
Duftpyramide erklärt: Was sind Kopf-, Herz- und Basisnote?
Sie sprühen, Sie schnuppern, Sie sind begeistert – und eine Stunde später riecht der Duft plötzlich ganz anders. Kein Fehler, sondern Absicht. Hinter diesem Wandel steckt die Duftpyramide aus Kopfnote, Herznote und Basisnote: das Modell, mit dem Parfümeure, Marken und Parfümerien beschreiben, wie ein Parfum auf der Haut „abbrennt“. Wir erklären, was die drei Etagen bedeuten, wer die Idee erfunden hat, warum ein Duft aus nur einem Molekül gar keine Pyramide hat – und wie Sie mit diesem Wissen beim nächsten Testen klüger schnuppern.
- Die Duftpyramide ordnet die Rohstoffe eines Parfums danach, wie schnell sie verdunsten: oben das Flüchtige, unten das Beständige.
- Kopfnote: der erste Eindruck, meist frisch und spritzig (Zitrus, Kräuter), nach kurzer Zeit verflogen.
- Herznote: der Charakter des Duftes, oft Blüten und Gewürze, trägt Sie durch die ersten Stunden.
- Basisnote: das Fundament aus Hölzern, Harzen, Ambra, Vanille und Moschus. Sie bleibt am längsten, manchmal bis zum nächsten Tag auf dem Schal.
- Aber: Die Pyramide ist ein Modell. Moderne Düfte sind oft „linear“, und ein Duft wie Molecule 01 besteht aus einem einzigen Duftstoff.
Was ist eine Duftpyramide?
Ein Parfum ist eine Mischung aus Dutzenden, oft Hunderten Duftstoffen, gelöst in Alkohol. Sobald es auf Ihrer Haut landet, beginnt ein Wettrennen: Der Alkohol verfliegt in Sekunden, danach verdunsten die Duftstoffe – aber nicht alle gleich schnell. Kleine, leichte Moleküle haben einen hohen Dampfdruck und steigen zuerst in die Nase. Größere, schwerere Moleküle haften länger. Als Faustregel gilt: Je größer das Molekül, desto langsamer verdunstet es, wobei auch Bauform und Polarität mitreden.
Die Duftpyramide macht aus diesem Rennen ein Bild. Oben die schnellen Sprinter, in der Mitte die Mittelstreckenläufer, unten die Marathonläufer. Weil oben weniger lange etwas passiert und unten am meisten „Masse“ liegt, ist es eben eine Pyramide und kein Würfel.
Kopfnote
Kleine, leichte Moleküle, die schnell verdunsten. Typisch: Bergamotte, Zitrone, Mandarine, Grapefruit, Kräuter, rosa Pfeffer. Sie wirken frisch, hell, manchmal scharf und sind der Grund, warum man im Laden „verliebt“ ist.
Herznote
Der eigentliche Charakter. Typisch: Rose, Jasmin, Iris, Orangenblüte, Gewürze wie Kardamom oder Zimt. Sie taucht auf, während die Kopfnote verblasst, und prägt, wie Sie den Duft in Erinnerung behalten.
Basisnote
Das Fundament aus großen, schweren Molekülen. Typisch: Sandelholz, Zeder, Vetiver, Patchouli, Harze, Vanille, Ambra, Moschus. Manche Basisnoten sind auf Stoff noch nach mehr als 24 Stunden zu riechen.
Wie lange halten die einzelnen Noten?
Feste Uhrzeiten gibt es nicht, und wer Ihnen exakte Minuten verspricht, flunkert ein wenig. Kopfnoten verfliegen meist in den ersten Minuten bis zu einer knappen halben Stunde. Basisnoten werden laut gängiger Fachdarstellung oft erst nach etwa einer halben Stunde richtig wahrnehmbar und können, vor allem Moschus und animalische Noten, sehr lange haften. Dazwischen liegt das Herz. Wie schnell das alles abläuft, hängt von Konzentration, Hauttyp, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Mehr zur Rolle der Konzentration lesen Sie in unserem Artikel Eau de Toilette, Eau de Parfum oder Extrait.
Wer hat die Duftpyramide erfunden?
Die Idee, Düfte wie Musik zu ordnen, ist älter als jede Marketingabteilung. Der britische Chemiker und Parfümeur Septimus Piesse (1820–1882) übertrug im 19. Jahrhundert die Sprache der Musik auf Gerüche: Er sprach von „Noten“ und „Akkorden“ und ordnete Duftstoffe auf einer Tonleiter an, die er „Odaphone“ nannte. Spannend: Seine Reihenfolge folgte nicht der Flüchtigkeit. Ambra und Zibet standen bei ihm teilweise höher als Bergamotte. Seine Begriffe aber haben überlebt – wenn Sie heute „Kopfnote“ sagen, sprechen Sie Piesse.
Wissenschaftlicher wurde es mit William Arthur Poucher, dem Autor des Standardwerks Perfumes, Cosmetics and Soaps, das erstmals 1923 erschien. Er bewertete Rohstoffe auf einer Skala von 1 bis 100 nach ihrer Verdunstung. Die Einteilung, wie sie in späteren Auflagen zitiert wird:
| Poucher-Wert | Etage | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| 1–14 | Kopfnote | Verdunstet schnell, prägt den Auftakt |
| 15–60 | Herznote | Mittlere Haftung, der Charakter des Duftes |
| 61–100 | Basisnote | Haftet lange, trägt und fixiert |
Und das Bild der Pyramide selbst? Laut Fachliteratur tauchte das Konzept im 19. Jahrhundert auf, populär machten es Pioniere wie François Coty, der 1917 den legendären Duft Chypre schuf.
Was ist ein Akkord im Parfum?
Einzelne Noten sind wie Töne, ein Akkord ist mehrere Töne gleichzeitig: eine Kombination von Rohstoffen, die zusammen einen neuen, eigenständigen Eindruck erzeugt. Manche Akkorde waren so prägend, dass ganze Duftfamilien nach ihnen benannt sind.
Das berühmteste Beispiel steht bei uns im Regal: Fougère Royale von Houbigant. Paul Parquet schuf den Duft 1882, und er gilt als Begründer der Fougère-Familie, französisch für „Farn“. Das Kuriose daran: Farne riechen kaum. Parquet erfand einen Fantasieduft aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin – einem Stoff, der erst 1868 synthetisch hergestellt worden war. Wenn die Lavendelfrische verfliegt, kommen Eichenmoos und das heuartig-süße Cumarin zum Vorschein. Eine kleine Pyramide in Reinform. Fast jeder klassische Barbershop-Duft ist ein Enkel dieser Komposition. Mehr über das Haus lesen Sie in unserer Geschichte von Houbigant.
Der zweite große Akkord ist der Chypre: frische Zitrusnoten oben, Eichenmoos und Patchouli unten. Benannt nach der Insel Zypern, berühmt geworden durch Cotys Chypre von 1917.
Fougère Royale ExtraitHoubigant · der erste Fougère€ 460
Peacock ThroneThameen · klassische Pyramideab € 220
Blue TalismanEx Nihilo · Birne bis Moschusab € 195
Molecule 01Escentric Molecules · ein Molekül€ 150
Preise laut 4D OUTFITTERS Webshop, Stand: 20. Oktober 2026. Die angezeigten Preise werden automatisch aus dem Shop aktualisiert.
Wie liest man eine Duftpyramide? Ein Beispiel
Nehmen wir Peacock Throne von Thameen, dessen Pyramide Fragrantica so auflistet: oben Iriswurzel, rosa Pfeffer und indischer Jasmin, im Herzen Taif-Rose, in der Basis Patchouli, Vetiver und Vanille. Übersetzt heißt das: Der Start ist pudrig und prickelnd, nach einer Weile übernimmt eine opulente Rose, und am Abend bleibt ein erdig-süßer Holzton. Wer nur den ersten Sprühstoß beurteilt, kennt also höchstens ein Drittel des Duftes. Die Geschichte hinter dem Namen erzählen wir in unserem Porträt Thameen London: Parfums wie Kronjuwelen.
Zweites Beispiel: Blue Talisman von Ex Nihilo. Oben saftige Birne und Bergamotte, in der Mitte Orangenblüte, unten Moschus und Akigalawood. In unserem Vergleich Blue Talisman oder Extrait? haben wir den Verlauf Stunde für Stunde nachgezeichnet. Was Akigalawood eigentlich ist, erklärt unser Duftstoff-Lexikon.
Stimmt die Duftpyramide überhaupt?
Ehrliche Antwort: als Modell ja, als Naturgesetz nein. Selbst die Fachliteratur hält fest, dass das Konzept der Noten vor allem in der Vermarktung von Parfums verwendet wird. Drei Gründe:
- Noten sind keine Zutaten. „Birne“ in der Pyramide heißt nicht, dass jemand Birnen ausgepresst hat. Oft entsteht eine Note aus mehreren Stoffen, und ein Rohstoff kann mehrere Noten färben.
- Noten beeinflussen sich gegenseitig. Die Anwesenheit eines Stoffes verändert, wie wir einen anderen wahrnehmen. Ein Duft ist mehr als die Summe seiner Etagen.
- Viele moderne Düfte sind linear. Sie riechen von der ersten bis zur letzten Minute erstaunlich ähnlich, weil moderne, langlebige Moleküle schon im Auftakt mitspielen.
Das extremste Gegenbeispiel: Molecule 01 von Escentric Molecules. Parfümeur Geza Schoen brachte 2006 einen Duft heraus, der nur aus einem einzigen Aromastoff besteht: Iso E Super, einem holzig-samtigen Molekül. Keine Kopfnote, kein Herz, keine Basis. Nur ein leiser Holzschimmer, den manche kaum an sich selbst wahrnehmen, andere umso mehr. Das Schwesterprodukt Escentric 01 zeigt dagegen, was passiert, wenn man um dasselbe Molekül herum wieder eine Komposition baut.
Wie Sie Ihr Wissen beim Testen nutzen
- Nie nach dem ersten Sprühstoß kaufen. Die Kopfnote ist der Trailer, nicht der Film. Warten Sie mindestens 20 bis 30 Minuten.
- Auf der Haut testen, nicht nur auf Papier. Papierstreifen zeigen den Auftakt gut, aber Ihre Haut verändert Herz und Basis.
- Höchstens zwei, drei Düfte pro Runde. Wenn alle Basisnoten gleichzeitig wach werden, wird es unübersichtlich.
- Den Schal-Test machen. Ein Hauch auf einem Schal verrät am nächsten Morgen, wie die Basis wirklich riecht.
- Pyramide als Landkarte lesen. Lieben Sie die Basis eines Duftes, suchen Sie gezielt nach Düften mit ähnlicher Basis, auch wenn die Kopfnoten ganz anders klingen. Für Kombinationen helfen unsere 20 Tipps zum Layering.
Kuriositäten rund um die Duftpyramide
Von Tonleitern, Bergsteigern und Farnen, die nicht riechen
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Parfum als Tonleiter
Septimus Piesse ordnete Duftstoffe im 19. Jahrhundert wie Töne auf einer Tonleiter. Seine Begriffe „Note“ und „Akkord“ verwenden wir bis heute.
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Der Parfümeur, der auf Berge stieg
William Arthur Poucher, der die Verdunstungsskala von 1 bis 100 prägte, wurde später vor allem als Bergfotograf und Autor von Wanderführern bekannt.
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Ein Farn ohne Farnduft
Fougère heißt Farn, doch die Duftfamilie riecht nach Lavendel, Moos und Heu. Paul Parquet erfand 1882 schlicht einen Duft, wie ein Farn riechen könnte.
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Chemie macht Geschichte
Cumarin war erst 1868 synthetisiert worden. Vierzehn Jahre später machte es Fougère Royale zu einem der ersten großen Parfums mit einem synthetischen Baustein.
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Eine Pyramide aus einem Stein
Molecule 01 enthält nur Iso E Super. Wer es trägt, beweist: Ein Parfum braucht keine Etagen, um zu wirken.
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Der Schal weiß mehr
Manche Basisnoten, besonders Moschus, sind auf Stoff noch nach mehr als 24 Stunden wahrnehmbar. Deshalb riecht Ihr Lieblingsschal noch Tage nach dem Wochenende.
- Flüchtigkeit hat keinen festen Zahlenwert, sie wird über Dampfdruck oder Siedepunkt beschrieben. Hoher Dampfdruck bedeutet schnelle Verdunstung.
- Poucher-Skala: 1–14 Kopfnote, 15–60 Herznote, 61–100 Basisnote.
- Fixateure gleichen die Dampfdrücke der Rohstoffe an. Dazu zählen Harze wie Labdanum und Weihrauch, aber auch Lösungsmittel mit niedrigem Dampfdruck wie Benzylbenzoat.
- Fougère Royale wurde in den 1950er-Jahren eingestellt und 2010 von Rodrigo Flores-Roux für Houbigant neu interpretiert.
- Molecule 01 (2006) von Geza Schoen besteht aus Iso E Super. Escentric 01 kombiniert dieses Molekül mit weiteren Duftstoffen.
Häufige Fragen zur Duftpyramide
Was ist der Unterschied zwischen Kopfnote, Herznote und Basisnote?
Die Kopfnote ist der erste, flüchtige Eindruck, oft zitrisch oder kräuterig. Die Herznote ist der Charakter des Duftes, häufig blumig oder würzig. Die Basisnote besteht aus schweren, lange haftenden Stoffen wie Hölzern, Harzen, Vanille und Moschus.
Wie lange hält die Kopfnote?
Meist nur wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde. Wie lange genau, hängt von Rohstoffen, Konzentration, Haut und Temperatur ab.
Wer hat die Duftpyramide erfunden?
Die Begriffe Note und Akkord gehen auf Septimus Piesse im 19. Jahrhundert zurück. William Arthur Poucher ordnete Rohstoffe später auf einer Skala von 1 bis 100 nach ihrer Verdunstung. Populär wurde das Bild der Pyramide mit Pionieren wie François Coty.
Was ist ein Akkord im Parfum?
Ein Akkord ist eine Kombination mehrerer Duftstoffe, die gemeinsam einen neuen Eindruck ergeben. Bekannte Beispiele sind der Fougère-Akkord aus Lavendel, Eichenmoos und Cumarin und der Chypre-Akkord aus Zitrus, Eichenmoos und Patchouli.
Haben alle Parfums eine Duftpyramide?
Nein. Viele moderne Düfte sind linear und riechen über Stunden ähnlich. Molecule 01 von Escentric Molecules besteht sogar nur aus einem einzigen Duftstoff, Iso E Super.
Wie teste ich ein Parfum richtig?
Auf die Haut sprühen und mindestens 20 bis 30 Minuten warten, bevor Sie urteilen. Zu jedem Flakon ab 30 ml legen wir Ihnen eine Gratisprobe desselben Duftes bei, ab € 90 Bestellwert erhalten Sie zusätzlich 4 Duftproben. Einen besonderen Probenwunsch notieren Sie gern im Warenkorb – sofern vorrätig, berücksichtigen wir ihn gerne.
Erst riechen, dann verlieben
Die beste Art, eine Duftpyramide zu verstehen, ist, sie zu erleben – einen ganzen Tag lang, auf Ihrer eigenen Haut. Zu jedem Flakon ab 30 ml legen wir Ihnen deshalb eine Gratisprobe genau dieses Duftes bei, damit Sie ihn in Ruhe kennenlernen, bevor Sie den Flakon öffnen. Ab € 90 Bestellwert erhalten Sie zusätzlich 4 Duftproben. Einen besonderen Probenwunsch, zum Beispiel Molecule 01 und Escentric 01 für den direkten Vergleich zwischen linear und komponiert, notieren Sie gern im Warenkorb – sofern vorrätig, berücksichtigen wir ihn gerne. Ab € 200 versenden wir kostenlos.
Oder Sie besuchen uns in unserer Boutique in Bregenz, schnuppern sich durch Kopf, Herz und Basis und lassen sich beraten. Neugierig auf einzelne Rohstoffe? Dann lesen Sie, wie Zimt vom Pharaonengrab in den Flakon kam.
Ihr Team 4D OUTFITTERS, Bregenz
Quellen: Wikipedia: Note (perfumery) · Wikipedia: Duftnote · Wikipedia: Septimus Piesse · Wikipedia: W. A. Poucher · Wikipedia: Fougère · Wikipedia: Fixative · Wikipedia: Volatility · Fragrantica: Fragrant Notes and Redolent Sounds · Fragrantica: Peacock Throne · Escentric Molecules
















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