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Artikel: Neroli oder Orangenblüte? Ein Baum, viele Düfte

Flakons von Valaya, Athénaïs und Neroli Nasimba, links ein Model in Weiß im Schlossgarten, rechts Bitterorangen und Orangenblüten

Neroli oder Orangenblüte? Ein Baum, viele Düfte

Ein einziger Baum, fünf verschiedene Düfte, und eine Fürstin aus dem 17. Jahrhundert, die ihre Handschuhe damit parfümiert haben soll. Neroli und Orangenblüte gehören zu den schönsten Rohstoffen der Parfümerie: hell, grün, honigsüß und je nach Verarbeitung ganz verschieden. Was ist Neroli eigentlich, wie unterscheidet es sich von Orangenblüte, wie wird es gewonnen und in welchen Düften riechen Sie es?

Kurz gesagt
  • Was: Neroli ist das ätherische Öl aus den Blüten der Bitterorange, gewonnen durch Wasserdampfdestillation.
  • Der Unterschied: Orangenblüten-Absolue stammt aus denselben Blüten, wird aber mit Lösungsmitteln extrahiert und riecht süßer, honigartiger und wärmer. Neroli ist frischer und grüner.
  • Ein Baum, viele Rohstoffe: Aus Blättern und Zweigen wird Petitgrain, aus der Schale Bitterorangenöl, und das Destillationswasser ist das bekannte Orangenblütenwasser.
  • Zum Riechen: Athénaïs und Valaya von Parfums de Marly, Neroli Nasimba von Maison Crivelli oder Holy Neroli von Montale.

Was ist Neroli?

Neroli ist ein ätherisches Öl aus den weißen Blüten des Bitterorangenbaums, botanisch Citrus × aurantium, auf Französisch Bigaradier. Das ist nicht die Orange vom Frühstückstisch, sondern ihre herbe Verwandte, aus deren Früchten die Briten ihre Bitterorangenmarmelade kochen. Die Blüten werden von Hand gepflückt und noch am selben Tag mit Wasserdampf destilliert. Der Dampf löst die Duftstoffe aus den zarten Blütenblättern, beim Abkühlen trennen sich Öl und Wasser.

Wie riecht das Ergebnis? Hell, grün und gleichzeitig honigartig, mit einer leicht bitteren, fast metallischen Kante. Manche denken an frisch gewaschene Wäsche, andere an einen Spaziergang durch einen Orangenhain im Frühling. Neroli wirkt luftig und strahlend, verfliegt aber vergleichsweise schnell, deshalb sitzt es in vielen Parfums im Auftakt oder im Herzen.

Neroli oder Orangenblüte: Was ist der Unterschied?

Hier kommt das große Aha: Neroli und Orangenblüte stammen aus exakt denselben Blüten. Den Unterschied macht allein das Verfahren. Und der Bitterorangenbaum liefert sogar noch mehr. Laut dem Duftstoffhersteller dsm-firmenich gewinnt man aus demselben Baum Neroli, Orangenblüten-Absolue und Petitgrain, dazu kommt das Öl aus der Fruchtschale.

Rohstoff Teil des Baums Verfahren Duft
Neroli Blüten Wasserdampfdestillation Frisch, grün, honigartig, leicht bitter
Orangenblüten-Absolue Blüten Extraktion mit Lösungsmittel, erst Concrète, dann Absolue Süßer, wärmer, honigartig, leicht animalisch
Orangenblütenwasser Blüten Nebenprodukt der Neroli-Destillation Weich, süß, blumig, bekannt aus der Konditorei
Petitgrain Blätter und Zweige Wasserdampfdestillation Grün, holzig, herb, kaum blumig
Bitterorangenöl Fruchtschale Kaltpressung Spritzig, zitrisch, bitter-saftig

Der Name Petitgrain, „kleines Korn“, erinnert übrigens daran, dass man das Öl früher aus kleinen, unreifen Früchten destillierte. Heute nimmt man die Blätter. Und wer Orangenblüten-Absolue riecht, entdeckt eine Seite, die Neroli fehlt: Spuren von Indol, einem Molekül, das in hoher Konzentration unangenehm, in winzigen Mengen aber blumig und sinnlich riecht. Daher kommt die warme, fast hautnahe Note der Absolue.

Woher hat Neroli seinen Namen?

Von einer Fürstin. Marie-Anne de La Trémoille, 1642 in Paris geboren, heiratete 1675 Flavio Orsini, den Herzog von Bracciano, und wurde damit auch Fürstin von Nerola, einem Ort im Latium nördlich von Rom. Sie soll gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihre Handschuhe und ihr Badewasser mit der Essenz der Bitterorangenblüte parfümiert und den Duft so in Mode gebracht haben. Ob sich alles genau so zugetragen hat, lässt sich nicht mehr belegen. Der Name blieb jedenfalls an der Blüte hängen.

Wussten Sie?

Auch das Duftmolekül Nerol, das nach frischer Rose riecht, verdankt seinen Namen dem Neroli: Es wurde zuerst aus Neroliöl isoliert.

Wo wird Neroli gewonnen?

Die wichtigsten Erzeuger sind heute Tunesien, Marokko und Ägypten. In Tunesien schlägt das Herz der Orangenblüte am Cap Bon rund um Nabeul. Dort liegen laut der tunesischen Zeitung La Presse über 80 Prozent der tunesischen Anbaufläche für Bitterorangen. Die Ernte beginnt je nach Witterung schon im März, gepflückt wird von Hand, meist von Frauen. In vielen Familien wird das Orangenblütenwasser bis heute zu Hause destilliert, in kupfernen Brennkesseln mit Aufsätzen aus Ton, und das Wissen wird von der Mutter an die Tochter weitergegeben.

Laut dsm-firmenich sind die Höfe in Tunesien klein, meist zwischen einem halben und zwei Hektar, und die Blüten werden am Tag der Ernte verarbeitet. Für ein Kilogramm Orangenblüten-Absolue braucht es rund 850 Kilogramm Blüten, das sind etwa 1,3 Millionen einzelne Blüten. Kein Wunder, dass Neroli zu den kostbarsten Blütenölen überhaupt gehört. Für die Familien und Pflückerinnen ist die kurze Saison ein wichtiges Einkommen, und gerade deshalb lohnt der Blick auf faire Bezahlung und langfristige Partnerschaften.

Auch Frankreich hat eine Neroli-Geschichte. In Vallauris an der Côte d'Azur gründeten Blütenbauern Ende des 19. Jahrhunderts eine Genossenschaft, um nicht länger von den Parfumfabrikanten abhängig zu sein, und destillierten ab 1904 selbst, im sogenannten Nérolium. 1912 ernteten sie laut dem Tourismusbüro der Côte d'Azur 2.467 Tonnen Blüten, heute sind es nur noch rund 15 Tonnen. Die gesamte Ernte geht an Chanel.

Welche Moleküle machen den Duft der Orangenblüte?

Ein natürliches Öl ist immer ein Orchester aus Hunderten Stoffen, ein paar Solisten prägen aber den Klang. Bei Neroli sind das vor allem Linalool, frisch und blumig-holzig, und Linalylacetat, das fruchtig an Bergamotte erinnert. Dazu kommen Nerol mit seiner Rosennote und Methylanthranilat. Letzteres ist ein kleiner Star: Es riecht nach Traube, steckt auch in Concord-Trauben und Jasmin und gibt Traubenbonbons ihren typischen Geschmack.

Frisch

Linalool

Der Hauptbestandteil von Neroli, hell und blumig-holzig. Er sorgt für das luftige Strahlen.

Fruchtig

Methylanthranilat

Riecht nach Traube und gibt der Orangenblüte ihre süß-saftige Seite. In der Absolue steckt mehr davon.

Sinnlich

Indol

In der Absolue in Spuren enthalten. Pur unangenehm, in winzigen Mengen warm, blumig und hautnah.

Weil echte Orangenblüte teuer ist, haben Chemiker schon früh nachgeholfen. 1908 entstand Aurantiol, eine Verbindung aus Hydroxycitronellal und Methylanthranilat, die nach Orangenblüte riecht. Laut Wikipedia kam sie erstmals 1912 in L'Heure Bleue von Guerlain zum Einsatz und ist bis heute die meistgenutzte Substanz ihrer Art. Moderne Parfums kombinieren oft natürliches Neroli mit solchen Bausteinen, damit der Duft länger hält und gleichmäßig bleibt.

Kuriositäten rund um Neroli und Orangenblüte

Was Sie beim nächsten Dinner erzählen können

  1. Kölnisch Wasser ist Neroli

    Als Johann Maria Farina 1709 in Köln sein Eau de Cologne auf den Markt brachte, gehörte Neroli zu den Zutaten, neben Zitrone, Bergamotte und Orange.

  2. Eine Königin im Orangenblütenkranz

    Queen Victoria trug bei ihrer Hochzeit 1840 einen Kranz aus echter Orangenblüte. Albert schenkte ihr später einen Haarschmuck mit vier grün emaillierten Orangen, eine für jedes ihrer vier ältesten Kinder.

  3. Ente mit Bitterorange

    Die berühmte Ente à l'orange hieß ursprünglich „canard à la bigarade“ und wurde mit Bitterorangen zubereitet.

  4. Ein Baum für Jahrhunderte

    Bitterorangenbäume können laut Wikipedia bis zu 600 Jahre alt werden.

  5. Die Traube in der Blüte

    Methylanthranilat, ein Duftstoff der Orangenblüte, wird auch als Vogelabwehrmittel eingesetzt. Vögel mögen den Traubengeruch nicht, Menschen dafür umso mehr.

  6. Schale im Likör

    Das Öl aus der Schale der Bitterorange aromatisiert Liköre wie Curaçao. Derselbe Baum duftet also im Parfum und im Cocktailglas.

Wie erkenne ich Neroli im Parfum?

Mit ein bisschen Übung gelingt das überraschend gut. Ein kleiner Nasen-Trainingsplan:

  • Neroli: In den ersten Minuten hell, grün und zitrisch, mit einer leicht seifigen Frische und einem Hauch Honig. Wirkt wie Licht im Glas.
  • Orangenblüten-Absolue: Schon beim ersten Atemzug süßer und dichter, mit Honig, Wachs und einer traubigen Note. Wird über Stunden wärmer.
  • Petitgrain: Keine echte Blüte, eher zerriebene Blätter: grün, holzig, herb. Typisch für klassische Colognes.
  • Unser Tipp: Sprühen Sie einen Duft auf einen Teststreifen und riechen Sie nach zehn Minuten und nach zwei Stunden noch einmal. Neroli verblasst, die Absolue wird cremiger, Petitgrain bleibt grün.

In welchen Düften steckt Orangenblüte?

Bei Parfums de Marly ist die Orangenblüte eine der heimlichen Hauptdarstellerinnen. Athénaïs öffnet laut Marke mit Neroli, Bergamotte und Yuzu und trägt Orangenblüte und Jasmin im Herzen. Valaya und Valaya Exclusif legen Orangenblüte und weiße Blüten auf weißen Moschus, Oriana verbindet sie mit Marshmallow und Praliné, und auch Safanad führt Orangenblüte in der Duftpyramide. Wie sich die blumigen Düfte des Hauses unterscheiden, lesen Sie in Die besten blumigen Düfte von Parfums de Marly, die Geschichte des Hauses im Porträt von Parfums de Marly.

Wer Neroli pur und kontrastreich mag, probiert Neroli Nasimba von Maison Crivelli, wo strahlendes Neroli auf einen Lederakkord trifft. Mehr über das Haus erzählt unser Porträt Maison Crivelli: Parfum als Schock für die Sinne. Holy Neroli von Montale kombiniert Orangenblüte und Neroli mit Patchouli, und Orangers en Fleurs von Houbigant feiert den blühenden Orangenbaum, passend zu einem Haus mit langer Geschichte, die wir in Die Geschichte von Houbigant erzählen.

Athénaïs von Parfums de Marly, Flakon
Athénaïs
Valaya von Parfums de Marly, Flakon
Valaya
Neroli Nasimba von Maison Crivelli, Flakon
Neroli Nasimba
Orangers en Fleurs von Houbigant Paris, Flakon
Orangers en Fleurs
Für Duft-Nerds: 5 Fakten zu Neroli
  • Pflanze: Bitterorange, Citrus × aurantium, eine Kreuzung aus Pampelmuse und Mandarine.
  • Verfahren: Neroli durch Wasserdampfdestillation, Absolue durch Lösungsmittelextraktion.
  • Ausbeute: rund 850 Kilogramm Blüten für ein Kilogramm Absolue (dsm-firmenich).
  • Hauptmolekül: Linalool, dazu Linalylacetat, Nerol und Methylanthranilat.
  • Synthetischer Klassiker: Aurantiol, entdeckt 1908, Orangenblütenduft aus dem Labor.

Häufige Fragen zu Neroli und Orangenblüte

Was ist der Unterschied zwischen Neroli und Orangenblüte?

Beide stammen aus den Blüten der Bitterorange. Neroli wird mit Wasserdampf destilliert und riecht frisch und grün, Orangenblüten-Absolue wird mit Lösungsmitteln extrahiert und riecht süßer, wärmer und honigartiger.

Wie riecht Neroli?

Neroli riecht hell, grün und zitrisch mit einer honigartigen, leicht bitteren Note. Viele beschreiben es als sauber, strahlend und frühlingshaft.

Woher kommt der Name Neroli?

Der Name geht auf Marie-Anne de La Trémoille zurück, Fürstin von Nerola, die im 17. Jahrhundert ihre Handschuhe und ihr Bad mit der Essenz parfümiert haben soll.

Wo wird Neroli hergestellt?

Die wichtigsten Erzeugerländer sind Tunesien, Marokko und Ägypten. In Frankreich wird Neroli in kleinen Mengen noch in Vallauris an der Côte d'Azur gewonnen.

Ist Petitgrain dasselbe wie Neroli?

Nein. Petitgrain stammt vom selben Baum, wird aber aus Blättern und Zweigen destilliert. Es riecht grüner, holziger und herber als Neroli.

Welche Parfums von Parfums de Marly enthalten Orangenblüte?

Laut Marke unter anderem Athénaïs, Valaya, Valaya Exclusif und Oriana. Athénaïs enthält zusätzlich Neroli im Auftakt.

Erst riechen, dann verlieben

Orangenblüte ist ein Duft, den man auf der eigenen Haut erleben muss, mal frisch wie ein Morgen im Orangenhain, mal warm wie Honig. Zu jedem Flakon ab 30 ml legen wir Ihnen eine Gratisprobe desselben Duftes bei, ab € 90 Bestellwert erhalten Sie zusätzlich 4 Duftproben. Einen besonderen Probenwunsch, zum Beispiel Athénaïs, Valaya und Neroli Nasimba für Ihren persönlichen Orangenblüten-Vergleich, notieren Sie gern im Warenkorb – sofern vorrätig, berücksichtigen wir ihn gerne. Ab € 200 versenden wir kostenlos.

Oder Sie kommen in unsere Boutique in Bregenz und machen den Teststreifen-Versuch direkt bei uns. Die ganze Auswahl des Hauses finden Sie in der Kollektion von Parfums de Marly.

Ihr Team 4D OUTFITTERS, Bregenz

Quellen: Wikipedia: Neroli · Wikipédia: Néroli · Wikipedia: Bitter orange · Wikipedia: Petitgrain · Wikipedia: Marie-Anne de La Trémoille · Wikipedia: Methyl anthranilate · Wikipedia: Nerol · Wikipedia: Indole · Wikipedia: Eau de Cologne · dsm-firmenich: Orange Flower · La Presse (Tunesien) · Côte d'Azur France: Vallauris · Royal Collection Trust · Parfums de Marly – Valaya · Parfums de Marly – Athénaïs

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