
Champagner, Kaviar, Brezel: Warum Essen am Christbaum hängt
Eine Flasche Champagner, eine Dose Kaviar, eine Laugenbrezel und ein Zimtstern, und alles hängt am Christbaum. Wer durch die Inge-Glas-Auswahl in unserer Boutique schlendert, bekommt schnell Hunger. Aber warum sieht so viel Christbaumschmuck aus wie ein Festmahl? Oft hört man, das habe mit Kriegszeiten zu tun, als die Menschen echtes Essen an den Baum hängten. Wir haben nachgeforscht. Die wahre Geschichte ist älter, überraschender und ziemlich lecker.
- Der Ursprung: Die ersten Christbäume wurden tatsächlich mit Essen geschmückt: Äpfel, Nüsse, Oblaten, Lebkuchen und Zuckerwerk. Belegt ist das schon 1570 in Bremen und 1605 in Straßburg.
- Der Wechsel zu Glas: Im 19. Jahrhundert begannen Glasbläser in Lauscha, Früchte und Nüsse aus Glas nachzubilden. Glas war für arme Familien im Thüringer Wald billiger als echte Früchte und Zucker.
- Der Krieg: Für die These, Essensornamente stammten aus Kriegszeiten, gibt es keinen Beleg. Im Ersten Weltkrieg hingen eher Granaten und Zeppeline aus Glas am Baum.
- Heute: Champagner, Kaviar und Macarons am Baum sind ein Augenzwinkern an Genießer, die moderne Fortsetzung einer über 400 Jahre alten Tradition.
Warum hängte man früher Essen an den Christbaum?
Weil der Christbaum ursprünglich ein Baum zum Naschen war. Die ältesten Beschreibungen klingen wie ein Einkaufszettel: 1570 berichtet eine Bremer Zunftchronik von einem Tannenbäumchen mit Datteln, Äpfeln, Nüssen, Brezeln und Papierblumen im Zunfthaus. 1605 notiert ein Chronist in Straßburg, man hänge Rosen aus buntem Papier, Äpfel, Oblaten, Flittergold und Zucker in die Bäume. In der Schweiz nannte man den geschmückten Baum deshalb liebevoll „Fressbaum“, behängt mit Lebkuchen, Tirggel, Spekulatius, Nüssen und Äpfeln.
Der Apfel hat dabei eine besondere Rolle. Der Christbaum geht unter anderem auf den Paradiesbaum zurück, der in mittelalterlichen Paradiesspielen am 24. Dezember, dem Gedenktag von Adam und Eva, auf der Bühne stand. Der Apfel erinnert an den Sündenfall und, im christlichen Verständnis, an die Erlösung. Noch bei E. T. A. Hoffmann, im „Nussknacker und Mausekönig“ von 1816, hängen goldene und silberne Äpfel und Zuckermandeln am Weihnachtsbaum. Und war das Fest vorbei, durften die Kinder den Baum „plündern“ und die Leckereien aufessen.
Preise laut 4D OUTFITTERS Webshop, Stand: 19. Oktober 2026. Die angezeigten Preise werden automatisch aus dem Shop aktualisiert.
Wie wurde aus echtem Essen Christbaumschmuck aus Glas?
Die Antwort führt in den Thüringer Wald, nach Lauscha. Dort wird seit 1597 Glas gemacht, und die Menschen waren arm. Äpfel, Nüsse und erst recht Zucker waren für viele Glasbläserfamilien ein Luxus, Quarzsand dagegen gab es reichlich. Was lag näher, als Früchte und Nüsse aus Glas zu blasen? Eine berühmte Legende erzählt von einem armen Glasbläser, der sich keine echten Walnüsse und Äpfel leisten konnte und sie deshalb aus Glas nachformte. Oft wird er Hans Greiner genannt und das Jahr 1847. Belegen lässt sich die Geschichte nicht, schön ist sie trotzdem.
Belegt ist dagegen die erste Bestellung von Christbaumkugeln aus Lauscha im Jahr 1848, über sechs Dutzend Stück. Ab 1867 ermöglichte ein Gaswerk die gleichmäßige Flamme für die Massenproduktion, ab etwa 1870 wurden die Kugeln mit Silbernitrat von innen verspiegelt. Glasäpfel, Glasnüsse und Glasbirnen gehörten zu den ersten Motiven überhaupt. Zwischen 1879 und 1939 entstanden in der Region rund 5.000 verschiedene Formen. Der amerikanische Kaufhausunternehmer F. W. Woolworth importierte den Glasschmuck ab etwa 1880 in die USA, und so reisten gläserne Früchte und Gemüse um die Welt, darunter auch die berühmte Weihnachtsgurke.
Hat Christbaumschmuck in Essensform mit Kriegszeiten zu tun?
Diese Erklärung hören wir in der Boutique immer wieder, und wir haben sie ernsthaft geprüft. Das Ergebnis: Dafür gibt es keinen Beleg. Die Essensornamente sind viel älter als die Weltkriege, denn die Glasfrüchte stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, und der essbare Baumschmuck reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Was in Kriegszeiten tatsächlich am Baum hing, war etwas ganz anderes.
Patriotismus am Baum
Glasornamente in Form von Granaten, U-Booten, Zeppelinen und Eisernen Kreuzen. Museen deuten sie als Zeichen besonderen Patriotismus. Der Christbaum wurde zum politischen Symbol.
Lametta und Notbehelf
Papierbäume wurden an die Front geschickt, und die Propaganda stellte gläsernen Schmuck als Kitsch hin. Nach dem Krieg fehlte manchen Familien sogar der Baum. Die Familienbetriebe der Glasbläser begannen erst rund zwei Jahre später wieder zu produzieren.
Der wahre Kern der Kriegsgeschichte liegt woanders: Knappheit und Armut haben die Glasornamente tatsächlich geprägt, aber nicht im Krieg, sondern im 19. Jahrhundert in den Glasbläserdörfern Thüringens. Glas war schlicht günstiger als Obst und Zucker. Wenn Ihnen also jemand die Kriegsgeschichte erzählt, können Sie lächeln und sagen: Die Gurke ist älter.
Warum gibt es heute Champagner und Kaviar am Christbaum?
Weil Weihnachten auch ein Fest des Genießens ist, und weil Glasbläser Humor haben. Nach den Äpfeln und Nüssen kamen im Lauf der Zeit Würste, Brezeln, Kekse und Torten. Heute ist das Repertoire zu einer Art Delikatessenladen am Baum geworden: Austern mit Perle, Hummer, Prosciutto, Sushi, Macarons und natürlich Champagner. Das Kochmagazin lecker.de nennt solche Kugeln einen echten Foodie-Trend und zählt Inge-Glas zu den Herstellern.
Welche Bedeutung haben Essensornamente?
Einige Motive tragen eine lange Symbolik, andere sind einfach Lebensfreude. Hier ein kleiner Überblick, was überliefert ist und was eher volkstümliche Deutung:
| Motiv | Bedeutung | Bei uns |
|---|---|---|
| Apfel | Paradies und Sündenfall, im christlichen Sinn auch Erlösung. Gut belegt durch die Paradiesspiele. | Apfelhälfte, Granatapfel |
| Nuss | Nach volkstümlicher Deutung ein Sinnbild für Gottes verborgenen Plan. Vor allem aber eine der ältesten Baumzierden. | Eichel mit Glitzerkappe |
| Gebäck | Erinnerung an den „Zuckerbaum“: Lebkuchen, Springerle und Zuckerwerk hingen jahrhundertelang am Baum. | Vanillekipferl, Spitzbube, Stollen |
| Brezel | Stand schon 1570 auf der Bremer Liste der Baumzierden. | Laugenbrezel, Mini-Brezel |
| Gurke | Suchspiel mit Extrageschenk, Herkunft umstritten. | Alle Gurken im Überblick |
| Champagner & Kaviar | Keine alte Symbolik, sondern pure Lebensfreude: ein Augenzwinkern für Genießer. | Champagner rosé, Kaviar Black Label |
| Weißwurst & Senf | Regionale Liebe zum Weißwurstfrühstück, mit Humor. | Weißwurst-Paar, Weißwurstsenf |
Kuriositäten vom essbaren Christbaum
Zum Weitererzählen beim Festessen
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Der Zuckerbaum
Weil vor dem 19. Jahrhundert vor allem Äpfel, Nüsse, Gebäck und Zuckerzeug am Baum hingen, nannte man ihn auch „Zuckerbaum“.
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Baum plündern erlaubt
Nach den Festtagen durften Kinder den Baum „plündern“ und die essbaren Zierden vernaschen.
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Lametta im Krieg
Stanniolstreifen, wie man sie als Lametta kennt, wurden im Zweiten Weltkrieg von Flugzeugen abgeworfen, um das Radar zu stören. Allein die Royal Air Force setzte 1943 über 40 Tonnen ein.
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5.000 Formen
Zwischen 1879 und 1939 entstanden in Thüringen rund 5.000 verschiedene Formen für Christbaumschmuck.
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Goethe am Zuckerbaum
Schon in Goethes „Werther“ von 1774 ist ein Baum mit Kerzen, Zuckerwerk und Äpfeln beschrieben.
Häufige Fragen zu Christbaumschmuck in Essensform
Warum hängt man Essen an den Christbaum?
Die ersten Christbäume im 16. und 17. Jahrhundert wurden mit echten Äpfeln, Nüssen, Oblaten, Gebäck und Zucker geschmückt. Glasornamente in Form von Essen setzen diese Tradition fort.
Stammen Essensornamente aus Kriegszeiten?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Gläserne Früchte und Nüsse gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts, essbarer Baumschmuck ist noch viel älter.
Warum wurden Äpfel und Nüsse aus Glas hergestellt?
Für arme Glasbläserfamilien in Lauscha waren echte Früchte und Zucker teuer, Quarzsand für Glas dagegen günstig. So entstanden gläserne Nachbildungen.
Was bedeutet der Apfel am Christbaum?
Er erinnert an den Paradiesbaum aus den mittelalterlichen Paradiesspielen und damit an Adam und Eva, im christlichen Verständnis auch an die Erlösung.
Welche Essensornamente gibt es bei 4D OUTFITTERS?
Unter anderem Champagnerflaschen, Kaviardosen, Austern, Laugenbrezeln, Weißwürste, Lebkuchen, Zimtsterne, Vanillekipferl, Macarons und Weihnachtsgurken von Inge-Glas.
Erst staunen, dann schmücken
Ein Christbaum voller gläserner Leckereien ist mehr als ein Gag: Er erzählt die über 400 Jahre alte Geschichte des Weihnachtsbaums als Baum zum Naschen. Die ganze Auswahl finden Sie in unserer Inge-Glas-Kollektion, am schönsten aber im Licht unserer Boutique in Bregenz. Ab € 200 versenden wir kostenlos. Wie die Manufaktur hinter all diesen Stücken entstand, lesen Sie in Inge-Glas: 15 Generationen Glasbläser.
Ihr Team 4D OUTFITTERS, Bregenz
Quellen: Wikipedia – Weihnachtsbaum · Wikipedia – Christbaumschmuck · waldwissen.net · SRF · Universität Bonn · evangelisch.de · Historisches Museum der Pfalz · Tagesspiegel · lecker.de



















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