
Edelstein-Härte: Welcher Stein verträgt den Alltag?
Der Staub auf Ihrem Fensterbrett ist härter als die meisten Ihrer Schmuckstücke. Er enthält winzige Quarzkörner, und Quarz hat auf der Mohs-Skala die Härte 7. Jeder Edelstein, der weicher ist, wird mit den Jahren matter. Wie hart ein Edelstein wirklich ist, warum ein Diamant trotzdem zerbrechen kann und welcher Stein welchen Alltag verträgt, erklären wir hier, mit Beispielen aus unserer Boutique.
- Die Mohs-Skala reicht von 1 (Talk) bis 10 (Diamant). Sie sagt nur, wer wen ritzt, nicht wie viel härter ein Stein ist.
- Ab Härte 7 kann Alltagsstaub dem Stein kaum etwas anhaben. Darunter wird die Oberfläche mit der Zeit stumpfer.
- Härte ist nicht Zähigkeit: Ein Diamant ritzt alles, kann aber bei einem harten Schlag entlang seiner Spaltebenen springen.
- Robust für jeden Tag: Diamant, Saphir und Rubin. Mit etwas Rücksicht: Smaragd, Topas, Turmalin und Quarze. Für besondere Momente: Opal und Mondstein.
- Aufbewahren: jedes Stück einzeln, denn harte Steine zerkratzen weichere und auch das Gold.
Was misst die Mohs-Skala?
Sie misst die Ritzhärte, also die Frage: Wer kratzt wen? Der Mineraloge Friedrich Mohs veröffentlichte die Skala 1822. Er wählte zehn Minerale als Referenz, vom weichen Talk bis zum Diamanten. Jedes ritzt das vorige und wird vom nächsten geritzt. Mehr steckt nicht dahinter, und genau das macht die Skala so praktisch: Mit einem Fingernagel, einer Münze und einer Glasscherbe lässt sich ein Stein grob einordnen.
| Mohs | Referenzmineral | Absolute Härte (Sklerometer) | Zum Vergleich |
|---|---|---|---|
| 1 | Talk | 1 | |
| 2 | Gips | 2 | Fingernagel etwa 2 bis 2,5, reines Gold 2,5 |
| 3 | Calcit | 14 | Kupfermünze etwa 3 |
| 4 | Fluorit | 21 | |
| 5 | Apatit | 48 | |
| 6 | Orthoklas (Feldspat) | 72 | Fensterglas etwa 5,5, Stahlfeile etwa 6,5 |
| 7 | Quarz | 100 | Hausstaub und Sand |
| 8 | Topas | 200 | |
| 9 | Korund (Saphir, Rubin) | 400 | |
| 10 | Diamant | 1.500 |
Wie viel härter ist ein Diamant als ein Saphir?
Rund viermal so hart, obwohl auf der Mohs-Skala nur eine Stufe dazwischen liegt. Die Stufen sind nämlich nicht gleich groß. Misst man die Härte mit einem Sklerometer, kommt Korund auf etwa 400, der Diamant auf etwa 1.500. Der Sprung von 9 auf 10 ist damit fast dreimal so groß wie der Weg von 1 bis 9 zusammen. Ein Diamant spielt also nicht in einer höheren Klasse, sondern in einer eigenen Liga.
Die Folge im Alltag: Nur ein Diamant ritzt einen Diamanten. Und ein Diamant ritzt alles andere, auch den Saphir neben ihm in der Schmuckschatulle und das Gold seiner eigenen Fassung.
Warum werden manche Edelsteine mit der Zeit matt?
Weil Staub schleift. In der Luft und in jedem Haushalt schweben feine Körner aus Quarz, mit der Härte 7. Eine Untersuchung von Hausstaub aus sechs kanadischen Städten fand Quarz in allen Proben als häufigstes Mineral, vermutlich eingeschleppt mit Straßensand. Wer einen Stein unter Härte 7 trägt, poliert ihn also täglich mit feinem Schleifpapier, ganz ohne es zu merken. Über Monate und Jahre verlieren Kanten und Oberfläche ihren Glanz.
Edelsteine ab Härte 7 trotzen diesem Staub. Für Ringe, die Sie jeden Tag tragen, ist 7 deshalb eine gute Faustregel.
Ist ein Diamant unzerbrechlich?
Nein. Sein Name kommt vom griechischen adamas, „der Unbezwingbare“, aber das gilt nur fürs Kratzen. Diamant hat vier Richtungen, in denen er sich perfekt spalten lässt. Diamantschleifer nutzen das seit Jahrhunderten und teilen Rohsteine mit einem gezielten Schlag. Ein unglücklicher Stoß gegen eine Steinkante kann dasselbe mit einem fertigen Stein tun.
Gemmologen unterscheiden deshalb drei Eigenschaften, die zusammen die Haltbarkeit ausmachen:
Widerstand gegen Kratzer
Gemessen nach Mohs. Diamant 10, Saphir 9, Topas 8.
Widerstand gegen Bruch
Wie gut ein Stein Schläge verträgt, ohne zu splittern. Saphir und Rubin gelten hier als hervorragend, Topas und Opal als empfindlich.
Widerstand gegen Umwelt
Wie ein Stein auf Licht, Hitze, Chemikalien und trockene Luft reagiert. Hier zeigt der Opal seine Diva-Seite.
Welcher Edelstein verträgt den Alltag?
Die kurze Antwort: Diamant, Saphir und Rubin können fast alles. Dann kommt es auf das Schmuckstück an. Ein Ring bekommt viel mehr Stöße ab als ein Ohrring oder ein Anhänger.
Die Unverwüstlichen: Diamant, Saphir, Rubin
Saphir und Rubin sind dasselbe Mineral, Korund, nur anders gefärbt. Der Name stammt vom tamilischen kurundam. Korund hat keine Spaltbarkeit und gilt als besonders zäh, mit Härte 9 ist er nach dem Diamanten der härteste Edelstein im Schmuck. Für Tennisarmbänder, die täglich am Handgelenk über Tischplatten rutschen, ist das ideal.
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Stark, aber mit Charakter: Smaragd und Topas
Der Smaragd ist mit 7,5 bis 8 hart genug, aber fast jeder Smaragd hat feine Einschlüsse. Nach Angaben des GIA sind schätzungsweise über 90 Prozent aller Smaragde mit Öl oder Harz behandelt, um diese feinen Risse zu füllen. Darum gilt: kein Ultraschallbad, kein Dampf, keine Hitze.
Topas hat die Härte 8, besitzt aber eine perfekte Spaltbarkeit quer zur Längsachse. Ein harter Schlag kann ihn spalten. Gute Schleifer drehen den Stein deshalb so, dass die Spaltebene nicht parallel zur Oberseite liegt. Übrigens: Kräftig blaue Topase wie London Blue oder Swiss Blue sind in der Natur extrem selten. Im Handel sind sie praktisch immer durch Bestrahlung und Erhitzen aus farblosem Topas entstanden, das ist in der Branche üblich und dauerhaft.
Die Bunten: Turmalin und die Quarze
Turmalin kommt auf 7 bis 7,5 und ist im Alltag gut tragbar. Amethyst, Citrin, Rosenquarz, Rauchquarz und Rutilquarz sind alle Quarze mit der Härte 7, also genau auf Augenhöhe mit dem Staub. Sie verkratzen kaum, verdienen aber einen eigenen Platz in der Schatulle. Amethyst und Citrin können im prallen Licht über lange Zeit verblassen, die meisten Citrine im Handel sind übrigens erhitzte Amethyste. Schöne Beispiele sind der Ring Stellini II mit Amethyst und der Ring Stellini II mit Rosenquarz von Noën.
Die Sensiblen: Mondstein und Opal
Mondstein ist ein Feldspat mit 6 bis 6,5 und hat zwei Spaltrichtungen. Das GIA empfiehlt ihn daher eher für Anhänger und Ohrringe als für Ringe, die viel aushalten müssen. Opal ist mit 5,5 bis 6,5 der weichste Stein in dieser Runde und enthält Wasser, meist 6 bis 10 Prozent seines Gewichts. Bei großer Hitze, trockener Heizungsluft oder grellem Licht können sich feine Risse bilden. Das klingt dramatisch, heißt aber nur: Opalringe sind Abendringe, nicht Gartenringe.
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Wie hart ist Gold?
Viel weicher als jeder Edelstein. Reines Gold hat die Mohs-Härte 2,5, kaum mehr als ein Fingernagel. Legiertes 18-Karat-Gold ist deutlich fester, aber immer noch weit von Quarz entfernt. Deshalb zeigt ein Goldring nach ein paar Jahren feine Gebrauchsspuren, während der Stein darin glänzt wie am ersten Tag. Ein Goldschmied poliert das in wenigen Minuten weg. Weißgold ist meist rhodiniert, diese Schicht nutzt sich ab und kann erneuert werden. Was hinter den Goldfarben und dem Feingehalt steckt, lesen Sie in Gelbgold, Weißgold oder Roségold.
Wie pflegt und bewahrt man Edelsteinschmuck richtig auf?
Mit drei einfachen Gewohnheiten halten Ihre Stücke Jahrzehnte:
Jedes Stück für sich
In einem eigenen Fach oder Säckchen. Ein Diamantring in derselben Schublade wie ein Opalanhänger ist eine schlechte Wohngemeinschaft.
Vor Sport, Garten und Putzen
Schläge, Erde und Reinigungsmittel sind die größten Feinde. Chlor im Pool und Chlorreiniger können Goldlegierungen angreifen.
Lauwarm, mild, weich
Warmes Wasser, ein Tropfen milde Seife, eine weiche Bürste. Ultraschall und Dampf nur beim Fachmann, bei Opal, Smaragd, Topas und Mondstein gar nicht.
Ein Tipp aus unserer Boutique: Lassen Sie Ringe, die Sie täglich tragen, einmal im Jahr prüfen. Eine Krappe, die sich etwas geöffnet hat, sieht man mit bloßem Auge kaum, mit der Lupe sofort. Wie unsere Tennisarmbänder gefasst sind, erklärt unser Tennis-Armband-Ratgeber.
Kuriositäten rund um die Härte
Von Ascheziehern, Unbezwingbaren und Fingernägeln
-
Der Unbezwingbare, der sich spalten lässt
„Diamant“ kommt von adamas, unbezwingbar. Trotzdem wird er seit Jahrhunderten mit einem gezielten Schlag gespalten.
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Die Lücke ganz oben
Zwischen Korund (9) und Diamant (10) liegt ein größerer Härtesprung als zwischen Talk (1) und Korund (9).
-
Ein Stein, der Asche anzieht
Turmalin wird beim Erwärmen elektrisch geladen und zieht dann heiße Asche an. Niederländische Händler nannten ihn der Überlieferung nach „Aschentrekker“.
-
Saphir und Rubin sind Zwillinge
Beide sind Korund. Rot heißt Rubin, alle anderen Farben heißen Saphir.
-
Gold verliert gegen den Fingernagel fast
Reines Gold hat 2,5 nach Mohs. Ein Fingernagel liegt bei etwa 2 bis 2,5.
-
Opal trinkt mit
Opal enthält Wasser, gewöhnlich 6 bis 10 Prozent seines Gewichts, manchmal bis zu 21 Prozent.
- Mohs-Skala: veröffentlicht 1822 von Friedrich Mohs, eine Rangfolge, keine lineare Messskala.
- Absolute Härte: Quarz 100, Topas 200, Korund 400, Diamant 1.500 (Sklerometer).
- Spaltbarkeit Diamant: perfekt in vier Richtungen, parallel zu den Oktaederflächen.
- Smaragd: laut GIA über 90 Prozent mit Öl oder Harz behandelt.
- Blautopas: im Handel praktisch immer bestrahlt und erhitzt, Ausgangsmaterial ist farbloser Topas.
Häufige Fragen zur Härte von Edelsteinen
Welcher Edelstein ist am härtesten?
Der Diamant mit der Mohs-Härte 10. Danach folgen Saphir und Rubin mit 9, beide aus dem Mineral Korund.
Kann ein Diamant kaputtgehen?
Ja. Er ist extrem kratzfest, kann aber bei einem harten Schlag entlang seiner Spaltebenen absplittern oder springen.
Welcher Edelstein eignet sich für einen Ring, den man täglich trägt?
Am besten Steine ab Härte 7 mit guter Zähigkeit: Diamant, Saphir, Rubin, dazu Turmalin und Quarze wie Amethyst. Opal und Mondstein tragen Sie lieber zu besonderen Anlässen.
Ist Topas ein harter Edelstein?
Ja, mit Härte 8 sehr kratzfest. Wegen seiner Spaltbarkeit ist er aber empfindlich gegen Schläge.
Darf ich Edelsteinschmuck im Ultraschallbad reinigen?
Zu Hause lieber nicht. Ultraschall kann Steine lockern und behandelte oder empfindliche Steine wie Smaragd, Opal, Topas und Mondstein beschädigen. Warmes Wasser mit milder Seife ist fast immer die sichere Wahl.
Warum wird mein Opal trüb oder rissig?
Meist durch Hitze, sehr trockene Luft oder starkes Licht. Opal enthält Wasser und reagiert darauf. Bewahren Sie ihn nicht auf der Heizung oder im prallen Sonnenlicht auf.
Härte, die man anfassen kann
Den Unterschied zwischen einem Saphir und einem Opal sieht man nicht nur, man spürt ihn, wenn man beide in der Hand hält. Kommen Sie in unsere Boutique in Bregenz, wir legen Ihnen die Steine nebeneinander und zeigen Ihnen unter der Lupe, worauf es ankommt. Oder schreiben Sie uns eine Nachricht, wenn Sie zu einem bestimmten Stück eine Frage haben.
Ihr Team 4D Outfitters, Bregenz
Quellen: Wikipedia: Mohs scale · GIA: Mohs Scale · GIA: Gem Durability · CUNY Queensborough: Hardness · University of Ottawa: Mineralogie von Hausstaub · GIA: Diamond Care · GIA: Emerald Care · GIA: Topaz Care · GIA: Topaz Quality · GIA: Moonstone Care · GIA: Opal Care · GIA: Citrine · GIA: Caring for Jewelry · Wikipedia: Opal · Wikipedia: Tourmaline













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