
ZUTATEN-LEXIKON
Wacholder
Juniperus communis · Zypressengewächse (Cupressaceae)
Frisch, harzig und nadelholzartig, mit pfeffrig-würziger Herbe und einem Hauch Gin.
NATÜRLICHAROMATISCH · HOLZIG (NADELHOLZ) · KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Gemeiner Wacholder Juniperus communis, ein Zypressengewächs
- Herkunft: ganze Nordhalbkugel, Beeren für das Öl vor allem aus Südosteuropa und Italien
- Gewinnung: Wasserdampfdestillation der reifen Beerenzapfen
- Duft: frisch, harzig, nadelholzartig, pfeffrig – Kopfnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Kühlgemäßigte Nordhalbkugel, von der Arktis bis in die Gebirge Nordamerikas, Europas und Asiens · Beeren für die Parfümerie vor allem aus Südosteuropa und Italien
- Gewinnung
- Die reifen, blauschwarzen Beerenzapfen werden durch Wasserdampfdestillation zum ätherischen Wacholderbeerenöl verarbeitet
- Hauptmoleküle
- α-Pinen (C₁₀H₁₆, harzig-nadelig) · Myrcen (C₁₀H₁₆) · Limonen (C₁₀H₁₆) · Germacren D (C₁₅H₂₄)
- Ernte
- Die Beerenzapfen reifen über rund anderthalb Jahre und länger; geerntet werden nur die blauschwarzen, reifen Zapfen.
- Oft kombiniert mit
- Bergamotte, Vetiver, Moschus, Zedernholz, rosa Pfeffer, Amber, Vanille
Zahlen, die verblüffen
1.647 Jahre
alt ist der älteste datierte Wacholder, ein Strauch in Finnisch-Lappland – mehr als 20 Menschenleben von je 80 Jahren und das älteste datierte Gehölz Europas.
mehr als 30 Kilogramm
Wacholderbeeren braucht es für einen einzigen Liter Beerenöl – selbst ölreiche Beeren enthalten höchstens rund 3 % ätherisches Öl.
rund 18 Monate
hängt eine Wacholder-„Beere“ am Strauch, bis sie blauschwarz reif ist – deshalb tragen Sträucher oft grüne und reife Zapfen zugleich.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Die Beerenzapfen reifen über rund anderthalb Jahre und länger; geerntet werden nur die blauschwarzen, reifen Zapfen. Das destillierte Beerenöl steht der Parfümerie das ganze Jahr zur Verfügung.
Wacholder ist zweihäusig: Nur weibliche Sträucher tragen die Beerenzapfen. Sie sind zunächst grün und brauchen rund anderthalb Jahre, nach manchen Angaben bis zu drei Jahre, bis sie blauschwarz mit wachsartigem Reif ausgereift sind. Geerntet werden nur die reifen Zapfen. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation der reifen, nicht vergorenen Beeren gewonnen. Die Ausbeute ist gering: Die Beeren enthalten etwa 1 bis 3 % ätherisches Öl.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Wacholderbeeren sind Beeren.
Mythos. Die „Beere“ ist ein Zapfen: Beim Wacholder bleiben die Zapfenschuppen fleischig und verwachsen zu einer kugeligen Hülle um die Samen. Botanisch heißt das Beerenzapfen.
Aussage 2
Der Leidener Arzt Franciscus Sylvius hat um 1650 den Genever erfunden.
Mythos. Wein und Destillate mit Wacholder waren schon im Mittelalter als Heilmittel bekannt, und in den Niederlanden wurde Wacholderbranntwein bereits vor Sylvius’ Geburt im Jahr 1614 erwähnt. Er hat den Genever höchstens bekannter gemacht.
Aussage 3
Der Wacholder ist ein Nadelgehölz.
Wahr. Der Gemeine Wacholder ist eine Konifere aus der Familie der Zypressengewächse – und das Nadelgehölz mit dem größten Verbreitungsgebiet der Welt, von der Arktis bis in den Himalaya und das Atlasgebirge.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT WACHOLDERZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Wacholder
Fragen und Antworten
Frisch, harzig und nadelholzartig, mit pfeffrig-würziger Herbe und einem Hauch Gin.
Der Gemeine Wacholder Juniperus communis ist eine Konifere aus der Familie der Zypressengewächse. Er hat das größte Verbreitungsgebiet aller Gehölze: Rund um die kühlgemäßigte Nordhalbkugel wächst er von jenseits des Polarkreises in Alaska, Skandinavien und Sibirien bis in den Himalaya und das Atlasgebirge in Nordafrika. Meist bleibt er ein niedriger, ausladender Strauch, selten wird er ein kleiner Baum von rund zehn Metern. Die Beeren für das ätherische Öl stammen überwiegend aus wilden Beständen in Südosteuropa, etwa vom Balkan und von der Adriaküste, sowie aus Italien.
Wacholder ist zweihäusig: Nur weibliche Sträucher tragen die Beerenzapfen. Sie sind zunächst grün und brauchen rund anderthalb Jahre, nach manchen Angaben bis zu drei Jahre, bis sie blauschwarz mit wachsartigem Reif ausgereift sind. Geerntet werden nur die reifen Zapfen. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation der reifen, nicht vergorenen Beeren gewonnen. Die Ausbeute ist gering: Die Beeren enthalten etwa 1 bis 3 % ätherisches Öl.
Wacholder sitzt meist in der Kopfnote und reicht bis ins Herz eines Duftes. Seine leicht flüchtigen Monoterpene sorgen für einen klaren, kühlen Auftakt – harzig, nadelig und mit der typischen Gin-Assoziation. In aromatischen, frisch-holzigen und Fougère-Kompositionen schlägt er eine Brücke von Zitrusnoten zu Hölzern und Gewürzen und gibt ihnen eine trockene, herbe Frische. In unserem Sortiment steht Wacholder in 55 Düften, davon in 37 in der Kopfnote und in 18 in der Herznote.
Aromatisch · Holzig (Nadelholz) · Kopfnote
Die Beerenzapfen reifen über rund anderthalb Jahre und länger; geerntet werden nur die blauschwarzen, reifen Zapfen. Das destillierte Beerenöl steht der Parfümerie das ganze Jahr zur Verfügung.
In unseren Düften steht es oft neben Bergamotte, Vetiver, Moschus, Zedernholz, rosa Pfeffer, Amber, Vanille.
Wein mit Wacholder kannten schon mittelalterliche Heilkundige als Arznei; um 1270 beschrieb der flämische Dichter Jacob van Maerlant in Wein gekochte Wacholderbeeren als Heilmittel. In den Niederlanden wurde aus Wacholderbranntwein der Genever – lange bevor man dessen Erfindung um 1650 dem Leidener Arzt Franciscus Sylvius zuschrieb. Nachdem Wilhelm III. von Oranien 1689 König von England geworden war, wurde der Wacholderschnaps dort populär, und aus „genever“ wurde „gin“. In der Küche würzen die Beeren bis heute vor allem in Mittel- und Nordeuropa Wild und Sauerkraut.
- Das Wort Gin geht auf den Wacholder zurück: Aus französisch „genièvre“ machten die Niederländer „genever“, die Engländer kürzten es zu „gin“.
- Im Alpenraum heißt der Wacholder auch Kranewitt – vom althochdeutschen kranawitu, wörtlich wohl „Kranichholz“; die Wacholderdrossel wurde nach den Beeren, die sie gern frisst, früher Krammetsvogel genannt.
- Wacholder ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Sträucher, und nur die weiblichen tragen „Beeren“ – den Pollen trägt der Wind von Strauch zu Strauch.
Das ätherische Öl der Beerenzapfen besteht überwiegend aus Monoterpen-Kohlenwasserstoffen. Hauptbestandteil ist meist α-Pinen (C₁₀H₁₆, PubChem-CID 6654) – in Analysen rund 20 bis 50 % –, begleitet von Myrcen (C₁₀H₁₆, CID 31253) und Limonen (C₁₀H₁₆, CID 22311). Alle drei sind Isomere mit derselben Summenformel, aber unterschiedlichem Molekülbau. Unter den schwerer flüchtigen Sesquiterpenen fällt Germacren D (C₁₅H₂₄, CID 5317570) auf. Die genaue Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft und Erntejahr deutlich.
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