
ZUTATEN-LEXIKON
Ambergris
Gereiftes Ambra riecht warm, salzig-meerig und leicht süß, mit tabakigen, moschusartigen Facetten und einem trockenen, hautnahen Nachhall.
NATÜRLICHANIMALISCH · AMBRIERT-MARIN · BASISNOTE
AUF EINEN BLICK
- Tier: Pottwal Physeter macrocephalus – Ambra ist eine im Meer gereifte Ausscheidung aus seinem Darm
- Herkunft: Treibgut und Strandfunde an Küsten vieler Meere; Handel u. a. in den USA und Australien verboten
- Gewinnung: gesammelt, zerrieben und in Alkohol als Tinktur gelöst; heute überwiegend synthetisch ersetzt
- Duft: warm, salzig-meerig, leicht süß und tabakig – vor allem Basisnote, auch Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Ausscheidung aus dem Darm des Pottwals (Physeter macrocephalus) · Gefunden als Treibgut und Strandfund an Küsten vieler Meere · Handel in einigen Ländern verboten, u. a. in den USA und Australien
- Gewinnung
- Als Strandfund oder Treibgut gesammelt, im Meer gereift, für die Parfümerie zerrieben und in Alkohol zu einer Tinktur gelöst
- Hauptmoleküle
- Ambrein (C₃₀H₅₂O, Hauptbestandteil) · Ambroxid (C₁₆H₂₈O) und Ambrinol als duftende Abbauprodukte
- Ernte
- Ambra hat keine Erntezeit: Sie wird das ganze Jahr über zufällig an Stränden oder auf dem Meer gefunden.
- Oft kombiniert mit
- Safran, Leder, Oud, Jasmin, Patschuli, Eichenmoos, Tuberose
Zahlen, die verblüffen
127 Kilogramm
Ambra fanden Fischer 2021 vor der Küste Jemens in einem toten Pottwal – verkauft wurde der Fund für rund 1,5 Millionen US-Dollar.
0,8 bis 0,9 Gramm
wiegt ein Kubikzentimeter gereifter Ambra – sie ist leichter als Wasser und treibt deshalb auf dem Meer, bis sie an eine Küste gespült wird.
30 statt 16
Kohlenstoffatome zählt das Ambrein – im Duftstoff Ambroxid, der beim Abbau daraus entsteht, bleiben nur 16 übrig, fast die Hälfte des Gerüsts geht verloren.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Ambra hat keine Erntezeit: Sie wird das ganze Jahr über zufällig an Stränden oder auf dem Meer gefunden. Als synthetisch nachgebildete Note ist sie jederzeit verfügbar.
Ambra lässt sich weder anbauen noch ernten: Sie wird gefunden, meist zufällig als Strandfund oder Treibgut. Ihre Qualität hängt davon ab, wie lange sie im Meer gereift ist – Sonne, Luft und Salzwasser oxidieren die Masse, Wasser verdunstet, sie härtet aus und hellt von Schwarz zu Grau oder Gelblich auf. Für die Parfümerie wurde die gereifte Ambra zerrieben und in Alkohol gelöst; als solche Tinktur kommt sie in eine Komposition. Rechtlich ist der Rohstoff heikel: In den USA dürfen Funde wegen des Artenschutzes für den Pottwal weder gesammelt noch verkauft werden, in Australien ist der kommerzielle Ein- und Export verboten. Auch deshalb wird die Ambranote heute überwiegend mit synthetischen Riechstoffen aufgebaut.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Ambra ist Erbrochenes des Pottwals.
Mythos. Ambra bildet sich im Darm des Pottwals und wird nach heutigem Kenntnisstand meist wie Kot ausgeschieden. Ob besonders große Stücke auch über das Maul ausgewürgt werden, ist umstritten – beobachtet hat die Ausscheidung bislang niemand.
Aussage 2
Früher hielt man Ambra für Vogelkot oder Meeresschaum.
Wahr. Bevor ihr Ursprung im Pottwal geklärt war, galt Ambra unter anderem als Ausscheidung von Seevögeln, als verfestigter Meeresschaum oder als Produkt unterseeischer Vulkane.
Aussage 3
Wer Ambra am Strand findet, darf sie überall behalten und verkaufen.
Mythos. In den USA verbieten die Artenschutzgesetze für den Pottwal Sammeln und Verkauf, in Australien ist der kommerzielle Ein- und Export untersagt. In anderen Ländern ist der Handel erlaubt – es gelten jeweils die örtlichen Regeln.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT AMBERGRISZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Ambergris
Fragen und Antworten
Gereiftes Ambra riecht warm, salzig-meerig und leicht süß, mit tabakigen, moschusartigen Facetten und einem trockenen, hautnahen Nachhall.
Ambergris, auf Deutsch graue Ambra, ist kein Harz und kein Mineral, sondern ein Stoff aus dem Verdauungstrakt des Pottwals (Physeter macrocephalus). Pottwale leben in allen Ozeanen und jagen in der Tiefe vor allem Tintenfische. Deren harte Schnäbel kann der Wal nicht verdauen; im Darm legt sich eine fettig-wachsartige Masse um sie, die den Darm vermutlich vor Verletzungen schützt. Ausgeschieden wird diese Masse nach heutigem Kenntnisstand meist wie Kot – beobachtet hat das allerdings noch niemand. Weil sie leichter ist als Wasser, treibt sie oft lange auf dem Meer, bevor sie an eine Küste gespült wird. Gefunden wird Ambra an Stränden vieler Meere, von der Nordsee über Australien bis zu den Kanaren, gelegentlich auch im Darm verendeter Pottwale. Frische Ambra ist schwarz und weich; erst die lange Reise durch Sonne, Luft und Salzwasser macht sie hart, grau und wachsartig.
Ambra lässt sich weder anbauen noch ernten: Sie wird gefunden, meist zufällig als Strandfund oder Treibgut. Ihre Qualität hängt davon ab, wie lange sie im Meer gereift ist – Sonne, Luft und Salzwasser oxidieren die Masse, Wasser verdunstet, sie härtet aus und hellt von Schwarz zu Grau oder Gelblich auf. Für die Parfümerie wurde die gereifte Ambra zerrieben und in Alkohol gelöst; als solche Tinktur kommt sie in eine Komposition. Rechtlich ist der Rohstoff heikel: In den USA dürfen Funde wegen des Artenschutzes für den Pottwal weder gesammelt noch verkauft werden, in Australien ist der kommerzielle Ein- und Export verboten. Auch deshalb wird die Ambranote heute überwiegend mit synthetischen Riechstoffen aufgebaut.
Ambra wird in kleinen Mengen als Tinktur eingesetzt und wirkt weniger als eigene Note denn als Verstärker: Sie verlangsamt das Verdunsten anderer Duftstoffe, hält eine Komposition länger fest und gibt ihr eine warme, leicht salzige Ausstrahlung. Ihr Duft ist zurückhaltend, aber anhaltend – er rundet blumige Öle ab und verleiht Hölzern, Moschus und Harzen eine hautnahe Tiefe. Weil echte Ambra rar und vielerorts nicht handelbar ist, steht hinter der Note in heutigen Parfums meist ein Nachbau aus synthetischen Bausteinen. In unserem Sortiment steht Ambergris in 8 Düften, vor allem in der Basisnote; in 58 weiteren Düften ist ein Ambergris-Akkord genannt.
Animalisch · Ambriert-marin · Basisnote, auch Herznote
Ambra hat keine Erntezeit: Sie wird das ganze Jahr über zufällig an Stränden oder auf dem Meer gefunden. Als synthetisch nachgebildete Note ist sie jederzeit verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Safran, Leder, Oud, Jasmin, Patschuli, Eichenmoos, Tuberose.
Ambra gehört zu den ältesten und kostbarsten Duftstoffen der Welt. Schon im alten Ägypten wurde sie als Räucherwerk verbrannt. In der arabischen Welt und später in Europa galt sie zugleich als Heilmittel – mittelalterliche Schriften empfahlen sie etwa gegen Kopfschmerzen, Erkältungen und Epilepsie. Zur Zeit des Schwarzen Todes trugen Menschen Duftkugeln mit Ambra bei sich, weil sie glaubten, ihr Duft schütze vor der Pest. Auch in Küche und Getränken war sie begehrt und aromatisierte türkischen Kaffee und die heiße Schokolade des 18. Jahrhunderts. In der Parfümerie schätzte man Ambra vor allem als Fixateur, der Blütenölen Haltbarkeit gab. Mit dem Schutz des Pottwals und Handelsbeschränkungen ist sie in der Parfümerie selten geworden; ihre Rolle übernehmen heute meist synthetische Riechstoffe.
- Im alten China hieß Ambra „Duft des Drachenspeichels“.
- Herman Melville widmete der Ambra in „Moby-Dick“ ein eigenes Kapitel und spottete, feine Damen und Herren parfümierten sich mit einer Essenz aus den „unrühmlichen Eingeweiden eines kranken Wals“.
- Der englische König Karl II. soll Eier mit Ambra besonders geschätzt haben.
Hauptbestandteil der Ambra ist Ambrein (C₃₀H₅₂O), ein Triterpenalkohol, der in Analysen den weitaus größten Teil der löslichen organischen Masse ausmacht; daneben enthält Ambra wechselnde Mengen an Steroiden. Den eigentlichen Duft tragen Abbauprodukte: Wenn Luft und Licht das Ambrein über lange Zeit oxidieren, entstehen kleinere Moleküle wie Ambroxid (C₁₆H₂₈O, PubChem-CID 10857465) und Ambrinol, die als wichtigste Duftträger gelten. Gereifte Ambra schmilzt schon bei rund 60 °C, ist in Wasser unlöslich, löst sich aber in Alkohol, Ether und Ölen – deshalb wird sie für die Parfümerie als alkoholische Tinktur verarbeitet. In ihrem Inneren finden sich häufig noch die unverdauten Tintenfischschnäbel, um die sie sich gebildet hat.
DUFTWISSEN
Im 4D Journal
-
DUFTWISSEN
Rose im Parfum: Die Königin der Duftstoffe
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Vanille im Parfum: Von der Orchidee zum Lieblingsduft
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Leder im Parfum: Wie riecht etwas, das nie im Flakon war?
WEITERLESEN
-
DUFTWISSEN
Duftkerze & Raumduft richtig einsetzen: So duftet Ihr Zuhause
WEITERLESEN





















