
ZUTATEN-LEXIKON
Cashmeran
Weich, moschusartig und holzig, mit würziger Wärme, einem harzig-koniferenartigen Unterton, einem Hauch Frucht und samtig-sauberer Ausstrahlung.
SYNTHETISCHHOLZIG · MOSCHUS · WÜRZIG · BASISNOTE
AUF EINEN BLICK
- Molekül: synthetischer Riechstoff DPMI (C₁₄H₂₂O), kein Naturvorbild
- Herkunft: Ende der 1960er-Jahre in den USA entwickelt, heute weltweit im Labor hergestellt
- Gewinnung: Oxidation eines teilhydrierten Pentamethylindans zum Keton
- Duft: weich, moschusartig, holzig, würzig – Basisnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Kommt in der Natur nicht vor · Ende der 1960er-Jahre in den USA im Labor entwickelt, heute weltweit synthetisch hergestellt
- Gewinnung
- Ein teilhydriertes Pentamethylindan wird an einem Ring gezielt zum Keton oxidiert
- Hauptmoleküle
- 1,1,2,3,3-Pentamethyl-1,2,3,5,6,7-hexahydro-4H-inden-4-on, kurz DPMI (C₁₄H₂₂O)
- Ernte
- Als synthetischer Riechstoff ist Cashmeran unabhängig von Ernte, Klima und Jahreszeit und wird ganzjährig in gleichbleibender Qualität hergestellt.
- Oft kombiniert mit
- Vanille, Bergamotte, Patschuli, Moschus, Sandelholz, Amber, Orangenblüte
Zahlen, die verblüffen
rund 2,9 Billiarden
Cashmeran-Moleküle stecken in einem einzigen Mikrogramm – einem Tausendstel Milligramm.
mehr als 55 Jahre
ist es her, dass Cashmeran 1969 zum Patent angemeldet wurde – und noch immer gibt es keinen Naturstoff, der genau so riecht.
mehr als 30.000-mal
lieber löst sich Cashmeran in Fett als in Wasser – deshalb haftet es so gut und reichert sich in fettreichem Gewebe an.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Als synthetischer Riechstoff ist Cashmeran unabhängig von Ernte, Klima und Jahreszeit und wird ganzjährig in gleichbleibender Qualität hergestellt. Im Duft wirkt seine samtig-warme Holz-Moschus-Note besonders in Herbst und Winter, bleibt aber durch ihre saubere Ausstrahlung auch ganzjährig tragbar.
Cashmeran wird vollständig im Labor aufgebaut. Ausgangsstoff ist ein Tetrahydro-pentamethylindan, also ein Pentamethylindan, dessen aromatischer Sechsring teilweise mit Wasserstoff abgesättigt ist. An diesem Ring wird anschließend eine CH₂-Gruppe gezielt zur Ketogruppe oxidiert – technisch etwa mit Luftsauerstoff und einem Cobalt-Katalysator, in der ursprünglichen Patentschrift auch mit anderen Oxidationsmitteln. Das Ergebnis ist ein bicyclisches, ungesättigtes Keton aus einem Fünf- und einem Sechsring mit fünf Methylgruppen. Bei Raumtemperatur ist der Stoff ein weißer Feststoff, der schon um 27 °C schmilzt.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Cashmeran wird aus Kaschmirholz oder Kaschmirwolle gewonnen.
Mythos. Cashmeran ist ein rein synthetischer Riechstoff, der in der Natur nicht vorkommt. Der Name spielt nur auf das weiche Gefühl von Kaschmirwolle an – einen Kaschmirholz-Baum gibt es nicht.
Aussage 2
Cashmeran riecht zugleich nach Holz und nach Moschus.
Wahr. Das Molekül verbindet einen koniferenartigen Holzcharakter mit einer weichen Moschusnote und gilt deshalb als Brücke zwischen Holz- und Moschusakkorden.
Aussage 3
Im Parfum steckt nur eine einzige Form des Cashmeran-Moleküls.
Mythos. Cashmeran besitzt ein Stereozentrum und kommt daher in zwei Spiegelbildformen vor. Im Handel wird es als Racemat eingesetzt, also als 1:1-Gemisch beider Formen.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT CASHMERANZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Cashmeran
Fragen und Antworten
Weich, moschusartig und holzig, mit würziger Wärme, einem harzig-koniferenartigen Unterton, einem Hauch Frucht und samtig-sauberer Ausstrahlung.
Cashmeran ist die Notenbezeichnung für DPMI, ein Molekül, das es in der Natur nicht gibt. Es entstand Ende der 1960er-Jahre bei einem US-Riechstoffhersteller, als ein Chemiker nach preiswerten Abwandlungen bekannter Indan-Bausteine suchte, aus denen bereits Moschusriechstoffe hergestellt wurden. Der Name spielt auf das weiche, umhüllende Gefühl von Kaschmirwolle an – mit Wolle oder einer Pflanze hat der Stoff nichts zu tun. Auch das in Duftbeschreibungen genannte „Kaschmirholz“ ist keine Holzart, sondern eine Fantasienote, die oft mit Cashmeran in Verbindung gebracht wird.
Cashmeran wird vollständig im Labor aufgebaut. Ausgangsstoff ist ein Tetrahydro-pentamethylindan, also ein Pentamethylindan, dessen aromatischer Sechsring teilweise mit Wasserstoff abgesättigt ist. An diesem Ring wird anschließend eine CH₂-Gruppe gezielt zur Ketogruppe oxidiert – technisch etwa mit Luftsauerstoff und einem Cobalt-Katalysator, in der ursprünglichen Patentschrift auch mit anderen Oxidationsmitteln. Das Ergebnis ist ein bicyclisches, ungesättigtes Keton aus einem Fünf- und einem Sechsring mit fünf Methylgruppen. Bei Raumtemperatur ist der Stoff ein weißer Feststoff, der schon um 27 °C schmilzt.
Cashmeran sitzt zwischen den Familien: Es verbindet einen trockenen, koniferenartigen Holzcharakter mit einer weichen Moschusnote und gilt deshalb als Brücke zwischen Holz- und Moschusakkorden. In Kompositionen gibt es Holznoten Volumen, Diffusion und eine samtige, pudrige Textur. Weil es sehr lange haftet, wirkt es vor allem in der Basis. Typisch sind Anteile von Spuren bis etwa 2 % im Parfumkonzentrat. In unserem Sortiment steht Cashmeran in 55 Düften, davon in 38 in der Basisnote.
Holzig · Moschus · Würzig · Basisnote
Als synthetischer Riechstoff ist Cashmeran unabhängig von Ernte, Klima und Jahreszeit und wird ganzjährig in gleichbleibender Qualität hergestellt. Im Duft wirkt seine samtig-warme Holz-Moschus-Note besonders in Herbst und Winter, bleibt aber durch ihre saubere Ausstrahlung auch ganzjährig tragbar.
In unseren Düften steht es oft neben Vanille, Bergamotte, Patschuli, Moschus, Sandelholz, Amber, Orangenblüte.
Am 18. August 1969 meldete ein Chemiker eines US-Riechstoffherstellers eine Gruppe neuer Indanon-Verbindungen zum Patent an; erteilt wurde es am 20. November 1973. Eine davon kam in den 1970er-Jahren als Cashmeran auf den Markt. Seit das Patent abgelaufen ist, stellen mehrere Hersteller das Molekül her.
- Den Namen verdankt Cashmeran dem Gefühl von Kaschmirwolle – „Kaschmirholz“ in Duftpyramiden ist keine echte Holzart, sondern eine Fantasienote.
- Cashmeran schmilzt schon bei rund 27 °C – unterhalb der Hauttemperatur; bei warmem Raumklima ist es halb fest, halb flüssig.
- Obwohl Cashmeran oft zu den polycyclischen Moschusstoffen gezählt wird, fehlt ihm deren typischer aromatischer Benzolring.
Cashmeran ist 1,1,2,3,3-Pentamethyl-1,2,3,5,6,7-hexahydro-4H-inden-4-on (DPMI, C₁₄H₂₂O, PubChem-CID 92292, CAS 33704-61-9, Molmasse rund 206,3 g/mol). Das Gerüst besteht aus einem Fünf- und einem Sechsring; eine Doppelbindung zwischen den Ringen ist mit der Ketogruppe konjugiert. Das Kohlenstoffatom mit der mittleren Methylgruppe ist ein Stereozentrum, daher gibt es zwei Spiegelbildformen – im Handel liegt Cashmeran als Racemat vor, also als 1:1-Gemisch beider. Der Stoff ist stark fettlöslich (log Kow etwa 4,5 bis 4,9). Nach EU-Einstufung (CLP) gilt er als giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung (H411), ist schwach hautsensibilisierend (H317) und wird von der IFRA je nach Produktkategorie mengenmäßig begrenzt.
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