
ZUTATEN-LEXIKON
Rosmarin
Salvia rosmarinus · Lippenblütler (Lamiaceae)
Frisch, kampferartig und harzig-kräuterig, mit kühlender, eukalyptusähnlicher Klarheit und einem leicht holzigen Unterton.
NATÜRLICHAROMATISCH · KRAUTIG-KAMPFERIG · KOPFNOTE
AUF EINEN BLICK
- Pflanze: immergrüner Strauch Salvia rosmarinus, ein Lippenblütler – botanisch heute ein Salbei
- Herkunft: Mittelmeerraum, Öl vor allem aus Tunesien, Marokko und Spanien
- Gewinnung: Wasserdampfdestillation von Zweigen und blühenden Triebspitzen
- Duft: frisch, kampferartig, kräuterig-harzig – Kopfnote, auch Herznote
STECKBRIEF
- Herkunft
- Heimisch im Mittelmeerraum, von Portugal und Marokko bis in die Türkei · Ätherisches Öl für die Parfümerie vor allem aus Tunesien, Marokko und Spanien
- Gewinnung
- Wasserdampfdestillation der Zweige und blühenden Triebspitzen zum ätherischen Rosmarinöl
- Hauptmoleküle
- 1,8-Cineol (C₁₀H₁₈O) · Kampfer (C₁₀H₁₆O) · α-Pinen (C₁₀H₁₆) · im Verbenon-Typ zusätzlich Verbenon (C₁₀H₁₄O)
- Ernte
- Rosmarin ist immergrün und blüht von Frühling bis Sommer, vereinzelt noch im Herbst; als ätherisches Öl ist er das ganze Jahr verfügbar.
- Oft kombiniert mit
- Patschuli, Vetiver, Bergamotte, Jasmin, Wacholder, Lavendel, Moschus
Zahlen, die verblüffen
rund 80 bis 200 kg
frisches Rosmarinkraut ergeben bei der Wasserdampfdestillation gerade einmal 1 kg ätherisches Öl.
über 40 %
1,8-Cineol stecken oft im Rosmarinöl aus Tunesien und Marokko – im spanischen Öl ist es meist nur rund ein Fünftel.
rund 300 Jahre
ist das rosmarinbasierte Ungarische Wasser älter als das Kölnisch Wasser vom Beginn des 18. Jahrhunderts.
Werte gerundet, gerechnet aus veröffentlichten Daten.
Ernte und Saison
Rosmarin ist immergrün und blüht von Frühling bis Sommer, vereinzelt noch im Herbst; als ätherisches Öl ist er das ganze Jahr verfügbar.
Rosmarinöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen: Heißer Dampf strömt durch die geschnittenen Zweige und blühenden Triebspitzen, löst die Duftstoffe aus den Öldrüsen der Blätter, und nach dem Abkühlen trennt sich das Öl vom Wasser. Die Ausbeute liegt meist bei rund einem halben bis gut einem Prozent des frischen Krauts. Wie das Öl riecht, hängt stark vom Chemotyp ab – also davon, welches Molekül in der jeweiligen Pflanzenpopulation dominiert: Öle aus Tunesien und Marokko sind reich an 1,8-Cineol, spanische Öle enthalten Kampfer, α-Pinen und Cineol in ähnlichen Anteilen, und Rosmarin aus Korsika und Sardinien liefert einen Verbenon-Typ.
Wissen zum Mitreden
Mythos oder Wahrheit?
Aussage 1
Rosmarinöl ist Rosmarinöl – es riecht immer gleich.
Mythos. Rosmarin bildet je nach Herkunft verschiedene Chemotypen: Öl aus Tunesien und Marokko ist reich an 1,8-Cineol, spanisches Öl ist kampferiger, korsischer Rosmarin liefert einen weicheren Verbenon-Typ. Die Norm ISO 1342 beschreibt den tunesisch-marokkanischen und den spanischen Typ getrennt.
Aussage 2
Rosmarin ist botanisch ein Salbei.
Wahr. DNA-Analysen haben gezeigt, dass die frühere Gattung Rosmarinus innerhalb der Salbei-Gattung Salvia steht. Seitdem heißt Rosmarin botanisch Salvia rosmarinus.
Aussage 3
Rosmarin ist eine Zutat erst der modernen Parfümerie.
Mythos. Das „Ungarische Wasser“, ein Destillat vor allem aus Rosmarin, wird ins 14. Jahrhundert datiert und gilt als eines der ersten alkoholischen Duftwässer Europas. Auch klassische Kölnisch-Wasser-Rezepturen enthalten Rosmarinöl.
Ihr Ergebnis
DÜFTE MIT ROSMARINZUTATEN-LEXIKON
Düfte mit Rosmarin
Fragen und Antworten
Frisch, kampferartig und harzig-kräuterig, mit kühlender, eukalyptusähnlicher Klarheit und einem leicht holzigen Unterton.
Rosmarin ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Lippenblütler und wächst wild rund ums Mittelmeer – von Portugal, Spanien und Marokko über Südfrankreich, Korsika und Sardinien bis nach Griechenland, Tunesien und in die Türkei. Seit DNA-Analysen gilt er botanisch als Salbei und heißt heute Salvia rosmarinus, die frühere Gattung Rosmarinus ist in Salvia aufgegangen. Für die Parfümerie sind vor allem zwei Herkünfte wichtig, die sogar in einer internationalen Norm getrennt beschrieben werden: das Öl aus Tunesien und Marokko und das Öl aus Spanien.
Rosmarinöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen: Heißer Dampf strömt durch die geschnittenen Zweige und blühenden Triebspitzen, löst die Duftstoffe aus den Öldrüsen der Blätter, und nach dem Abkühlen trennt sich das Öl vom Wasser. Die Ausbeute liegt meist bei rund einem halben bis gut einem Prozent des frischen Krauts. Wie das Öl riecht, hängt stark vom Chemotyp ab – also davon, welches Molekül in der jeweiligen Pflanzenpopulation dominiert: Öle aus Tunesien und Marokko sind reich an 1,8-Cineol, spanische Öle enthalten Kampfer, α-Pinen und Cineol in ähnlichen Anteilen, und Rosmarin aus Korsika und Sardinien liefert einen Verbenon-Typ.
Rosmarin bringt einer Komposition eine klare, kühl-aromatische Frische, die vor allem den Auftakt prägt und bis ins Herz hineinreicht. Er gehört seit Jahrhunderten zur Familie der Kölnisch-Wasser-Düfte, wo er Zitrusnoten, Neroli und Lavendel eine kräuterige Spannung gibt. In aromatischen und holzigen Düften verbindet er sich gut mit Lavendel, Wacholder, Zitrus und Vetiver und gibt ihnen eine saubere, mediterrane Herbe. In unserem Sortiment steht Rosmarin in 14 Düften, davon in 8 in der Kopfnote und in 6 in der Herznote.
Aromatisch · Krautig-kampferig · Kopfnote, auch Herznote
Rosmarin ist immergrün und blüht von Frühling bis Sommer, vereinzelt noch im Herbst; als ätherisches Öl ist er das ganze Jahr verfügbar.
In unseren Düften steht es oft neben Patschuli, Vetiver, Bergamotte, Jasmin, Wacholder, Lavendel, Moschus.
Rosmarin ist eine der ältesten Duftpflanzen Europas. Lange stand er für Erinnerung und Treue und wurde bei Hochzeiten wie bei Beerdigungen verteilt; bei Shakespeare reicht Ophelia Rosmarin mit den Worten „that’s for remembrance“. Für die Parfümerie besonders wichtig ist das „Ungarische Wasser“, das ins 14. Jahrhundert datiert wird und als eines der ersten alkoholischen Duftwässer Europas gilt: ein Destillat vor allem aus Rosmarin. Die Legende, es sei für eine ungarische Königin erfunden worden, ist nicht belegt. Im 18. Jahrhundert kam das Kölnisch Wasser auf – und auch dessen klassische Rezepturen enthalten neben Zitrus, Neroli und Lavendel Rosmarinöl.
- Rosmarin gilt heute botanisch als Salbei: DNA-Analysen zeigten, dass die frühere Gattung Rosmarinus innerhalb von Salvia steht – daher der Name Salvia rosmarinus.
- Verbenon, das prägende Molekül des korsischen Rosmarinöls, ist zugleich ein natürliches Signal, das Borkenkäfer von Kiefern fernhält – in der Forstwirtschaft wird es genau dafür eingesetzt.
- Rosmarin steckt auch in Lebensmitteln: Als Zusatzstoff E 392 schützt Rosmarinextrakt Fette vor dem Ranzigwerden.
Das Öl prägen vor allem 1,8-Cineol (C₁₀H₁₈O, PubChem-CID 2758), α-Pinen (C₁₀H₁₆, CID 6654) und Kampfer (C₁₀H₁₆O, CID 2537); ihr Verhältnis variiert je nach Chemotyp und Standort. 1,8-Cineol, auch Eukalyptol genannt, ist ein bicyclischer Ether mit frischem, kampferartigem Geruch und macht im Öl aus Tunesien und Marokko oft über 40 % aus. Im spanischen Typ liegen Kampfer, α-Pinen und 1,8-Cineol jeweils bei etwa einem Fünftel bis einem Viertel. Rosmarin aus Korsika und Sardinien bildet zusätzlich Verbenon (C₁₀H₁₄O, CID 65724), ein bicyclisches Keton mit weicherem, kräuterigem Profil. Die internationale Norm ISO 1342 beschreibt deshalb zwei Handelstypen getrennt, den tunesisch-marokkanischen und den spanischen.
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