
ZUTATEN-LEXIKON
Galbanum
Ferula gummosa · Doldenblütler (Apiaceae)
Intensiv grün und herb-bitter, an grüne Paprika erinnernd, mit harzig-balsamischem, holzigem und leicht pfeffrigem Unterton.
NATÜRLICHGRÜN · HARZIG-BALSAMISCH · HERZ- UND KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: Ferula gummosa, ein mehrjähriger Doldenblütler
- Herkunft: wild von Turkmenistan bis Nord- und Zentraliran, Handelsware fast nur aus Iran
- Gewinnung: Gummiharz aus dem angeschnittenen Wurzelhals, destilliert zu Öl oder extrahiert zu Resinoid
- Duft: intensiv grün, herb-bitter, harzig-balsamisch – Herz- und Kopfnote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Heimisch von Turkmenistan bis in den Norden und die Mitte Irans, unter anderem an den Hängen des Elburs-Gebirges · Ähnliches Gummiharz auch aus Afghanistan; im Handel stammt Galbanum fast ausschließlich aus Iran und von wild wachsenden Pflanzen
- Gewinnung
- Anschneiden des Wurzelhalses bzw. der Stängelbasis; das austretende, an der Luft erhärtende Gummiharz wird destilliert (ätherisches Öl) oder mit Lösemitteln extrahiert (Resinoid)
- Hauptmoleküle
- β-Pinen (C₁₀H₁₆, harzig-kiefernartig, meist Hauptbestandteil des Öls) · α-Pinen und δ-3-Caren (beide C₁₀H₁₆) als weitere Monoterpene · Spurenstoffe (3E,5Z)-1,3,5-Undecatrien (C₁₁H₁₈) und 2-Methoxy-3-isobutylpyrazin (C₉H₁₄N₂O), die den scharf-grünen Charakter prägen
- Ernte
- Das Gummiharz wird von Wildpflanzen gesammelt; die Angaben zur Sammelzeit gehen in der Literatur auseinander.
- Oft kombiniert mit
- Moschus, Jasmin, Bergamotte, Zedernholz, Zitrone, Patschuli, Grapefruit
Zahlen, die verblüffen
15 Nanogramm
pro Liter genügen, damit Rotwein nach dem Pyrazin riecht, das auch Galbanum seine Grünnote gibt – rechnerisch reicht ein Gramm für rund 66 Millionen Liter.
15 bis 25 %
des Gummiharzes lassen sich als ätherisches Öl abdestillieren – ein Vielfaches dessen, was Kräuter wie Thymian liefern.
knapp zwei Drittel
des Galbanumöls kann ein einziges Molekül ausmachen, β-Pinen – und doch prägen nicht die Hauptbestandteile den grünen Geruch, sondern Spurenstoffe.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Das Gummiharz wird von Wildpflanzen gesammelt; die Angaben zur Sammelzeit gehen in der Literatur auseinander. Öl und Resinoid sind lagerfähig und ganzjährig verfügbar.
Gewonnen wird ein Gummiharz, also ein Gemisch aus Harz, Gummi und ätherischem Öl. Dazu werden der Wurzelhals – der Übergang vom Stängel zur Wurzel – oder die Stängelbasis angeschnitten; teils wird die Erde um die Rübe freigelegt und eine Scheibe der Wurzel abgetragen, später erneut. Es tritt ein milchiger Saft aus, der an der Luft rasch zu gelblichen bis grünlichen Tränen oder zu klumpigen Massen erhärtet. Ältere Arzneibücher unterschieden ein härteres und ein deutlich weicheres Galbanum. Das Rohharz enthält viel Sand, Pflanzenteile und Wurzelscheiben und wird vor der Verarbeitung erwärmt und gesiebt. Durch Destillation mit Wasserdampf gewinnt man daraus rund 15 bis 25 % ätherisches Öl; mit Lösemitteln entsteht ein dunkleres Resinoid, das tiefer riecht und fixierend wirkt.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Den grünen Duft von Galbanum machen seine Hauptbestandteile.
Mythos. Mengenmäßig dominieren Monoterpene wie β-Pinen, α-Pinen und δ-3-Caren, die eher harzig-kiefernartig riechen. Die scharf-grüne Note stammt von Spurenstoffen, vor allem (3E,5Z)-1,3,5-Undecatrien und 2-Methoxy-3-isobutylpyrazin.
Aussage 2
Der Stoff, der Galbanum seine Grünnote mitgibt, steckt auch in grüner Paprika.
Wahr. 2-Methoxy-3-isobutylpyrazin ist ein Spurenstoff des Galbanumöls und zugleich der typische Geruchsträger grüner Paprika. Es ist so geruchsstark, dass es in Rotwein schon ab rund 15 Nanogramm pro Liter wahrgenommen wird.
Aussage 3
„Levante-Galbanum“ kommt aus der Levante.
Mythos. „Levante“ war eine Handelsbezeichnung. Schon die Arzneibücher um 1900 hielten fest, dass praktisch alles Galbanum des Handels aus Persien stammt bzw. über Persien gehandelt wird – heute kommt es fast ausschließlich aus Iran.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT GALBANUMZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Galbanum
Fragen und Antworten
Intensiv grün und herb-bitter, an grüne Paprika erinnernd, mit harzig-balsamischem, holzigem und leicht pfeffrigem Unterton.
Galbanum stammt von Ferula gummosa, einem mehrjährigen Doldenblütler. Die Pflanze wächst wild von Turkmenistan bis in den Norden und die Mitte Irans, auf steppenartigen Hängen in einem Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Botaniker des 19. Jahrhunderts fanden sie an den Hängen des Damavand im Elburs-Gebirge; ein sehr ähnliches Gummiharz wurde auch in Afghanistan gesammelt. Angebaut wird die Pflanze für die Harzgewinnung praktisch nicht: Das Galbanum des Handels wird von Wildpflanzen gesammelt und kommt heute fast ausschließlich aus Iran. In Palästina, wo es durch die Bibel bekannt wurde, war es nie heimisch – es war dort ein Importgut.
Gewonnen wird ein Gummiharz, also ein Gemisch aus Harz, Gummi und ätherischem Öl. Dazu werden der Wurzelhals – der Übergang vom Stängel zur Wurzel – oder die Stängelbasis angeschnitten; teils wird die Erde um die Rübe freigelegt und eine Scheibe der Wurzel abgetragen, später erneut. Es tritt ein milchiger Saft aus, der an der Luft rasch zu gelblichen bis grünlichen Tränen oder zu klumpigen Massen erhärtet. Ältere Arzneibücher unterschieden ein härteres und ein deutlich weicheres Galbanum. Das Rohharz enthält viel Sand, Pflanzenteile und Wurzelscheiben und wird vor der Verarbeitung erwärmt und gesiebt. Durch Destillation mit Wasserdampf gewinnt man daraus rund 15 bis 25 % ätherisches Öl; mit Lösemitteln entsteht ein dunkleres Resinoid, das tiefer riecht und fixierend wirkt.
Galbanum gibt einer Komposition eine scharfe, fast bittere Grünnote und wirkt im Herzen und im Auftakt; schon kleine Mengen reichen, weil die geruchsprägenden Spurenstoffe extrem stark sind. Im 20. Jahrhundert wurde es zu einem Kennzeichen klassischer grüner Düfte und wird bis heute in grün-blumigen Kompositionen eingesetzt. Das Resinoid wirkt tiefer und balsamischer als das Öl und hält länger auf der Haut. In unserem Sortiment steht Galbanum in 23 Düften, davon 15-mal in der Herz- und 10-mal in der Kopfnote; einige nennen es in beiden.
Grün · Harzig-balsamisch · Herz- und Kopfnote
Das Gummiharz wird von Wildpflanzen gesammelt; die Angaben zur Sammelzeit gehen in der Literatur auseinander. Öl und Resinoid sind lagerfähig und ganzjährig verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Moschus, Jasmin, Bergamotte, Zedernholz, Zitrone, Patschuli, Grapefruit.
Galbanum gehört zu den ältesten belegten Duftharzen. Schon die Medizin Mesopotamiens verwendete es. Im Buch Exodus (30,34) ist es eine von vier Zutaten des heiligen Räucherwerks, gemischt zu gleichen Teilen mit Stakte, Onycha und reinem Weihrauch – die einzige direkte Erwähnung in der Bibel. Die jüdische Auslegung erklärte später, warum ein für sich unangenehm riechendes Harz in die Mischung gehört: Es stehe für die Sünder, die ebenfalls Teil der Gemeinschaft sind. Plinius der Ältere und Dioskurides beschrieben Galbanum als Ware aus Syrien und zählten zahlreiche Anwendungen auf. Ende der 1960er-Jahre erkannten Chemiker, dass für den typischen Geruch ein ungewöhnlicher Kohlenwasserstoff mitverantwortlich ist, das 1,3,5-Undecatrien.
- Plinius der Ältere schrieb, schon die bloße Berührung von Galbanum, gemischt mit Öl und Spondylium, könne eine Schlange töten.
- In älteren Quellen trägt Galbanum auch den Namen „Mutterharz“.
- Galbanumöl wurde früher häufig mit Destillaten aus Kiefernöl gestreckt – beide enthalten reichlich Pinene.
Mengenmäßig besteht Galbanumöl vor allem aus Monoterpenen: β-Pinen (C₁₀H₁₆, PubChem-CID 14896) kann knapp zwei Drittel ausmachen, dazu kommen α-Pinen, δ-3-Caren (ebenfalls C₁₀H₁₆), Sabinen und Limonen – je nach Herkunft in stark wechselnden Anteilen. Diese Hauptbestandteile riechen jedoch eher harzig-kiefernartig. Den scharf-grünen Galbanum-Charakter prägen Spurenstoffe: das (3E,5Z)-1,3,5-Undecatrien (C₁₁H₁₈), ein ungewöhnlicher, nicht terpenischer Kohlenwasserstoff, und das 2-Methoxy-3-isobutylpyrazin (C₉H₁₄N₂O, PubChem-CID 32594), das auch grüner Paprika ihren Geruch gibt. Dieses Pyrazin gehört zu den geruchsstärksten bekannten Stoffen: In Rotwein wird es schon ab rund 15 Nanogramm pro Liter wahrgenommen. Das Gummiharz selbst enthält neben dem Öl rund 60 % Harz, in dem das Cumarin Umbelliferon gebunden ist, und rund 20 % Gummi.
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