einlegen und erneutem Trocknen.
Die reifen Früchte fallen ab Februar vom Baum und werden im Wald aufgesammelt; die harte Schale wird aufgeschlagen, um an den Samen zu gelangen. Die Bohnen werden getrocknet, anschließend in Rum oder hochprozentigen Alkohol eingelegt und erneut getrocknet. Dabei schrumpeln sie und überziehen sich mit feinen weißen Cumarin-Kristallen, ihr Duft wird intensiver. Für Parfums werden die Bohnen gemahlen und mit Lösungsmitteln extrahiert: Zuerst entsteht eine wachsartige Concrète, aus der mit Alkohol das Tonka-Absolue gewonnen wird.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Tonkabohnen sind im Parfum verboten.
Mythos. Verboten ist Cumarin nur als Lebensmittelzusatz in den USA, seit 1954. In Parfums ist es erlaubt, aber durch IFRA-Standards begrenzt und in der EU kennzeichnungspflichtig.
Aussage 2
Die Tonkabohne stammt von einem Hülsenfrüchtler.
Wahr. Der Tonkabaum gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), wie Erbse und Bohne – allerdings wird er bis zu rund 30 Meter hoch.
Aussage 3
Tonka riecht nach Vanille, weil sie Vanillin enthält.
Mythos. Der vanilleartige Duft kommt vom Cumarin (C₉H₆O₂), einem ganz anderen Molekül als Vanillin (C₈H₈O₃).
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT TONKABOHNEZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Tonkabohne
Fragen und Antworten
Warm, süß und mandelig, mit Noten von Heu, Karamell und Vanille.
Die Tonkabohne ist der Samen von Dipteryx odorata, einem Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler, der bis zu rund 30 Meter hoch wird. Er wächst wild in den Regenwäldern des nördlichen Südamerika, im Amazonas- und Orinoco-Gebiet. Jede Frucht enthält einen einzigen, schwarzbraunen, runzeligen Samen von wenigen Zentimetern Länge. Für die Parfümerie stammt der Rohstoff vor allem aus Venezuela und Brasilien. Der Name Cumarin geht auf „kumarú“ zurück, das Wort der Tupi für den Tonkabaum.
Die reifen Früchte fallen ab Februar vom Baum und werden im Wald aufgesammelt; die harte Schale wird aufgeschlagen, um an den Samen zu gelangen. Die Bohnen werden getrocknet, anschließend in Rum oder hochprozentigen Alkohol eingelegt und erneut getrocknet. Dabei schrumpeln sie und überziehen sich mit feinen weißen Cumarin-Kristallen, ihr Duft wird intensiver. Für Parfums werden die Bohnen gemahlen und mit Lösungsmitteln extrahiert: Zuerst entsteht eine wachsartige Concrète, aus der mit Alkohol das Tonka-Absolue gewonnen wird.
Tonka gibt einem Duft Wärme, Süße und Halt und wirkt vor allem in der Basis. Das Absolue bringt neben Cumarin heuartige, mandelige und karamellig-süße Facetten mit und schenkt ambrierten, gourmandigen und Fougère-Kompositionen eine weiche, natürliche Rundung. Besonders gut verbindet es sich mit Vanille, Leder und Tabak. In unserem Sortiment steht sie in 151 von 194 Düften in der Basisnote.
Gourmand · Amber (orientalisch) · Fougère · Basisnote
Die Früchte des Tonkabaums reifen in der Regenzeit und fallen ab Februar zu Boden, wo sie bis in den Frühling hinein im Wald aufgesammelt werden. Ihren vollen Duft entfalten die Bohnen erst nach Trocknen, Einlegen und erneutem Trocknen.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Bergamotte, Moschus, Patschuli, Sandelholz, Amber, Jasmin.
1820 isolierten der deutsche Chemiker A. Vogel und der französische Apotheker Nicolas Guibourt unabhängig voneinander einen kristallinen Duftstoff aus Tonkabohnen; Vogel hielt ihn zunächst für Benzoesäure, Guibourt erkannte die neue Substanz und gab ihr den Namen Cumarin. 1868 gelang dem britischen Chemiker William Henry Perkin die erste Synthese. Synthetisches Cumarin prägte 1882 die Geburt einer ganzen Duftfamilie: der Fougère („Farn“), die Lavendel, Eichenmoos und Cumarin vereint und als einer der ersten modernen Parfumstile mit Syntheseduftstoffen gilt. 1954 wurde Cumarin in den USA als Lebensmittelzusatz verboten; in der Parfümerie ist es bis heute erlaubt, aber durch IFRA-Standards mengenmäßig begrenzt und in der EU als Duftstoff-Allergen kennzeichnungspflichtig.
- Nach dem Einlegen in Rum und dem Trocknen überziehen sich Tonkabohnen mit feinen weißen Kristallen – das ist reines Cumarin.
- Der Entdecker Vogel hielt das Cumarin 1820 zunächst für Benzoesäure – erst Guibourt erkannte, dass es ein neuer Stoff war.
- In den USA gelten Lebensmittel mit Tonkabohnen seit 1954 als verfälscht – im Parfum ist sie dagegen ein Star.
Hauptmolekül ist Cumarin (C₉H₆O₂, PubChem-CID 323, CAS 91-64-5, Molmasse rund 146 g/mol), ein Lacton mit der chemischen Bezeichnung 2H-Chromen-2-on; es bildet farblose Kristalle, schmilzt bei etwa 71 °C und siedet bei rund 302 °C. In den Samen macht es meist 1 bis 3 % aus, selten bis zu 10 %. Daneben enthalten die Samen bis zu rund 25 % fettes Öl. Im Absolue ist Cumarin stark angereichert und kann fast die Hälfte ausmachen. Cumarin kommt auch in Waldmeister und Steinklee vor und ist für den Duft von frischem Heu mitverantwortlich. Chemisch hat es mit Vanillin (C₈H₈O₃) nichts zu tun, obwohl beide süß und warm riechen.
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