
ZUTATEN-LEXIKON
Tuberose
Polianthes tuberosa (auch Agave amica) · Spargelgewächse (Asparagaceae)
Opulent, süß und blumig, mit cremig-lactonischer Fülle, würzigen und leicht fruchtigen Facetten und einer kühlen, fast medizinischen Frische.
NATÜRLICHBLUMIG · WEISSE BLÜTEN · HERZNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Polianthes tuberosa (auch Agave amica), ein Spargelgewächs
- Herkunft: Mexiko, Anbau heute vor allem in Südindien
- Gewinnung: Blüten per Lösungsmittel zu Concrète und Absolue, früher Enfleurage
- Duft: opulent, cremig, süß-blumig – Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ursprünglich Mexiko · Rohstoff für die Parfümerie heute vor allem aus Südindien
- Gewinnung
- Frische Blüten werden mit Lösungsmitteln zur Concrète extrahiert und in Alkohol zum Absolue gereinigt; historisch auch Enfleurage
- Hauptmoleküle
- Methylbenzoat (C₈H₈O₂) · Methylanthranilat (C₈H₉NO₂, nachts verstärkt)
- Ernte
- Die Tuberose blüht im Sommer bis in den Herbst.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Jasmin, Moschus, Bergamotte, Sandelholz, Patschuli, Amber
Zahlen, die verblüffen
mindestens 700 kg
frische Tuberosenblüten braucht es für ein einziges Kilogramm Concrète – die Ausbeute liegt bei rund 0,1 % des Blütengewichts.
über 430 Jahre
ist die Tuberose in Europa nachweislich bekannt – 1594 ist sie beim Arzt Simón de Tovar in Sevilla belegt.
rund 200 Jahre
lang war die Enfleurage in Grasse die Methode für hitzeempfindliche Blüten wie Tuberose und Jasmin – bis Lösungsmittel sie Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängten.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Die Tuberose blüht im Sommer bis in den Herbst. In Indien werden die Einzelblüten täglich in den frühen Morgenstunden gepflückt, für die Parfümerie über mehrere Monate des Jahres.
Die Einzelblüten werden in den frühen Morgenstunden von Hand gepflückt. Mit flüchtigen Lösungsmitteln wie Hexan entsteht zunächst eine wachsartige Concrète, aus der eine Alkoholwäsche das Absolue gewinnt; die Ausbeute an Concrète liegt bei nur rund 0,08 bis 0,1 % des Blütengewichts. Historisch wurde Tuberose in Grasse per Enfleurage verarbeitet: Die hitzeempfindlichen Blüten wurden auf gereinigtes Fett gelegt und immer wieder durch frische ersetzt, bis das Fett mit Duft gesättigt war. Diese aufwendige Methode wird heute nur noch in sehr kleinem Umfang angewandt.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Die Tuberose ist eine Rosenart.
Mythos. Die Tuberose gehört zu den Spargelgewächsen und ist mit den Agaven verwandt. Ihr Name kommt vom lateinischen tuberosus, „knollig“ – nach ihrem knolligen Wurzelstock.
Aussage 2
Tuberosen duften nachts stärker als am Tag.
Wahr. Messungen zeigen, dass die Blüten nach Sonnenuntergang mehr Duft abgeben, vor allem mehr blumig-fruchtige Ester wie Methylanthranilat.
Aussage 3
Tuberose-Absolue wird heute überwiegend per Enfleurage gewonnen.
Mythos. Die Enfleurage prägte Grasse rund 200 Jahre lang, wurde aber Mitte des 20. Jahrhunderts von der Lösungsmittelextraktion verdrängt. Heute entsteht Tuberose-Absolue praktisch immer über die Concrète; Enfleurage gibt es nur noch in sehr kleinem Umfang.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT TUBEROSEZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Tuberose
Fragen und Antworten
Opulent, süß und blumig, mit cremig-lactonischer Fülle, würzigen und leicht fruchtigen Facetten und einer kühlen, fast medizinischen Frische.
Die Tuberose stammt aus Mexiko, wo sie schon in vorkolumbischer Zeit kultiviert wurde. Botanisch gehört sie zu den Spargelgewächsen und ist eng mit den Agaven verwandt; manche neuere Systematiken führen sie deshalb als Agave amica, andere weiterhin als Polianthes tuberosa. Ihre wachsartig weißen, trichterförmigen Blüten sitzen in langen Ähren. Für die Parfümerie wird sie heute vor allem in Südindien angebaut, besonders in Tamil Nadu und Karnataka.
Die Einzelblüten werden in den frühen Morgenstunden von Hand gepflückt. Mit flüchtigen Lösungsmitteln wie Hexan entsteht zunächst eine wachsartige Concrète, aus der eine Alkoholwäsche das Absolue gewinnt; die Ausbeute an Concrète liegt bei nur rund 0,08 bis 0,1 % des Blütengewichts. Historisch wurde Tuberose in Grasse per Enfleurage verarbeitet: Die hitzeempfindlichen Blüten wurden auf gereinigtes Fett gelegt und immer wieder durch frische ersetzt, bis das Fett mit Duft gesättigt war. Diese aufwendige Methode wird heute nur noch in sehr kleinem Umfang angewandt.
Tuberose wirkt als Herznote und gibt weißblumigen Kompositionen eine cremige, narkotisch-süße Fülle. Schon in kleinen Mengen ist sie sehr präsent und verbindet sich mit anderen weißen Blüten ebenso wie mit vanilligen und ambrierten Noten. In unserem Sortiment steht sie in 57 von 64 Düften in der Herznote.
Blumig · Weiße Blüten · Herznote
Die Tuberose blüht im Sommer bis in den Herbst. In Indien werden die Einzelblüten täglich in den frühen Morgenstunden gepflückt, für die Parfümerie über mehrere Monate des Jahres.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Jasmin, Moschus, Bergamotte, Sandelholz, Patschuli, Amber.
Schon die Azteken kultivierten die Tuberose und nannten sie omixochitl, „Knochenblume“. Im 16. Jahrhundert gelangte sie mit den Spaniern nach Europa; 1594 ist sie beim Arzt Simón de Tovar in Sevilla belegt, von wo sie nach Frankreich und Italien weiterwanderte. Rund um Grasse wurde sie angebaut und vom 18. Jahrhundert bis etwa in die 1950er-Jahre per Enfleurage verarbeitet, bevor die Lösungsmittelextraktion diese Methode verdrängte. Über den Kolonialhandel verbreitete sie sich zudem in warme Regionen wie Indien, wo sie bis heute eine wichtige Schnittblume ist.
- Mit Rosen hat der Name nichts zu tun: „Tuberose“ kommt vom lateinischen tuberosus, „knollig“ – nach ihrem knolligen Wurzelstock.
- Die Azteken nannten die Tuberose omixochitl, „Knochenblume“ – wegen ihrer wachsartig weißen Blüten.
- Tuberosen duften nachts deutlich stärker als am Tag; nach Sonnenuntergang steigt vor allem der Anteil blumig-fruchtiger Ester wie Methylanthranilat.
Im Duft der lebenden Blüte dominiert der Ester Methylbenzoat (C₈H₈O₂, PubChem-CID 7150), begleitet vom kühlen 1,8-Cineol (C₁₀H₁₈O, CID 2758). Dazu kommen Methylsalicylat (C₈H₈O₃, CID 4133) mit seiner Wintergrün-Note und Methylanthranilat (C₈H₉NO₂, CID 8635), das an Orangenblüte und Traube erinnert. Lactone wie Jasminlacton sorgen für die cremige Tiefe. Im Lösungsmittel-Absolue tritt zusätzlich Benzylbenzoat (C₁₄H₁₂O₂, CID 2345) stark hervor – ein Grund, warum Absolue und lebende Blüte unterschiedlich riechen.
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