
Akigalawood: Was ist das pfeffrige Holz im Parfum?
Ein Holz, das nie an einem Baum gewachsen ist. Wenn Sie in den Duftpyramiden moderner Nischenparfums stöbern, stolpern Sie immer öfter über ein Wort, das nach Inselparadies klingt: Akigalawood. Es steckt in Blue Talisman, in The Hedonist und in einer ganzen Reihe weiterer Düfte in unserem Shop. Aber was ist Akigalawood eigentlich? Kurz verraten: Patchouli, das im Labor eine zweite Karriere gemacht hat. Die lange Version ist deutlich spannender.
- Was: Akigalawood ist ein Duftrohstoff des Schweizer Konzerns Givaudan, gewonnen aus Patchouliöl, das mit Enzymen verwandelt wird. Givaudan bezeichnet es als natürlich und als „Captive“, also hauseigen und geschützt.
- Seit wann: Seit 2014 auf der Palette der Givaudan-Parfümeure, entwickelt in Givaudans Biotech-Labor bei Zürich.
- Wie riecht es: Holzig und pfeffrig-würzig, mit Facetten von Patchouli und Agarholz, strahlend und raumfüllend, dabei sauber und frisch.
- Wo steckt es drin: Bei uns zum Beispiel in Blue Talisman, The Hedonist und The Hedonist Extrait, Lust in Paradise Extrait, Demon Dancer, Oud Maracujá, Castley, Valaya und Icarus Extrait 967.
Was ist Akigalawood?
Akigalawood ist kein Holz und laut Givaudan nicht einmal ein einzelnes Molekül, sondern ein natürliches, komplexes Gemisch. Der Ausgangsstoff ist Patchouliöl, jenes erdig-dunkle Öl aus den Blättern der Patchoulipflanze, das in den 1970ern nach Räucherstäbchen und Flohmarkt roch und heute in fast jeder zweiten Duftpyramide auftaucht. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Patchouliöls stammen laut Wikipedia aus Indonesien.
Givaudan nimmt sich davon allerdings nicht das Filetstück, sondern Fraktionen, die laut eigener Aussage früher nie auf der Palette der Parfümeure gelandet wären. Auf diese Reste lässt das Unternehmen Enzyme los, die aus Fermentationsprozessen stammen. Givaudan spricht von „weißer Biotechnologie“ und nennt das Ergebnis ein Beispiel für Upcycling: Aus einem Nebenstrom wird ein Luxusrohstoff.
Wie wird Akigalawood hergestellt?
Das genaue Rezept ist Betriebsgeheimnis, aber das Prinzip lässt sich in drei Schritten erklären:
Patchouli zerlegen
Patchouliöl wird in Fraktionen aufgeteilt. Verwendet werden Anteile, die für die klassische Parfümerie bisher wenig interessant waren.
Enzyme arbeiten lassen
Enzyme aus Fermentationsprozessen verwandeln die Bestandteile dieser Fraktionen. Laut Givaudan ein biotechnologischer Prozess, ganz ohne klassische Chemiefabrik-Romantik.
Neues Profil gewinnen
Heraus kommt ein Stoff, der nach Patchouli und Agarholz riecht, aber mit lebendigem Pfeffer-Funkeln. Givaudan nennt ihn zu 100 Prozent natürlich und biologisch abbaubar.
Entwickelt wurde Akigalawood in Givaudans Biotech-Labor in Dübendorf bei Zürich. Seine erste große Bühne bekam es 2014 in einem Herrenduft in Brasilien: #Urbano von Natura. Weltweit bekannt wurde es laut Glossy ein Jahr später mit dem ersten Miu-Miu-Duft.
„Enzyme aus Fermentationsprozessen wirken auf Rückstände von Patchouliöl.“
Pierre Arnoux, Givaudan, gegenüber Fragroom (übersetzt)Wie riecht Akigalawood?
Stellen Sie sich frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer vor, der auf ein trockenes, edles Holz rieselt. Givaudan beschreibt Akigalawood als lebendig-würzig mit Pfeffer und mit holzigen Facetten von Patchouli und Agarholz, dazu „strahlend und raumfüllend“. Givaudan-Parfümeur Jordi Fernández, der es in vielen Ex-Nihilo-Düften einsetzt, spricht von einer leuchtenden, würzigen, vollen Holznote. Seine Kollegin Christine Hassan nennt es gegenüber Glossy würzig, aber sauber, frisch-holzig und ausgesprochen universell, also weder männlich noch weiblich.
Wer Patchouli vor allem mit Räucherstäbchen verbindet, wird überrascht sein: Statt Erde und Keller beschreiben die Givaudan-Leute vor allem Glanz, Pfeffer und Sauberkeit. Ganz ohne Nebenwirkung ist aber auch Akigalawood nicht: In hoher Dosierung kann es, so berichten manche Nasen, etwas muffig wirken. Wie fast immer in der Parfümerie macht die Dosis das Gift.
Woran erkennen Sie Akigalawood in einem Parfum?
- Pfeffer ohne Pfefferkorn: Eine trockene, prickelnde Würze, obwohl in der Pyramide gar kein Pfeffer steht.
- Holz, das glänzt: Kein dunkles, rauchiges Holz, sondern ein klares, fast mineralisches Strahlen im Herz und in der Basis.
- Ein Hauch Oud: Givaudan selbst verweist auf Agarholz-Facetten. Viele Düfte mit Akigalawood wirken deshalb leicht „oudig“, ohne schwer zu sein.
- Der Vergleichstest: Riechen Sie The Hedonist nach einer Stunde. Wenn Zedernholz und ein pfeffriges Glimmen übrig bleiben, haben Sie Akigalawood in der Nase.
Ist Akigalawood natürlich oder synthetisch?
Givaudan führt Akigalawood als natürlichen Rohstoff, weil er aus einem Naturstoff durch enzymatische Umwandlung entsteht und kein im Reagenzglas zusammengesetztes Einzelmolekül ist. Spannend ist der Vergleich mit einem anderen Biotech-Star aus demselben Haus: Ambrofix entsteht laut Givaudan durch Fermentation von Zuckerrohr und braucht pro Kilo rund hundertmal weniger Anbaufläche als die herkömmliche Herstellung. Pierre Arnoux zieht die Grenze klar: Ambrofix sei ein synthetisches Molekül, das per Biotechnologie hergestellt wird, Akigalawood dagegen ein natürliches Gemisch. Beide stehen übrigens in Blue Talisman nebeneinander.
Captives sind Duftstoffe, die ein Konzern entwickelt und schützen lässt. Laut Givaudan dürfen nur die eigenen Parfümeure damit arbeiten.
Welche Parfums enthalten Akigalawood?
Seit 2014 hat Akigalawood eine beachtliche Karriere hingelegt. Bekannte Beispiele aus der Duftwelt sind Comme des Garçons Blackpepper (2016), Montblanc Explorer (2019) und Amouage Guidance (2023), das laut Glossy zusammen mit Guidance 46 rund ein Viertel des weltweiten Amouage-Umsatzes ausmacht. Bei uns finden Sie Akigalawood in diesen Düften:
| Duft | Marke | Was Akigalawood dort tut |
|---|---|---|
| Blue Talisman | Ex Nihilo | Gibt der Birnen-Frische in der Basis ein pfeffrig-holziges Rückgrat, zusammen mit Ambrofix und Moschus. |
| The Hedonist | Ex Nihilo | Steht mit Zedernholz im Herzen, nach Bergamotte und Ingwer: der Kern des Duftes. |
| The Hedonist Extrait | Ex Nihilo | Im Herzen mit Zeder und Lychee, darunter Amberhölzer und Patchouli. |
| Lust in Paradise Extrait | Ex Nihilo | Unterlegt Rose und Jasmin Sambac in der Basis mit warmer Tiefe. |
| Demon Dancer | Ex Nihilo | Teil der kraftvollen Basis mit Georgywood, Ambrofix und Tonka. |
| Oud Maracujá | Maison Crivelli | Verlängert in der Basis Oud, Leder und Benzoe mit holziger Würze. |
| Castley | Parfums de Marly | Basis mit Labdanum und Benzoe, nach Timut-Pfeffer und Neroli. |
| Valaya und Valaya Exclusif | Parfums de Marly | Hält den weißen Moschus und die Vanille in der Basis im Gleichgewicht. |
| Icarus Extrait 967 | Maison Noir | Ersetzt im Extrait Ambroxan und Moos des Originals und macht den Duft holziger. |
| New York | Widian | Im Herzen zwischen Iris, Rose, Patchouli und Karamell. |
| Morning Star | Liquides Imaginaires | In der Basis mit Zedernholz, Georgywood, Patchouli und Vetiver. |
Wer tiefer einsteigen will: In unseren Vergleichen Valaya oder Valaya Exclusif? und Icarus 347 oder Extrait 967? können Sie riechen, wie sich derselbe Duft mit und ohne bestimmte Bausteine verändert.
Kuriositäten rund um Akigalawood
Was das Labor-Holz so besonders macht
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Aus Resten wird Luxus
Givaudan zählt Akigalawood zu seinen Upcycling-Rohstoffen: Verwendet werden Patchouli-Fraktionen, die früher nicht auf der Palette der Parfümeure gelandet wären.
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Ein Schweizer Holz mit Indonesien-Wurzeln
Entwickelt wurde Akigalawood im Biotech-Labor von Givaudan bei Zürich, der Ausgangsstoff Patchouli kommt weltweit zum allergrößten Teil aus Indonesien.
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Der Bestseller-Baustein
Blue Talisman von Ex Nihilo, mit Akigalawood in der Basis, machte laut Glossy 2025 über 40 Prozent des US-Umsatzes der Marke aus. Ein Rohstoff, der Kassen klingeln lässt.
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Die Konkurrenz schläft nicht
Ebenfalls 2014 brachte Firmenich (heute dsm-firmenich) mit Clearwood einen eigenen Biotech-Stoff aus Patchouli heraus. Zwei Konzerne, eine Idee, zwei Wege.
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Pfeffer, den nicht jeder riecht
Die Pfeffernote in schwarzem Pfeffer und in manchem Syrah-Wein stammt von Rotundon. In einer Studie von 2008 konnten rund 20 Prozent der Testpersonen Rotundon selbst in hoher Konzentration nicht riechen. Ein Givaudan-Patent nennt Rotundon als Produkt eines verwandten Patchouli-Verfahrens. Ob es in Akigalawood steckt, verrät Givaudan zwar nicht, aber falls Ihr Gegenüber den Pfeffer nicht bemerkt, liegt es vielleicht nicht am Parfum.
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Ein Baum, den es nicht gibt
Trotz des „-wood“ im Namen wurde für Akigalawood nie ein Baum gefällt. Das Holz entsteht ausschließlich in der Wahrnehmung, und das ist vielleicht die schönste Pointe der modernen Parfümerie.
- Hersteller: Givaudan, Captive-Rohstoff, seit 2014 auf der Palette, entwickelt im Biotech-Labor in Dübendorf (heute Kemptthal).
- Verfahren: Enzymatische Umwandlung von Patchouliöl-Fraktionen. Ein Givaudan-Patent von 2010 beschreibt die Oxidation patchoulolarmer Patchouli-Fraktionen mit dem Enzym Laccase, wobei unter anderem Rotundon entsteht. Ob genau dieses Verfahren hinter Akigalawood steckt, sagt Givaudan nicht.
- Rotundon: ein Sesquiterpen-Keton, verantwortlich für die Pfeffernote in schwarzem Pfeffer und manchen Syrah-Weinen, beschrieben 2008 von australischen Forschern um Wood.
- Status: Laut Givaudan zu 100 Prozent natürlich und von Natur aus biologisch abbaubar.
- Erster Duft: Natura #Urbano (Brasilien, 2014), internationaler Durchbruch mit Miu Miu (2015).
Häufige Fragen zu Akigalawood
Was ist Akigalawood?
Akigalawood ist ein natürlicher Duftrohstoff von Givaudan. Er wird aus Fraktionen von Patchouliöl gewonnen, die mit Enzymen aus Fermentationsprozessen umgewandelt werden, und riecht holzig-pfeffrig mit Patchouli- und Agarholz-Facetten.
Wie riecht Akigalawood?
Würzig nach Pfeffer, holzig und strahlend, laut Givaudan mit Facetten von Patchouli und Agarholz. Parfümeure beschreiben es als sauber und frisch-holzig.
Ist Akigalawood natürlich?
Givaudan bezeichnet Akigalawood als zu 100 Prozent natürlich, weil es durch Biotechnologie aus Patchouliöl entsteht und kein im Labor zusammengesetztes Einzelmolekül ist.
Wer hat Akigalawood entwickelt?
Der Schweizer Duftkonzern Givaudan hat Akigalawood in seinem Biotech-Labor bei Zürich entwickelt. Seit 2014 arbeiten Givaudan-Parfümeure damit.
Welche Parfums enthalten Akigalawood?
Bei 4D OUTFITTERS zum Beispiel Blue Talisman, The Hedonist, The Hedonist Extrait, Lust in Paradise Extrait und Demon Dancer von Ex Nihilo, Oud Maracujá von Maison Crivelli, Castley und Valaya von Parfums de Marly, Icarus Extrait 967 von Maison Noir, New York von Widian und Morning Star von Liquides Imaginaires.
Kann ich Düfte mit Akigalawood vorher testen?
Ja. Zu jeder Duftbestellung bei 4D OUTFITTERS erhalten Sie eine Probe des bestellten Duftes, und über die Bestellnotiz können Sie bis zu vier weitere Gratis-Duftproben wählen. Oder Sie testen in unserer Boutique in Bregenz.
Erst riechen, dann verlieben
Akigalawood versteht man am besten mit der Nase. Zu jeder Duftbestellung legen wir Ihnen eine Probe genau des bestellten Duftes bei, und über die Bestellnotiz im Warenkorb können Sie sich bis zu vier weitere Gratis-Duftproben wünschen. Unser Vorschlag für Ihre Akigalawood-Verkostung: The Hedonist, Blue Talisman, Oud Maracujá und Castley. Ab € 200 versenden wir kostenlos.
Lust auf die Geschichte dahinter? Lesen Sie unser Porträt von Ex Nihilo, dem Haus, das Akigalawood besonders gern einsetzt, und entdecken Sie in Die besten holzigen Düfte von Ex Nihilo, wie unterschiedlich Holz klingen kann. Oder besuchen Sie uns in der Boutique in Bregenz und stöbern Sie in der Ex-Nihilo-Kollektion.
Ihr Team 4D OUTFITTERS, Bregenz
Quellen: Givaudan – Biotechnology · Givaudan – Upcycling · Givaudan Highlights 2014 · Givaudan – Ambrofix · Fragroom · Glossy · Patent US8883468 · Wikipedia – Rotundone · Wood et al. 2008 · Wikipedia – Patchouli






















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